Sonstiges
6. Dezember 2006
Das 100-Millionen-Franken-Lexikon
Das Historische Lexikon Schweiz (HLS) ist eine grossartige Sache. Aber auch grossartig teuer. Über 100 Millionen Franken investiert der Staat in das Projekt. Bisher sind in jeder der drei Landessprachen fünf von dreizehn Bänden erschienen. Jeder Band kostet 300 Franken. Über das Internet sind die Artikel ebenfalls abrufbar - kostenlos. Aber wie lange noch? Der HLS-Chefredaktor Marco Jorio schlägt in einem Interview auf swissinfo.org Alarm:
“Parlament und Regierung haben beschlossen, die erste Etappe [des Lexikons] zu finanzieren, also die Veröffentlichung von dreizehn Bänden in drei Sprachen. Was danach kommt, ist nicht bekannt. Das Schlimmste wäre, wenn der Bund sich nach der Veröffentlichung zurückzöge. Das würde das Ende der Datenbank bedeuten. Und das wäre eine Dummheit. Es wäre, wie wenn man eine Brücke baute – wir sind eine Art Brücke zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit – und danach den Unterhalt des Baus einstellen würde. Die Investition von 100 Mio. Franken muss aber genutzt werden.”
Das 100-Millionen-Franken-Lexikon verludern zu lassen, wäre tatsächlich eine Dummheit. Eine Dummheit ist es aber auch, im Zeitalter von Wikipedia ganz auf die Mitarbeit von freiwilligen Hobby-Historikern zu verzichten und nur auf teuer bezahlte Profis zu setzen (zurzeit 40 Redaktoren und 2500 Autoren). Mit einem restriktiven und von Redaktoren kontrollierten Wiki-System könnte das HLS in Zukunft kostengünstig(er) und ohne Qualitätseinbussen auf aktuellem Stand gehalten werden. Wahrscheinlich scheitert dies aber am Stolz der Historikergilde.
/sms ;-) schrieb:
ich bin dagegen, dass alles virtuell wird. ein stromschlag und alles is wech… und: sonst müssen wir sensationelle menschen wie andreas schwab vom hist. lexikon wohl unter artenschutz stellen. und das wäre trauriger als sehr teuer. odr?
Geschrieben am 6. Dezember 2006 um 17:28Uhr | Permalink
rb schrieb:
Find ich ja auch. Die Profis (natürlich auch Leute wie Andreas Schwab) sollten bei einem solchen Projekt immer den Kern bilden, auf das Potenzial engagierter Laien muss (oder darf) dennoch nicht verzichtet werden.
Und dass alles virtuell wird, steht hier ausser Frage. Auch ein Lexikon, das vollständig über ein Online-Wiki-System entsteht, kann irgendwann gedruckt werden. Soviel ich weiss, gab es auch einmal ein Projekt, den Inhalt von Wikipedia als mehrbändiges gedrucktes Lexikon herauszugeben.
Geschrieben am 7. Dezember 2006 um 00:57Uhr | Permalink