Bühne


Weggespülte Träume

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Trist, sehr trist sah es heute am Theaterspektakel aus. Sogar die Tagesschau hatte Mitleid. Und drinnen? Die Voraussetzungen waren gut in der Spielstätte Nord: Das Zelthaus war praktisch ausverkauft, und auf dem Programm stand die Gruppe Zuhe Niao um Regisseur Zhang Xian, ”einer der bekanntesten Avantgarde-Künstler Shanghais”. Ein Mann, “dessen Werke immer wieder verboten wurden”. Das kann ja nur ein spannender Abend werden – denkt man.
Doch es kommt anders. Zu Beginn liegen vier Performer regungslos am Boden, bedeckt von weissen Laken. Ihre Träume werden an die Wand projiziert, dazu das Geräusch einer Toilettenspülung. So geht das in einem unfreien Land: die Träume kann man gleich mit allem andern Ballast das Klo runterspülen. Denn aussprechen darf man sie nicht, verwirklichen erst recht nicht. Wie Xian und seine Truppe das Thema weiter behandeln, könnte ebensogut das Resultat eines Theater-Weekends der Amnestie-International-Sektion Stäfa sein. In Arbeitsuniform wird im strengen Gleichschritt getanzt, bis einer erschöpft liegen bleibt. Oder die gequälten Arbeiter werden fotografiert – natürlich wie Schwerverbrecher. Das geht Szene für Szene so weiter, zusammengewürfelte Einzelteile, wirklich packend oder berührend wird das nie. Nur selten erhalten die jungen Performer die Gelegenheit zu zeigen, dass sie eigentlich hervorragende Bewegungskünstler wären.
Nach einer Stunde ist fertig. Der Vorteil am schlechten Wetter: fürs Bier danach muss man keine zwei Minuten anstehen.

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