Kunst/Museen, Sonstiges
19. September 2006
Sind Freitag-Taschen dadaistisch?
Die New York Times brachte vorgestern einen Artikel über den aus Containern bestehenden Dada-Shop im Zürcher Kreis 5 (Bilder und Infos hier). Über die Taschen aus alten Lastwagenplanen schreibt das Weltblatt:
“The materials, the often collagelike form and the playful, inscrutable designs (some with letters and numbers) suggest portable bits of Dada, the movement founded in Zurich during World War I. This wasn’t lost on the curators at the Museum of Modern Art in New York, who, when MoMA reopened in 2004, featured a Freitag bag in its design gallery.”
In Zürich (und anderswo) trägt demnach jeder zweite – noch so biedere - Student ein Stück Dada mit sich.
Zum Containerbau: Vor ein paar Tagen war an dieser Stelle von Zürcher Hochhhausplänen die Rede. Im NYT-Artikel wird erklärt, was in Zürich als hohes Gebäude gilt:
“The store is in a new building that is bold yet perfectly compatible with the neighborhood. It sits beside an elevated highway and railroad tracks (by the hip restaurant Rosso) and is made of 17 rusted shipping containers in a pile 85 feet high — which, in Zurich, ranks as a tall building.”
Thomas H. schrieb:
Kein Wunder, schliesslich braucht es in Zürich auch für das Aufstellen eines Gartenzwergs (mittelhoches Gebäude) eine Baubewilligung.
Geschrieben am 20. September 2006 um 09:51Uhr | Permalink
/sms ;-) schrieb:
auch freitag ist dada. logo! aber: nicht nur alle wochenentage sind dada: dada global siegt!
Geschrieben am 20. September 2006 um 13:18Uhr | Permalink
philipp meier schrieb:
ich bin paff! ich habe mich letzthin mit den gebr. freitag unterhalten, wie wir uns allenfalls(?!) irgendwie(?!) annähern könnten, und nun dieser artikel!
rb kommentiert meines erachtens etwas zu schnippisch:
apropos «jeder noch so biedere student»: freitag wechselte direkt vom kultprodukt hin zu einem klassiker.
bezug zu dada: ich betrachte es als ganz grosse kunst, mit einer 3-d-collage aus gebrauchten materialien den weltmarkt zu erobern; oder, wie sagte richard hülsenbeck so schön: «dadaist sein kann unter umständen heissen mehr kaufmann, … als künstler sein».
Geschrieben am 20. September 2006 um 14:30Uhr | Permalink
Play schrieb:
a propos philip meier:
gibt es eigentlich auch dadaistische bünzlis? wären das dann die neuen genialen dilletanten?
Geschrieben am 20. September 2006 um 19:04Uhr | Permalink
philipp meier schrieb:
liebe play. dein blog gefällt mir. da steckt mehr sex drin, als z.b. bei http://www.rebell.tv... ;)
wie kommst du in diesem zusammenhang auf «bünzlis»? kennst du rossi taschen? wahrscheinlich schon. das hat nix mit dada zu tun. unter den dadaisten gab es aber auch «bünzlis». kurt schwitters (merz/bau&co.) war neben seinem revolutionären kunstprojekt ein eigentlicher bünzli. er blieb (quasi auch geistlich) in kassel, obwohl der kunst(politische) bär seinerzeit in berlin tanzte.
bei den postdadaisten gefallen mir diejenigen «bünzlis», die mehr oder weniger bewusst wider jedes marketingkommunikationssexsellsdingsbums ihre sache durchziehen. siehe http://www.rebell.tv.
aber eben: erkläre mir bitte «bünzlis». das interessiert mich sehr.
ich persönlich würde «urban» dem begriff «bünzli(provinziell?!)» gegenüber stellen; und zwar nicht geografisch betrachtet, sondern was das denken betrifft. beispiel: jeder undergroundminimaltechnofreak, der sich jeglicher populären(«kommerziellen») musik verweigert, als «bünzli» bezeichnen. so gesehen wäre http://www.rebell.tv nicht «bünzli» sondern «urban».
scheisse, jetzt habe ich schon wieder definiert/geschrieben. sorry!
mich interessiert deine haltung gegenüber «bünzlitum» oder «bünzlismus». kannst mir auch direkt auf e-mail antworten…
Geschrieben am 20. September 2006 um 23:39Uhr | Permalink