Musik


Strafe für Falsch-Klatscher?

CultureVulture, der Kulturblog der britischen Zeitung The Guardian, beschäftigt sich mit einem Problem an klassischen Konzerten: Was tun mit den Dilletanten, die zum falschen Zeitpunkt applaudieren?

“At classical music concerts, there is almost nothing more aggravating than hearing a superb performance of, say, a Sibelius symphony with a crackling, climactic ending, only for some idiot to start applauding before the final note has died away.”

Die Autorin Charlotte Higgins liefert für die Anfänger gleich eine Anleitung, wann geklatscht werden darf:

“The end is not until the conductor relaxes from his final position and the rest of the orchestra does the same – string players lower their right arms, reeds are removed from mouths, and so forth.”

Dass ungeübte Konzertgänger oft (fälschlicherweise) auch zwischen zwei Sätzen applaudieren, findet Higgins hingegen nicht so schlimm.
Die vielen Kommentare auf CultureVulture zeigen: das Klatsch-Problem scheint die Klassik-Gemeinde zu beschäftigen. Wahrscheinlich ist dies einer der Gründe, weshalb sich in die meisten Konzerthallen nur noch grauhaarige Zuhörer begeben: da sind einfach zu viele Konventionen. Es kommt sogar vor, dass ein Vorklatscher ins Publikum gesetzt wird - die Zuhörer werden wie bei einer TV-Show instruiert, nur nach seiner Vorgabe zu applaudieren.
Ist das wirklich im Sinn der Musik und der Musiker? Bei den Tonhalle-Late Konzerten in Zürich fällt auf, dass sich die Musiker und der Dirigent von den enthusiastischen aber oft falsch applaudierenden jungen Zuschauern mitreissen lassen wie sonst nie. An keinem Konzert sieht man die Musiker dermassen entspannt, dermassen freudvoll an den Instrumenten sitzen. Bei den Proms in London das selbe. Ist es nicht an der Zeit, dass sich auch die klassische Musik etwas lockerer gibt?

Keine Kommentare möglich.