Horrende Starhonorare, bezahlt vom Staat
Das Opernhaus erhält (noch) mehr Geld. Der Regierungsrat beantragt für die nächsten sechs Jahre 415 Millionen Franken, bisher waren es 350 Millionen. Dass Pereira die Politiker selbst bei allgemeiner Sparwut noch um den Finger wickeln kann, erstaunt niemanden mehr. Aber dass der Kanton - als wärs das normalste der Welt – zusätzlich 4,5 Millionen spricht, u. a. um den “Anstieg der Gagen internationaler Stars” aufzufangen, das sollte hellhörig machen. Horrende Stargagen, bezahlt vom Staat. Wo bleibt der Aufschrei?
Furger mimt den Glücklichen
BAK-Chef Jauslin hat gewonnen. Der Direktor des Landesmuseums bestreitet morgen seinen letzten Arbeitstag, er geht - ”in gegenseitigem Einvernehmen”. Noch vor wenigen Wochen sagte Furger, er werde den Posten unter keinen Umständen kampflos abgeben und hat gar einen Juristen beigezogen. Gestern in der SF-Sendung Kulturplatz mimte er etwas verkrampft den Glücklichen: “Ich bin froh, dass das so gekommen ist.” Furger darf weiter teilzeit als Ausstellungsmacher im Landesmuseum arbeiten. Wahrscheinlich zum selben Lohn wie bisher. Oder gab es sonst eine grosszügige Abfindung? Darüber ist natürlich “Stillschweigen vereinbart” worden.
Sind die Buchhändler alles Hypochonder?
Der Bundesrat hat heute einen Bericht zur Situation des Buchmarktes genehmigt. Darin wird der Zustand der Branche als “gesund” und “stabil” bezeichnet. Der Protest des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbands (SBVV) folgt umgehend. Der Tenor der Stellungnahme (noch nicht online): “Wir wollen aber nicht gesund sein”. Leidet die Buchbranche an Hypochondrie? Wohl eher sieht sie durch die Diagnose einfach die Subventionen davonschwimmen…
New York macht uns Dada streitig
Darauf sind wir stolz: Dada, die Kunstbewegung mit weltweiter Ausstrahlung, hatte ihren Ursprung in Zürich, im Cabaret Voltaire.
Das Museum of Modern Art in New York zeigt zur Zeit eine grosse Dada-Ausstellung. Und da heisst es plötzlich: ”Born in neutral Zurich and New York, two cities that served as independent points of origin for the movement, Dada rapidly spread to Berlin, Cologne, Hannover, Paris, and beyond.” Zürich ist also nicht alleiniger Dada-Ursprungsort? - Liebes Cabaret Voltaire, wir fordern Klärung!
Nachtrag Die New York Times bringt die Zürcher Dada-Welt wieder in Ordnung: “‘Total pandemonium’ was how the sculptor Hans Arp reported the situation in 1916 at the great Cabaret Voltaire in Zurich, where Dada was born.”
Bice Curigers anbiedernde Trümpfe
Jeden Monat bloggt ein Gast auf der Homepage der SF-Sendung Kulturplatz. Im Juni ist Kunsthaus-Kuratorin Bice Curiger an der Reihe. Sie hat es bis heute auf einen einzigen Eintrag gebracht, dafür hat sie sich auf eine merkwürdigen Diskussion über Kunst als Massenkultur eingelassen. Da kann man nur sagen: zum Glück ist ihre Ausstellung besser als ihre Analysefähigkeit. Hier ein besonders schöner Rundumschlag von Plattitüden:
“die Kunstmuseen sind heute ja auch Teil der Massenkultur. Das ist ihr interessanter und zugleich auch problematischer Aspekt. Es gilt nicht voreilig Trümpfe aus der Hand zu geben und sich billig anzubiedern beim Publikum. Doch sehe ich es als eine tolle Herausforderung, immer wieder Kultur auf der Höhe der Zeit mit definieren zu können. Ich versuche jeweils meine Ausstellungen bereits von ihren Titeln her so zu konzipieren, dass sie Menschen mit oder ohne Vorkenntnis gleichermassen bei ihren Alltagserfahrungen ansprechen – um aber gleichzeitig auch einen weiterführenden “kunsthistorischen Diskurs” anzubieten.”
Auch für uns ist es eine tolle Herausforderung, das Bloggen auf der Höhe der Zeit mit definieren zu können.
Die Bedürfnisse der meistgehätschelten Kultursparte
Unter den Kulturschaffenden gilt: willst du möglichst einfach an viel Fördergeld kommen, so mach zeitgenössischen Tanz – und das auf Rätoromanisch.
Ob auf nationaler oder regionaler Ebene, Tanz wird unterstützt wie sonst kaum eine andere Sparte. Auch in Zürich soll es bald eine neue “mittlere Bühne” für Tanz geben - als Ergänzung zu den bereits bestehenden Spielstätten. Doch die Tanzschaffenden wollen mehr. Gemäss “Tages-Anzeiger” diskutiert die IG Tanz am Mittwoch über das Thema “Wollen und brauchen wir eine neue Bühne?”. Im Verlauf des Tagi-Artikels tönt es aber eher, als hiesse die Diskussion “Wieviele neue Bühnen sollen wir fordern?”. Peter Schelling von der Companie Drift: “Wir wollen nicht, dass der Eindruck entsteht, damit [der neuen Bühne] seien alle Bedürfnisse der Tanzenden gedeckt.” Deutlicher kann man die Anspruchshaltung kaum ausdrücken.
Was sind an den Zürcher Festspielen eigentlich die Festspiele?
Seit einigen Tagen sind in Zürich wieder die Festspiele im Gange. Und wieder einmal fragt man sich, was sind an diesen Festspielen eigentlich die Festspiele? Im Kunsthaus läuft unter diesem Titel eine tolle Ausstellung (siehe hier), doch diese gäbe es auch, wenn die Feststpiele nicht wären. Das selbe gilt auch für alle Opern-, Schauspiel- und weiss sonst noch was für Produktionen. Überall wird das normale Programm weitergespielt und einfach den Namen ”Festspiele” drübergesetzt. Es gibt natürlich auch Ausnahmen: Die grossartigen Tanzproduktionen in der Gessnerallee – für solch bekannte Namen fehlt sonst das Geld. Und vielleicht auch die beliebten Opernübertragungen im Münsterhof. Aber nein, selbst die gäbe es in ergendeiner Form wohl auch ohne diese “Festspiele”. link
Kronenhallen-Schatz für Kellner und Köche
Am Dienstag gibt es in Zürich gleich zwei grosse Auktionen. Christie’s versteigert im Kunsthaus erst Schweizer Kunst, darunter einen Hodler, anschliessend Werke des verstorbenen Kronenhalle-Besitzers Gustav Zumsteg, darunter einen Matisse. Ein Teil des Erlöses der Zumsteg Collection soll gemäss Testament an den Vorsorgefonds der Restaurantangestellten gehen. Bei den Rekordpreisen, die zur Zeit von Kunstauktionen aus aller Welt gemeldet werden, dürfen sich die Köche und Kellner auf eine rosige Zukunft freuen.
Der Zahlenverkäufer – Absatz stockt
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Der Zürcher Biologe und Künstler Marcel Salathé, genannt Sala, verkauft übers Internet die Zahlen 1 bis 1000, beziehungsweise 1000 Bilder mit den aufgemahlten Nummern. Ein Bild kostet 1000 Dollar minus die gewählte Nummer. Die ersten 100 Käufer erhalten 90 Prozent Rabatt, die nächsten 80 Prozent usw. Die Bilder werden also immer teurer. Sind alle 1000 Bilder verkauft verdient Sala zwischen 180′000 und 300′000 Dollar.
Die Idee gefällt, Sala verkaufte die ersten 500 Bilder unheimlich schnell in alle Welt. Nun wird der Preis offenbar allmählich zu teuer, in den letzten Tagen konnte er nur noch wenige Zahlen absetzen. Wird er dennoch alle 1000 Bilder abbringen? Wir wünschen Sala viel Glück – und bleiben dran. www.onethousandpaintings.com
Hartmanns Lohn am Burgtheater: 23′000 Fr/Mt.
Noch-Schauspielhaus-Direktor Matthias Hartmann soll in seinem zukünftigen Job als Intendant am Wiener Burgtheater 15′000 Euro (23′000 Franken) im Monat verdienen. Dies dürfte ähnlich viel sein wie bisher (laut Tages-Anzeiger verdient er in Zürich “über 250′000 Fr.” pro Jahr). Und noch etwas wird sich kaum ändern: die schlechte Stimmung des technischen Personals. Die Zürcher Theaterarbeiter haben im Januar gestreikt, die Wiener immerhin damit gedroht. Dies und noch viel mehr zu Hartmanns zukünftiger Wirkungsstätte hier
Die erfolgreichste Theatertruppe der Schweiz hebt ab

Von der Anarcho-Truppe zum Millionenunternehmen – Karl’s Kühne Gassenschau hat heute mit dem neuen Programm Silo8 in Winterthur Premiere (Budget: 4 Millionen Franken). Die PR-Mühle läuft auf Hochtouren, alle Medien sind schon im Vorfeld dabei – niemand auch nur mit einem kritischen Wort. Die Gassenschau muss man einfach gern haben, dem kann sich übrigens auch der Schreibende nicht entziehen (ausser die Truppe hat einen unkühnen Auftritt im Zirkus Knie). link
Roncallis Zauber
Roncalli kommt nach Zürich, jener Betrieb, der die Zirkuswelt vor 30 Jahren revolutionierte. André Heller und Bernhard Paul schufen einen Zirkus, wie man ihn sich immer erträumt, aber noch nie gesehen hatte. Ganz vorne dabei in der poetisch-skurrilen Welt auch einige Schweizer: Die Clowns Pic & Pello mit ihrem Maskenspiel, dann Pic alleine mit den Seifenblasen und vor allem Mummenschanz mit ihren lebenden Röhren.
André Heller ist längst weg, der Zauber wirkt noch immer, die Innovationskraft hat der Zirkus aber weitgehend verloren. Kitsch-Zirkus mit Nostalgie-Wagen und barockem Ambiente machen heutzutags alle. Roncalli ist in der Entwicklung stehen geblieben; auch die Zuschauer kommen nicht mehr in den Massen wie einst.
Im Winter gastiert Roncalli erstmals in die Schweiz, in Wallisellen. Trotz allem: Roncalli ist noch immer Zirkus von äusserst hoher Qualität. Und mit Christophe Gobet ist wieder ein grosser Schweizer Artist dabei (auf dem Bild rechts). Er und der Berliner Rodrigue bilden das Trapezduo Sorellas. Waghalsig, androgyn, wunderbar… link
Subventions-Kassensturz
Es ist schon einige Wochen her, seit der Kassensturz des Schweizer Fernsehens mit dem Beitrag “Subventionen für die Reichen” unter Kulturschaffenden einen Sturm der Entrüstung auslöste. Der Beitrag war tatsächlich nicht gerade eine Sternstunde des Journalismus, und Pro-Helvetia-Chef Knüsel blamierte sich mit seinem widersprüchlichen Geblaber. Dennoch bestätigten die Reaktionen auf den Beitrag einmal mehr: Kulturleute und Bauern unterscheiden sich kein bisschen, wenn es um die Verteidigung eigener Pfründen geht. Dass Kulturschaffende für ihre Subventionen Kämpfen, ist legitim und wichtig. Es muss aber erlaubt sein, Fragen zu stellen – vor allem über althergebrachte Strukturen.
Das Interessanteste jedoch – darauf hat noch niemand hingewiesen - sind die Reaktionen der Zuschauer auf der Kassensturz-Homepage. Die 230 Forums-Beiträge sind noch immer hier abrufbar. Eine solch breite und köstliche Diskussion über Sinn und Zweck der Kultur hat es seit Hirschhorn nicht mehr gegeben!
Technorama im Kunsthaus
“The Expanded Eye” heisst die neue Ausstellung im Kunsthaus. Optische Täuschungen, Spiegeleffekte, Projektonen etc. Das alles könnte ebensogut als “Sonderschau Optik” im Jugendlabor des Technoramas durchgehen. Nur: die Urheber sind hier nicht Physiker und Pädagogen, sondern Salvador Dalí, Pipilotti Rist oder Marcel Duchamp. Auffallend: der grösste Meister der verblüffenden Bildkunst fehlt – MC Escher. Der ist wahrscheinlich zu populär, als dass seine Kunst fürs Kunsthaus noch als Kunst gelten könnte. Für alle, die ihre kindliche Neugier nicht abgelegt haben, geht hin und lasst euch täuschen. link
Bildhauer von eigener Statue erschlagen
Hat zwar nichts mit Zürich zu tun - dennoch, die Kulturmeldung des Tages (aus derstandard.at):
Bildhauer Luis Jimenez gestorben
Statue erschlug mexikanisch-amerikanischen Künstler: Eine Pferdefigur aus Glasfaser stürzte auf den 65-Jährigen. weiterlesen