Bühne
25. Oktober 2006
Rausgehen erlaubt
Bei William Forsythes Uraufführung “Heterotopia” im Schiffbau darf das Publikum kommen und gehen wann es will. Eigentlich ein gutes Konzept für ein Theaterstück: endlich darf man sich ohne schlechtes Gewissen frühzeitig davonmachen. Bereits letztes Jahr zeigte Choreograph William Forsythe eine solche “performative Installation” im Schiffbau (damals sass Direktor Matthias Hartmann an der Premiere die meiste Zeit vergnügt plaudernd neben Pipilotti Rist in einer Ecke am Boden).
Bei “Heterotopia” wird in zwei Räumen unter, auf und neben Tischen getanzt. Die Bewegungen und die Laute, die die Tänzer von sich geben, wirken ziemlich animalisch. Das Schauspielhaus hat nicht unrecht, wenn es behauptet, “wie immer bei einem Forsythe-Abend wird der Zuschauer etwas anderes sehen, als er erwartet hat – aber auch etwas, was er noch nie so erlebt hat”, doch diesmal ist’s nicht dermassen packend wie auch schon.
Noch zwei Beobachtungen am Rande:
1. Der Meister William Forsythe kauerte während der Vorstellung oft irgendwo unter den Zuschauern und gab per Funk Anweisungen durch. Wahrscheinlich an die Technik (oder etwa an die Tänzer?).
2. Praktisch nur Frauen waren mit Notizblock zu sehen. Bei der Gilde der Tanzkritiker ist das Geschlechterverhältnis offenbar ähnlich wie bei den Kindergärtnern.
philipp meier schrieb:
rein-/rausgehen erlaubt: so was nennt man in theater- und tanzkreisen einen gewaltigen innovationssprung.
Geschrieben am 26. Oktober 2006 um 15:22Uhr | Permalink