Literatur
20. September 2006
Schreiben und Geld
Was verdient ein Schriftsteller? Diesem Thema widmet sich die Ausstellung “Brotlos?” im Literaturmuseum Strauhof. Das Fragezeichen wäre eigentlich überflüssig. Etwa 90 Literaten leben in der Schweiz vom Schreiben, der Grossteil von ihnen muss mit einem Einkommen von 2000 bis 3000 Franken pro Monat auskommen.
Anhand zahlreicher Schriftsteller wird der vielfältige Zusammenhang zwischen Schreiben und Geld aufgezeigt. Picken wir doch Friedrich Dürrenmatt heraus. Der soll gesagt haben:
“Überhaupt tut es dem Schriftsteller gut,
sich nach dem Markt zu richten.
Geldverdienen ist ein schriftstellerischer Stimulans”
Dürrenmatt hatte gut reden. Zu Beginn der Karriere war zwar auch er arm dran und auf Hilfsaktionen angewiesen, bald wurde er aber zum Grossverdiener. “Er leistete sich in Neuchâtel zwei Wohnhäuser mit Swimmingpool, grosse Autos, einen legendären Weinkeller und eine Sekretärin, die ihm das Büro machte und seine Manuskripte abtippte”, heisst es in der Ausstellung.
Weiter erfährt man, dass nur etwa 10 Prozent des Ladenpreises eines Buchs an den Autor gehen, dass 10′000 verkaufte Exemplare in der Deutschschweiz bereits als Bestseller gilt und dass die öffentliche Hand in der Schweiz gut 10 Millionen Franken für die Literaturförderung ausgibt, dazu kommen noch mindestens 3 Millionen von Stiftungen.
Dürrenmatt ist und bleibt ein Sonderfall (Martin Suter dürfte ihm wohl vom Lebensstil her am nächsten kommen) - in den meisten Fällen kann man sich an Ludwig Börne halten. Er meinte:
“Meine Armut ist so gross, dass ich in Gefahr bin, ein Dichter zu werden.”