Kunst/Museen


Dada-Streit: Kommerz siegt über Kunst

In einem Mail an die Presse hat das Cabaret Voltaire, die Geburtsstätte der Dada-Bewegung, seine Kapitulation im Markenstreit bekannt gegeben. Hier das Mail im Wortlaut:

Die Firma Ifemy’s, Inhaberin der Marken “Dada”, “Damani Dada” und “Dada Supreme” (u.a.), droht damit, die noch vorhandenen T-Shirts der aktuellen Ausstellung “Boutique Damani” im Cabaret Voltaire zu beschlagnahmen. Weil sich das Cabaret Voltaire ganz schlicht keinen Gerichtsgang leisten kann (und auch aus Rücksicht auf die Partnerin Swatch), werden wir den Anliegen der Gegenpartei entgegen kommen und ab sofort
1. auf das Verkaufen der restlichen rund zwanzig Shirts verzichten, und
2. in der Ausstellung darauf hinweisen, dass mit der “Boutique Damani”
angeblich Markenrechte verletzt wurden, und explizit den Namen der Inhaberin der (Kleider)Marken “Dada”, “Damani Dada” und “Dada Supreme»” nennen.

Schade, der Kommerz hat einmal mehr über die Kunst gesiegt. Dennoch, lieber Philipp* , es war eine tolle Aktion, und dass ihr bis kurz vor Ausstellungsende durchgehalten habt, verdient Respekt.

*Philipp Meier ist Direktor des Cabaret Voltaire und trägt mit seinen Kommentaren viel zur Attraktivität von kulturblog.ch bei (heute ist er übrigens auch auf der Leserbriefseite der NZZ präsent).

Kommentare (2) zu “Dada-Streit: Kommerz siegt über Kunst”

  1. philipp meier schrieb:

    hm…, das ist eigentlich alles halb so schlimm; im gegenteil: es war teil der «übungsanlage», dass dieses szenario eintreffen könnte.
    es ist jedoch keine frage: ich hätte diesen teil des vielschichtigen shop- und ausstellungsprojektes «boutique damani» bei auftauchen eines klägers viel offensiver thematisieren wollen, z.b. mit einem gerichtsgang. das ist zum einen finanziell leider nicht machbar, hätte jedoch auch für die fa. swatch ungemütlich werden können, da sie ja auch relativ stark von markenpiraterie betroffen sind.
    wir hatten glücklicherweise gleich von beginn an einen brillanten kunstrechtsexperten zur seite, der sich weit über das bezahlte engagement hinaus für unsere sache einsetzte: bruno glaus (www.glaus.com).
    es gibt übrigens inzwischen, neben dem allgemeinen info-poster zur ausstellung, in der ausstellung eine kleine infowand zu diesem thema. da hängt u.a. ein artikel von bruno glaus, den er aufgrund dieser vorkommnisse in «persönlich» veröffentlicht hat, ein grosser artikel, der vor zwei wochen im tages-anzeiger erschienen ist (lukas häuptli) und eine ausführlichere stellungnahme von uns. (öffnungszeiten: di-so 13-19h:))

  2. dah schrieb:

    \’Und wer hat\’s erfunden?\’
    Ricolla Zureich, Malerin

    Ist es wirklich schade, wenn die MerzKunst mal wieder ueber den ComMerz gesiegt hat? Einhellig gestehe ich aber jede Form der [juristischen] Niederlage ein. Die WatchTime als globalen Internetstandard zu etablieren, hat aus Sicht der oekonomisch denkenden Marketingprofesionellen 1996 ja auch nicht funktioniert.

    Schade allenfalls um den markenrechtlichen Aspekt: das Sampling von kuenstlerinscher Identitaet [um Dich zu zitieren, Phillipp] scheint eine volle Erfolgsbilanz zu rechtfertigen. Denn darum geht es im Cabaret Voltaire ja ehedem seit 1912, also in bestem wertkonserativem Sinne: hervorragende Leistung!

    Auch wird sich der Umsatzverlust bei rund zwanzig nichtverkauften T-Shirts in einem Rahmen bewegen, der das Cabaret und die Boutique Darmani an die Grenzen der finanziellen Belastung bringen duerfte. Daher schlage ich vor, das merchandising [um im neoliberalen Terminus zu bleiben] auf internationelen Websites in Holland und Russland weiter zu betreiben. Im einen Fall gibt es kein Markenrecht, im anderen ist es jedenfalls aus prozessualrechtlichen Gruenden nicht moeglich, den Streitwert und damit die Gerichtskosten durch astronomische Abmahngebuehren derart in die Hoehe zu treiben, dass der Normalmensch von einer gerichtlichen Weierfuehrung des kreativen Projekts lieber absieht.

    Ich stelle mich fuer die Weiterfuehrung des unentgeltlichen merchandising gerne kostenlos und gar umsonst als Reseller und Hoster zur Verfuegung.

    Bei Angebotsannahme bitte ich um mail [http://rebell.tv] oder Anruf [http://rebell.tv] bei sms, um meine persoenlichen Daten zu erfragen ;)

    met vriendelijke groetjes,
    david herzog
    amsterdam
    david herzog

    PS: dah[maNie!]
    bin ja gespannt, ob ihnen dieses logo auch ne abmahnung wert ist. Das koennte langsam teuer werden, wenn die Firma Infantilis ihre Rechtsabteilung noch nicht \’outgesourced\’ hat…