Politik
1. Februar 2007
Mörgeli seit heute Theaterkritiker und Kulturpolitiker
Es schaut aus wie eine koordinierte Aktion. Heute erschien in der Weltwoche eine klassische Rezension der Schauspielhaus-Aufführung von Frischs “Biedermann und die Brandstifter”. Autor: Christoph Mörgeli. Und heute gab die SVP ihre Leitlinien für eine neue Kulturpolitik des Bundes bekannt. Sprecher: Christoph Mörgeli. Der SVP-Haudegen, Professor und begnadete Kolumnenschreiber war bisher weder als Theaterkritiker noch als Kulturpolitiker bekannt. Seine Rezension ist von guter Qualität, aber harmlos – so wie die Inszenierung am Pfauen. Mörgeli wollte wohl den Beweis erbringen, dass sich seine Kulturkenntnisse nicht auf Totentänze beschränken. Bei seinen kulturpolitischen Forderungen geht es hauptsächlich darum, Kulturförderorgane und -institutionen zusammenzulegen. Und natürlich um mehr “Eigenverantwortung”.
Viele Vorschläge sind durchaus diskussionswürdig. So will Mörgeli die Aufgabenteilung zwischen der Pro Helvetia und dem Bundesamt für Kultur neu regeln. In seiner Schlussfolgerung widerspricht er sich jedoch: so soll die Pro Helvetia quasi abschgeschafft und deren Aufgabenbereiche dem Bundesamt für Kultur übertragen werden. Andererseits möchte er möglichst keine befohlene oder verordnete “Staatskultur”. (Wer will das schon?). Wenn jedoch statt einer einigermassen unabhängigen Stiftung ein Bundesamt (sprich die Politik) entscheidet, wer Fördergelder kriegt, so bedeutet dies mehr und nicht weniger “Staatskultur”.
Die SVP hat den ersten Stein geworfen, hoffentlich ziehen die anderen Parteien nun nach - und erheben die Kulturpolitik zum Wahlkampfthema.
Anonymous schrieb:
Streichkonzert! Werfen wir den ersten Anker und schaffen wir de Klassik ab!
Geschrieben am 1. Februar 2007 um 21:37Uhr | Permalink
egon schrieb:
was soll man da sagen. ist es besser, wenn die svp gar keine kulturpolitik betreibt oder ist das doch begrüssenswert? bundesrat schmid hat letzte woche den schweizer film “geadelt” und die filmförderung nicht in frage gestellt. nun fehlt noch die farblose cvp, die bis heute keine kulturpolitischen linien erkennen lässt, als ob familien keine zeit für kultur hätten…
Geschrieben am 1. Februar 2007 um 22:31Uhr | Permalink
Thomas H. schrieb:
Ausgerechnet die SVP bringt endlich die Kulturförderung ins Gespräch! Gehen ihr langsam die Themen aus? Bin auf jeden Fall gespannt, ob sie sich damit selbst ein Bein stellt oder nicht. Zumindest in der Stammtisch-Kultur kennt sie sich ja bestens aus.
Geschrieben am 2. Februar 2007 um 08:21Uhr | Permalink
philipp meier schrieb:
herzlichen dank, rb, für den hinweis zum widerspruchs in diesem kulturpaper. der ist wirklich eklatant.
nix desto trotz: wir basteln weiterhin am globalen kunstwerk namens http://www.gugusdada.ch (papa: nigerianer; mama: italienischstämmige schweizerin)
Geschrieben am 2. Februar 2007 um 15:29Uhr | Permalink