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kulturblog.ch im Tages Anzeiger

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Film, Politik


Wer Schweizer Filme zeigt kriegt Geld

15 Personen beschäftigt die quasi-staatliche Filmpromotionsagentur Swiss Films, 4 Millionen Franken an Subventionen erhält sie dafür, dass sie den Schweizer Film im Ausland bekannt macht. Für die Bewerbung der Filme im Inland ist das Bundesamt für Kultur zuständig. Kürzlich suchte das BAK per Stellenanzeige eine Person, die ausschliesslich und mit einem 100-Prozent-Pensum die Schweizer Filme den paar Dutzend Kinos im Welschland schmackhaft machen soll. Im Februar wird noch ein weiteres Förderinstrument eingeführt: der Exportförderungsfonds. Das heisst: “Ausländische Verleiher können Beiträge oder Darlehen beantragen, was den Anreiz für den Vertrieb von Schweizer Filmen im europäischen Raum erhöht.” Wer also im Ausland Schweizer Filme verleiht, dem wirft der Schweizer Staat noch Geld nach.
BAK-Filmchef Nicolas Bideau will den Erfolg um jeden Preis. Das ist nicht unbedingt schlecht. Doch anstatt den Promotionsapparat immer weiter aufzublähen würde er das Geld lieber direkt in Filmprojekte investieren. Oder glaubt Bideau etwa gar nicht an das Potenzial der hiesigen Filmproduktion? Denn: wirklich gute Filme finden auch ohne staatliche Hilfe Verleiher und Publikum.

Sonstiges


Gut, weil es ausländisch ist?

Egal in welcher Sparte, dauernd hört man Kulturschaffende klagen, das Publikum und die Veranstalter würden ausländische Künstler, Gruppen oder Filme jenen aus der Region vorziehen. Der Einwand ist oft berechtigt: steht im Programmheft neben dem Namen in Klammer “New York”, so sieht dies einfach besser aus als “Rüschlikon” – egal welche Qualität geboten wird. Doch dies ist nicht nur in der Schweizer Provinz ein Problem, auch in London wird über das Thema debattiert. Im Kulturblog der Zeitung The Guardian stellt Autor Gwyn Topham in Frage, ob nicht-englischsprachige Filme tatsächlich so gut seien, wie immer behauptet:

“Are some of my favourites [films] really as good as I think they are – or does my limited understanding help them out?”

Als Beispiel nennt er die viel gelobte schauspielerische Leistung Penelope Cruz’ in Almodóvars “Volver”:

“That Penelope Cruz, now acclaimed again after Volver, never really impressed in English may not be down to her own language barrier as much as our own, endowing her with more sophistication when lisping in Spanish.”

Bühne


Rittmeyers köstliche Reaktion auf den Kleinkunstpreis

Die Kleinkunstvereinigung ktv verleiht jedes Jahr den Schweizerischen Kleinkunstpreis. Da es in der Schweiz nur eine beschränkte Anzahl guter Komiker und Kabarettisten gibt, erhält ihn jeder einigermassen präsente Künstler früher oder später einmal. (Dasselbe gilt auch für den Schweizer Gewinner des Salzburger Stiers). Daher ist es höchst erstaunlich, dass Joachim Rittmeyer den Preis erst jetzt erhält – er hat ihn längst hoch verdient. Auf dem e.bulletin des ktv äussern sich vier seiner Figuren zum Preis (QickTime Filme):

(c) Joachim Rittmeyer/ktv 

Film


CH-Filmpreis: Glamour geht im Chaos unter

BAK-Chef Nicolas Bideau wollte aus dem Schweizer Filmpreis eine glamouröse Veranstaltung voller Promis in Frack und Abendkleidern machen. Doch es kam alles anders: gut einen Monat vor der Verleihung legte die für den Anlass beauftragte Agentur das Mandat nieder, dann wurde bekannt, dass viel zu wenig Sponsorengelder aufgetrieben werden konnten (Bideau: “Das Davoser Forum und die Swiss Awards in Zürich nehmen die Sponsoren im Januar in Beschlag”, Quelle: sda/ZürchseeZeitung), und heute wurde eine Jury präsentiert, deren Glamourfaktor etwa jenem der Punkterichter am Eidgenössischen Schwingfest entspricht. Die Verleihung geht in 20 Tagen über die Bühne. Wer sich heute darüber informieren will, findet auf der offiziellen Homepage www.schweizerfilmpreis.ch aber weder den Veranstaltungsort noch das Datum sondern bloss das düstere Logo und den Hinweis “coming soon”.

Zum Thema: Filmpreis wird Cervelat-Promi-Party

Bühne, Film


Mike Müller ist Horatio

© Heinz Stucki, SF DRS
Noch vor einigen Jahren wäre ein Schweizer Film ohne Mathias Gnädinger undenkbar gewesen. An Gnädingers Stelle ist Mike Müller getreten; nicht nur von der Körperfülle her ein würdiger Nachfolger. Apropos Körperfülle: Auch die wunderbare Bettina Stucky hätte das Potenzial zur allseits beliebten Bettina-National zu werden – doch dafür zieht sie den Mundartfilm zu selten dem ernsten Bühnenmetier vor.
Zurück zu Mike Müller. Auf dem Kulturplatz-Blog schreibt er heute, er spiele demnächst im Schiffbau in Shakespeares ”Hamlet” den Horatio. Wohl keine schlechte Wahl: in mehreren grossen Theatern und in der freien Szene hat Müller längst bewiesen, dass er nicht nur ein Giacobbo-Frey-Casinotheater-Komödiant ist. Als das kennt ihn aber die Schweiz, und dass Direktor Matthias Hartmann einen solchen Schauspieler mit an Bord nimmt, passt zur bisherigen Programmierung im Schauspielhaus: Der Pfauen liegt am Broadway.