Bühne
3. Dezember 2006
Der Pfauen liegt am Broadway
Eigentlich möchte Schauspielhaus-Direktor Matthias Hartmann Zürich lieber heute als morgen verlassen. Dies sagte er ziemlich unverhohlen der Presse, einzig sein Pflichtbewusstsein gegenüber den Mitarbeitern und dem Publikum halten ihn vom Wegzug ab. Hartmann hat sich in Zürich nie richtig eingelebt, vom Verwaltungsrat fühlt er sich bezüglich des Lohnkonflikts mit dem technischen Personal hintergangen, dazu kommt der zum Teil selbst auferlegte Druck, die Zuschauerzahlen wie zuvor in Bochum in die Höhe zu treiben.
Hartmanns Drang zu möglichst viel Publikum schlägt sich auf die Art Stücke nieder. Im Pfauen heisst das Erfolgsrezept: eine Regie, die Text und Schauspieler in den Mittelpunkt stellt, ein Stoff, der gesellschaftlich relevant aber leicht verdaulich ist und – ganz wichtig – eine Starbesetzung. So arbeiten auch die Theater am New Yorker Broadway. Am Pfauen war bisher in dieser Saison für sich gesehen jede Produktion überzeugend, handwerklich auf höchstem Niveau. In der Gesamtschau überwiegt jedoch der Eindruck des Einheitsbreis. Die Ästhetik ist fast immer dieselbe, die Bühnenbilder sind alle ähnlich: bei ”Amphitryon”, “Bunbury” und zuletzt bei “Der Gott des Gemetzels” ist die Bühne in schlichtem weiss gehalten, mit nur wenig oder gar keinem Mobiliar. Einzig “Blackbird” fällt etwas aus der Reihe – notabene ist dies auch das einzige Stück, das nicht gut läuft. Wer eine andere Art von Theater will, der muss in den Schiffbau wechseln, die wunderbare Halle 1 wurde aber – aus kostengründen - noch gar nicht bespielt (ausser von der Forsythe-Company). Kein Wunder, wenn sich Hartmann bei all dem nicht ganz wohl fühlt.
Zum Renner der Saison dürfte “Der Gott des Gemetzels” von Yasmina Reza werden, Uraufführung war gestern Samstag. In dem Kammerstück treffen zwei Elternpaare aufeinander, die sich über ihre prügelnden Söhne “auf zivilisierte Weise” aussprechen wollen. Natürlich schlagen sich die Paare bald gegenseitig, dann auch untereinander die Köpfe ein. Regisseur Jürgen Gosch kann sich auf ein glänzendes Ensemble verlassen (Corinna Kirchhoff, Dörte Lyssewski, Michael Maertens, Tilo Nest), viel kann da gar nicht schiefgehen. Reza war an der Premiere anwesend, sie wurde stürmisch beklatscht. Ihre Komödie hat Hitpotenzial und wird wohl bald rund um den Globus gespielt werden – vielleicht auch am Broadway.
Zum Thema: Ein Jahr Matthias Hartmann – die Bilanz
Ruth schrieb:
Ich wünschte, die Schauspieler würden deutlicher, akkustisch verständlicher sprechen.
Geschrieben am 31. Januar 2007 um 21:00Uhr | Permalink