Bühne
30. September 2006
Schauspielhaus: Allah rettet die Welt

Nein, dieses Stück wird keine Muslime zu Proteststürmen animieren – obwohl der personifizierte Allah vorkommt. Grund zur Empörung haben eher die Katholiken, doch die scheinen in letzter Zeit etwas betroffenheitsfaul geworden zu sein.
Sibylle Berg ordnet in ihrer Junk-Opera “Wünsch dir was!” Allah den guten Göttern zu. Mit Buddha und dem jüdischen Gott. Na ja, den einigermassen guten.
Der Bösewicht ist für einmal der christliche. Er will seine missratene Welt zerstören, mischt sich in der Gestalt eines Pudels unter die Menschen und adoptiert den teuflischen Ralf - die gebärwillige Ulkfigur Maria (Fabienne Hadorn) fordert vergebens die Empfängnis.
Gott beauftragt Ralf, den Menschen die Seelen abzukaufen. Sieben braucht er, um die Welt zugrunde zu richten. Die Götter der andern Weltreligionen können ihn im letzten Moment noch stoppen.
Eine abgedrehte Geschichte, von Niklaus Helbling in Rocky-Horror-Show-Manier inszeniert, garniert mit Pepe-Lienhard-Elementen. Die Brisanz des Religions- und kaputte-Welt-Themas geht zwischen Showtreppe und Bollywood-Kullisse unter. Die Songs, komponiert von Markus Schönholzer, haben Kult-Potenzial (CD liegt dem Programmheft bei). Nur: an der Premiere im Schiffbau war der Anteil Berufszuschauer zu hoch, als dass sich das Publikum hätte mitreissen lassen können. Erst bei den Zugaben kam richtig Stimmung auf.
Man kann sich in ”Wünsch dir was!” durchaus amüsieren, wunschlos glücklich ist man damit dennoch nicht.