Bühne
26. Januar 2007
Häusermanns und Bichsels Wunderwelt

Ruedi Häusermann und Peter Bichsel sind in ihrer Denkweise Zwillinge: Beide ziehen die leisen Töne den lauten vor, beide sind scharfe Beobachter des Alltags, beide haben etwas kindlich verspieltes. Spannen sie zusammen, so entsteht eine wundersame Traumwelt; dann wird das Wirklichkeit, was Bichsel in einer seiner Schweizer-Illustrierten-Kolumnen folgendermassen formuliert hat: “Ausprobieren, wie es wäre, wenn es nicht so wäre, wie es ist.” Da wird zum Beispiel ein rollendes Klavier wegen überhöhtem Tempo geblitzt. Oder ein Tisch, ein Blumentopf und ein Stuhl bewegen sich alleine, wie von Geisterhand gezogen, über die Bühne. Obwohl alles in düsteren Braun- und Grautönen gehalten ist, in der Phantasie fügen sich Musik, Text und Szenerie zu farbigen Bildern zusammen.
Der “musikalische Abend” im Schiffbau mit dem langen Titel “Wenn eine Dolores heisst, muss sie noch lange nicht schön sein” ist der Höhepunkt der bisherigen Schauspielhaus-Saison. An der Uraufführung gestern blieben trotz offiziell ausverkauftem Haus bis wenige Minuten vor Beginn drei ganze Reihen leer. Weshalb? Im Pfauen fand die GV der Schauspielhaus-AG statt. Beginn 18 Uhr. Da wurde offenbar so lange über frisierte Bilanzen und streitende Direktoren diskutiert, dass es nur noch knapp zum Premierenbesuch reichte.