Kunst/Museen


Rostige Guerilla-Kunst

altherr.jpg
Seit einigen Tagen steht vor dem Kunsthaus illegal eine fünf Tonnen schwere Stahl-Skulptur von Jürg Altherr. Damit will der Künstler eine Diskussion über Kunst im öffentlichen Raum starten. Irgendwie passt sie gut dorthin; die geraden Linien entsprechen jenen vom Kunsthaus-Bau, dass die Skulptur schief steht, sorgt für die nötige Ungereimtheit.
Zur Kunst im öffentlichen Raum: eine illegale Altherr-Plastik ist allemal willkommener als die potthässlichen legale Kunst von Franz West, die zurzeit beim Seebad Enge, dem Utobad und am Paradeplatz steht.
Altherrs Werk erinnert stark an eine andere berühmte Guerilla-Skulptur: 1998 platzierte Schang Hutter seinen Rost-Kubus “Shoah” illegal auf dem Bundesplatz. Die Freiheits-Partei transportierte ihn kurzerhand wieder ab. Es war eines der letzten verzweifelten Lebenszeichen dieser Partei.
Wer entfernt wohl Altherrs Skulptur? Die Schweizer Demokraten? Die Neo-Nazis, die am 1. August nicht mehr aufs Rütli dürfen? Oder etwa Autonome, die sich darüber ärgern, dass das Besprayen eines Rostgebildes zwecklos ist? Weitere Vorschläge erwünscht!

Kommentare (6) zu “Rostige Guerilla-Kunst”

  1. philipp meier schrieb:

    danke für den bezug zu den west-skulpturen. diesen haben der tagi (grosser artikel) und die nzz verpasst.
    klemm, vizedirektor vom kunsthaus, liess sich zitieren, dass die stadt für die entfernung zuständig sei…; und dass es eh extrem mühsam sei, ständig ungewollt beschenkt zu werden. auch altherr liess sich noch zitieren, dass er den spiegelwürfel auf dem heimplatz extrem hässlich fände. hm…, das zeugt nicht gerade von grösse… ;)
    hier nun (endlich) meine meinung dazu: finde für eine solche diskussion (kunst im öffentlichen raum) weder die skulptur («oldskool») noch den standort (zu kunstnah) wirklich interessant. das spannende ist einzig die illegalität der aktion.
    ansonsten gefällt mir natürlich der ansatz von altherr, das mediale sommerloch mit dieser diskussion zu füllen. das hat ja bereits vor einem jahr (zumindest auf tagi-ebene) bestens funktioniert… :)

  2. rb schrieb:

    Der gut geschriebene Tagi Artikel ist online frei zugänglich: http://www.tagesanzeiger.ch/dyn/news/zuerich/650599.html (wie so oft bringt der Tagi aktuelle Kultur-Debatten nicht im Kulturteil sondern vorne). Das einzig Interessante an der Diskussion über Kunst im öffentlichen Raum ist: muss eigentlich überall alles mit Kunst verstellt sein? Lasst doch auch einmal einen Platz einfach einen Platz sein!

  3. philipp meier schrieb:

    na, na, na…, ich finde nicht, dass die stadt zürich zu arg mit kunst übersät ist.
    die diskussion sollte sich meines erachtens viel mehr um die frage drehen, welche(!) kunst gemeint ist. brunnen sind von vorvorgestern (nicht wertend!), naturalistische skulpturen von vorgestern (dito) und abstrakte skulpturen von gestern (dito). ergo: welche kunst sollte heute(!) in die stadt eingebaut, installiert, eingepflanzt, eingeführt oder implantiert werden? oder; mit welcher kunst soll heute die stadt bespielt, unterwandert oder ver(un)ziert werden?

  4. rb schrieb:

    Da hast du natürlich recht. Wenn man sich dafür entschieden hat, dass man Kunst will, so muss man zwingend fragen: welche? Wahrscheinlich geht es heute aber eher in die Richtung Platzgestaltung, wie z. B. beim Turbinenplatz oder dem Bundesplatz in Bern, als um die Platzierung eines einzelnen Kunst-Objekts

  5. Pav schrieb:

    Mir gefällt die Skulptur vor dem Museum ganz gut. Sie passt nämlich auch zu dem Baugerüst im Hintergrund des Photos. Die Kunst im Umbruch?:)

  6. philipp meier schrieb:

    schön wärs…