Bühne, Sonstiges


Theater gegen NZZ

Die NZZ spart bei der Kulturberichterstattung. Die defizitäre und konturlose Züri-Tipp-Kopie NZZ-Ticket ist Anfang Jahr eingestellt worden, die produktivste Theaterjournalistin Zürichs, Alexandra Kedves, hat laut WoZ die Kündigung erhalten. Das Gerücht, dass die tägliche “Zürcher Kultur”-Seite bald ganz abgeschafft werde, hat NZZ-Chefredaktor Markus Spillmann jedoch dementiert.
Mitte Dezember trafen sich die Vertreter der Zürcher Theater (Winkelwiese, sogar, Schauspielhaus, Neumarkt, Stadelhofen, Rote Fabrik, Rigiblick, Stok, Gessnerallee), um über die Abbaupläne bei der NZZ zu diskutieren. Ein Brief an Chefredaktor Spillmann wurde aber offenbar nur mit einem Verweis auf die wirtschaftliche Situation des Traditionsblattes beantwortet.
Anfang Januar forderte das Theater am Neumarkt per Newsletter seine Besucher auf, direkt bei der NZZ gegen die Abbaupläne zu protestieren. Heute kam derselbe Aufruf vom Theaterhaus Gessnerallee:

“Wir bitten Sie: Fordern Sie die NZZ auf, am Umfang und an der Qualität festzuhalten. Bestehen Sie darauf, dass in Ihrer Zeitung weiterhin Rezensionen über das Schaffen auch kleinerer Theaterhäuser Auskunft geben. Pochen Sie darauf, dass die Künstler durch spannende Porträts und Interviews dem öffentlichen Leben greifbar gemacht werden. Fordern Sie weiterhin Ausführliches und Umfassendes.”

Was bringen solche Aktionen? Kurz nachdem das Theater am Neumarkt seinen Aufruf veröffentlicht hatte, warf eine verärgerte Chefredaktion dem Theater vor, falsche Behauptungen zu streuen. Das zeigt: der Protest wird immerhin wahrgenommen. Den Abbau wird er aber nicht verhindern können. Vor allem die kleineren Kulturbetriebe müssen sich darauf einstellen, dass der Kampf um Aufmerksamkeit in Zukunft noch einiges härter wird. (Ausser die Lücke wird von Kulturblogs gefüllt…)

Kommentare (2) zu “Theater gegen NZZ”

  1. philipp meier schrieb:

    ein beispiel mehr, dass sich «das theater» zu ernst nimmt. wieso nicht die berichterstattung über einen spektakulären unfall an stelle einer kritik über ein theaterstück? zum glück ist das leben nicht so langweilig, wie es (zu) oft auf der bühne dargestellt wird. und: es gibt noch tausend andere reflektionsmöglichkeiten als «die bühne».
    also: öffentlichkeit und aufmerksamkeit zu generieren benötigt ebenso kreativität. nur fantasielose wollen am status quo festhalten.
    ich melde mich «in alter frische» zurück… ;)

  2. rb schrieb:

    Willkommen zurück, Philipp. Du wurdest hier sehnlichst vermisst!