Politik, Sonstiges


Lohnrückgang bei Künstlern

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Zwischen 2002 und 2004 haben Angestellte im Bereich Kultur und Unterhaltung einen Lohnrückgang von durchschnittlich 8 Prozent hinnehmen müssen, berichtete gestern die Tagesschau. Keine Ahnung, wie sie auf diese Zahl kommt (beim Lohnrechner des Gewerkschaftsbundes sind die Löhne deses Bereichs ausgeklammert). Der Rückgang erscheint aber durchaus realistisch. 
In der Kultur ist die Entwicklung nicht anders als in der übrigen Wirtschaft. Wenige Top-Verdiener erhalten immer mehr, die Masse kann sich, wenns gut geht, auf demselben Lohnniveau halten. Der Unterschied: in der Kultur werden jene, die überrissene Star-Gagen bezahlen, vom Staat dafür noch belohnt (siehe hier).

Bühne, Politik


SP und Opernhaus wie FDP und Swissair

Der Kantonsrat hat entschieden: das Opernhaus soll noch mehr Geld erhalten. Das Ergebnis war wie erwartet äusserst knapp. Dass dieses Luxus-Haus, ein Wohlfühltheater, das kaum je  wirklich künstlerische Impulse zu geben vermag, von allen Sparbemühungen des Kantons ausgeschlossen wird, ist ein krasser Fehlentscheid. Richtiggehend skandalös ist jedoch (das habe ich hier bereits einmal geschrieben), dass die Subventionserhöhungen zu einem grossen Teil für die stark angestiegenen Star-Gagen vorgesehen sind. Seit wann ist die Begleichung von überrissenen Star-Gagen Aufgabe des Staats?
Gerade die Sozialdemokraten verraten mit diesem Entscheid ihre grundlegendsten Prinzipien. Da wütet der Filz wie zuvor bei der Swissair und der FDP. Zwei SP-Vertreter sitzen im Verwaltungsrat des Opernhauses, darunter als Präsident der Alt-Stadpräsident Josef Estermann. Man kann sich richtiggehend vorstellen, wie die beiden in der Kronenhalle genussvoll auf die neue Geldschwemme anstossen.

Musik


Kammerorchester: Inserat für Fr. 15′928

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Eine kraftvolle Welle dirigiert Muhai Tang, der neue Dirigent des Zürcher Kammerorchesters auf dem ganzseitigen Inserat im Tages-Anzeiger von heute. Gemäss Tarifliste kostet eine solche Anzeige 15′928 Franken. Und dies ist nicht das erste Grossinserat des ZKO in dieser Saison. Das selbe Motiv erschien im Tagi bereits in einer doppelseitigen Variante (Kosten gemäss Tarifliste: Fr. 35′042).
Was auffällt: kein einziger Sponsor wird im Inserat erwähnt. Fliessen die Subventionen beim ZKO in die Werbung anstatt in die Musik? Nein. Denn: der Präsident des ZKO heisst Hans Heinrich Coninx, seineszeichens Tamedia-Verleger. Er stellt seinem ZKO die Werbefläche wohl unentgeltlich zur Verfügung.

Sonstiges


SonntagsZeitung: kulturblog.ch auf Platz 1

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Die SonntagsZeitung hat kulturblog.ch zur Nr. 1 unter den Kulturblogs erkoren! Welch eine Ehre! (Hatte mich schon gewundert, warum die Zugriffszahlen ausgerechnet an einem Sonntag neue Rekordwerte erreichen.)

Literatur


Falscher Hilfeschrei aus der Romandie

Die Schaufenster kleinerer Buchhandlungen in der Westschweiz bleiben dieser Tage leer. Ein Hilfeschrei. Die Buchhändler fordern eine Buchpreisbindung. Wie in Frankreich und im deutschsprachigen Raum. Ansonsten gehe die Vielfalt verloren.
Der Protest wird in Bern wohl kein Gehör finden. Zu recht. Denn trotz Buchpreisbindung verschwinden bedauerlicherweise auch in der Deutschschweiz immer mehr kleine Buchläden - auf dem Lande ebenso wie in den Städten. Mit der Buchpreisbindung hat dies nichts zu tun, sondern mit amazon.com, books.ch und wie die Internetbuchhändler alle so heissen. Dank diesen ist die Vielfalt sogar so gross wie noch nie. Auch andere Branchen haben mit ähnlichen Umwälzungen zu kämpfen, Stichwort Lädelisterben.
Übeleben werden jene Buchhändler und Verleger, die gute Ideen haben - und nicht jene, die ihre Zeit damit vergeuden, für vorgeschriebene Preise zu kämpfen. Da Amazon mit  dem Verkauf von gebrauchten Büchern bereits legal die Buchpreisbindung umgeht, müsste es eigentlich im Interesse der physischen Buchhandlungen sein, wenn auch sie die Preise selber bestimmen könnten. Hinter vorgehaltener Hand haben mir einige Buchhändler und Verleger auch schon gesagt, dass sie eigentlich für eine Abschaffung seien. An die Öffentlichkeit will damit jedoch niemand, man will den Kollegen ja nicht in den Rücken fallen.

Bühne


Tankstellen-Theater

(c) rb
Hier befindet sich Zürichs neuestes Theater, das Maiers. Innendrin, so hört man, sehe es aber ganz ansprechend aus. Der Spielplan ist nicht besonders originell, etwas Comedy, etwas Kindertheater, etwas Impro, dies kann man aber einer nicht subventionierten Bühne nicht übel nehmen. Dennoch wirds für die Theatermacher schwierig; die Konkurrenz, das traditionsreiche Theater am Hechtplatz und das unübertroffene Miller’s Studio (jetzt gerade spielt Malediva, auf keinen Fall verpassen!), erhalten Subventionen – und auch sonst, das Stammpublikum ist diesen zwei Häusern kaum wegzunehmen. Umso mehr: Hochachtung vor dem Mut ein neues Theater zu starten! Und das erst noch hinter einer Tankstelle.

Bühne


Rausgehen erlaubt

Bei William Forsythes Uraufführung “Heterotopia” im Schiffbau darf das Publikum kommen und gehen wann es will. Eigentlich ein gutes Konzept für ein Theaterstück: endlich darf man sich ohne schlechtes Gewissen frühzeitig davonmachen. Bereits letztes Jahr zeigte Choreograph William Forsythe eine solche “performative Installation” im Schiffbau (damals sass Direktor Matthias Hartmann an der Premiere die meiste Zeit vergnügt plaudernd neben Pipilotti Rist in einer Ecke am Boden). 
Bei “Heterotopia” wird in zwei Räumen unter, auf und neben Tischen getanzt. Die Bewegungen und die Laute, die die Tänzer von sich geben, wirken ziemlich animalisch. Das Schauspielhaus hat nicht unrecht, wenn es behauptet, “wie immer bei einem Forsythe-Abend wird der Zuschauer etwas anderes sehen, als er erwartet hat – aber auch etwas, was er noch nie so erlebt hat”, doch diesmal ist’s nicht dermassen packend wie auch schon.
Noch zwei Beobachtungen am Rande:
1. Der Meister William Forsythe kauerte während der Vorstellung oft irgendwo unter den Zuschauern und gab per Funk Anweisungen durch. Wahrscheinlich an die Technik (oder etwa an die Tänzer?).
2. Praktisch nur Frauen waren mit Notizblock zu sehen. Bei der Gilde der Tanzkritiker ist das Geschlechterverhältnis offenbar ähnlich wie bei den Kindergärtnern.

Kunst/Museen


Zürich: Gegenkonzepte für Teddybären

Die Stadt will endlich Ordnung schaffen in Sachen Kunst im öffentlichen Raum und hat dazu – wie könnte es anders sein – eine  Arbeitsgruppe ins Leben gerufen (Medienmitteilung hier). Vorsteherin der neuen ‘Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum (AG KiöR)’ ist Dorothea Strauss, die als Direktorin des Haus Konstruktiv einen sehr guten Job macht. Mutig von ihr, diesen Posten zu übernehmen. Denn: egal, ob sie dem Stadtrat das Aufstellen einer Skulptur empfiehlt oder nicht - damit kann man sich nur Feinde machen. Dass sie sich von der Tragweite dieser Aufgabe vielleicht noch nicht ganz bewusst ist, zeigt ihr Statement auf Radio DRS (RealAudio). Vom Regionaljournal wurde sie gefragt, ob eine Kuh- oder Teddybärenaktion in Zukunft wieder möglich sei. Originalzitat Strauss:

“Die Bären? Na ja, es ist doch ganz klar, dass es total interessant ist, diese Bärenaktion jetzt einmal aufzugreifen und zu gucken: gibt es noch eine Alternative zu Bären? Es ist interessant, Gegenkonzepte zu erstellen, das interessiert mich.”

Was sind das wohl für Gegenkonzepte? Etwa Krokodile? Jedenfalls, für diese schwierige und wichtige Aufgabe wird Frau Strauss noch viel Durchhaltewille und eine dicke Haut nötig haben. 

Film


Undenkbar: Schweiz und Sex

Heute veröffentlichte die deutsche Netzeitung ein Interview mit dem Comiczeichner Benedikt Eppenberger, Autor eines Buches über den Schweizer Filmproduzenten, Regisseur und Kinounternehmer Erwin C. Dietrich. Dietrich, später Betreiber der Zürcher Grosskinos Capitol und Cinemax, wurde vor allem berühmt durch seine “Aufklärungsfilme” aus den 60er Jahren. Und so titelt netzeitung.de:

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Für Deutsche ist es offenbar undenkbar, dass sich Schweizer mit Sex beschäftigen – und dazu noch Sexfilme drehen (igitt!).
Abgesehen davon, das Buch “Mädchen, Machos und Moneten. Die unglaubliche Geschichte des Schweizer Kinounternehmers Erwin C. Dietrich” dürfte hoch spannend sein (leider habe ich es noch nicht gesehen). Immerhin ist Erwin C. Dietrich eine der schillerndsten Figuren im Zürcher Kulturleben.

Politik


Kulturausgaben in Berlin / Zürich. Ein Vergleich.

159 Euro pro Einwohner soll die Stadt Berlin pro Einwohner für die Kultur ausgeben. Das sind 255 Franken. Zu viel, meint das deutsche Verfassungsgericht und ortet Sparpotenzial. Wie sieht das in Zürich aus?
Die Stadt gab 2005 für Kultur netto 64,5 Millionen Franken aus (siehe hier). Der Kanton bezahlte zusätzlich für das Opernhaus  66,7 Millionen Franken und als Beitrag an die kulturellen Zentrumslasten der Stadt nochmals 41,4 Millionen. Macht zusammen für die Kultur der Stadt Zürich 172,6 Millionen Franken. Kleinere Beiträge des Kantons an Gruppen oder Einzelkünstler aus der Stadt sind hier nicht mit eingerechnet, ebensowenig das Landesmuseum, das vom Bund finanziert wird.
Rechnet man grosszügig mit 400′000 Einwohnern, so gibt die öffentliche Hand pro Person 431 Franken für Kultur aus. Also einiges mehr als Berlin.
Blöde Rechnung, wird manch einer sagen, schliesslich besuchen nicht nur Stadtzürcher die städtischen Kulturinstitutionen. Richtig. Also nochmals dasselbe für das “Millionen-Zürich”, bzw. den Kanton. Dazu gehören sämtliche Kulturausgaben des Kantons plus noch jene der Städte Zürich und Winterthur plus ein konservativ geschätzter Pauschalbetrag der übrigen Gemeinden von 10 Millionen. Das ergibt die die Rechnung:

Stadt Zürich: 64,5 Mio Fr.
Stadt Winterthur: 22,7 Mio Fr.
Kanton Zürich: 127,6 Mio Fr.
übrige Gemeinden: 10 Mio Fr.

Total: 224,8 Millionen Franken (ohne Landesmuseum, Pro Helvetia und BAK)

Im Kanton Zürich lässt die öffentliche Hand für die Kultur also rund 180 Franken pro Einwohner springen (bei 1,25 Mio. Einwohnern). Fazit: Das arme Berlin gibt pro Person deutlich mehr für Kultur aus als das reiche Zürich. Oder doch nicht? Die vom Deutschen Verfassungsgericht eruierte Zahl für Berlin wird stark angezweifelt, und auch in meiner Rechnung ist womöglich einiges vergessen gegangen bzw. falsch kalkuliert worden. 

Kunst/Museen


Wäsche, Papst, Dinosaurier

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Das Stadthaus ist voll gehängt mit Wäsche. Ein schöner Anblick für all die frisch vermählten Zürcher Hochzeitspaare! Wie in einem spanischen Hinterhof. Waschfrau ist Giuseppe Reichmuth, dieser grosse Unbekannte der hiesigen Künstler. Die Wäschestücke stammen von Beamten; zu sehen ist aber noch viel mehr. Zum Beispiel Reichmuths berühmter Dinosaurier auf der Autobahn, eine Karikatur eines Papstes oder eine wackelnde Drahtskulptur.
Eine Ausstellung die man nicht vepassen darf. Sollte ich in diesen Tagen um Kunst-Rat gefragt werden, so würde ich sagen: lieber zu Reichmuth ins Stadthaus als etwas weiter oben in die Alpen.

Literatur


Schweizer Bücher ganz oben

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Erstaunlich: auf den ersten fünf Plätzen der aktuellen Schweizer Bestsellerliste stehen drei Bücher von Schweizer Autoren. Und niemanden scheint dies gross zu interessieren. Würde die Kino-Hitliste so aussehen, hätte Monsieur Cineama Nicolas Bideau schon längst eine Party zur Feier seiner selbst gegeben. “Qualität und Popularität”, Bideaus Credo, haben die hiesigen Schriftsteller auch ohne einen “Monsieur Littérature” erfolgreich umgesetzt.

Bühne


Christoph Marthalers Lebensweisheiten

Seit Christoph Marthaler das Schauspielhaus verlassen hat, ist er in den hiesigen Medien kaum mehr präsent. Mal eine Opern-Inszenierung an einem grossen Festival da, mal ein Schauspiel dort, das ist schon alles. Demnächst ist Marthaler mit zwei Inszenierungen in Madrid zu Gast, und die grösste Tageszeitung Spaniens, El País, widmet ihm einen grossen Artikel. Die Zeitung behauptet, Marthaler habe während seiner Zürcher Zeit beschlossen, keine Interviews mehr zu geben, das Gespräch mit El País sei seither das erste, sein gesamtes Team sei davon überrascht gewesen. Und was sagt Marthaler? Er rühmt den spanischen Schinken und gibt Lebensweisheiten von sich. Zum Beispiel: “Ohne Humor kann man nicht leben. Ein ironiefreies Leben ist kein Leben.” Oder: “Der einzige Lebensinhalt ist, grosse Leidenschaften zu haben. Doch davon kann man nicht leben. Ich lebe auch von kleinen Leidenschaften.”

Bühne, Film


Theater im Kino

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Das Schauspielhaus macht jagt auf Kinogänger - mit einem gelungenen, ironisch-emotionalen Werbefilm, erstellt von Condor Films. Hier kann man die mit Musik unterlegte Version anschauen, die (noch bessere) kommentierte Variante steht nicht zum Download bereit. Die Werbefilme laufen zurzeit in den Arthouse-Kinos.
Dieselbe Idee hatte vor zwei Jahren bereits das Theater am Neumarkt, das neue Team erhielt die Produktion von Condor Films geschenkt. Kinos sind die grössten Konkurrenten der Theater. Eigentlich merkwürdig, dass die Theater dort nicht intensiver werben. 

Bühne, Musik, Sonstiges


Intendantin Ingrid Deltenre?

Um an das Thema von gestern anzuknüpfen: auch beim Theater- und Konzertwesen ist ein Hang feststellbar, sich besser klingende Titel zu verleihen, um damit internationaler und bedeutender zu wirken. Der Begriff “Intendant” war bis vor wenigen Jahren in der Schweiz nicht in Gebrauch. Was in Deutschland oder Österreich der Intendant war, war hierzulande der Direktor oder künstlerische Leiter. Alexander Pereira vom Opernhaus hat dann auf die Bezeichnung “Intendant” beharrt, darüber hinaus verlieh er kürzlich seinem Chefdirigenten Franz Welser-Möst den in unseren Ohren völlig abstrus klingenden Titel “Generalmusikdirektor”. Auch Tyrgve Nordwall von der Tonhalle besteht darauf, ein Intendant und nicht bloss ein Direktor zu sein.
In Deutschland sind auch die Direktoren der öffentlich-rechtlichen TV-Sender “Intendanten”. Es ist wohl eine Frage der Zeit, bis sich auch Ingrid Deltenre mit diesem Titel schmücken möchte.