Bühne


Karl Marx auf der Bühne

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Der erste Band von Karl Marx’ “Das Kapital” besteht aus 750 Seiten voller Bandwurmsätze über das Wesen des kapitalistischen Wirtschaftsystems. Rimini Protokoll, eine der spannendsten Theatergruppen zurzeit, bringt das Werk im Schiffbau auf die Bühne. Wie immer verzichtet Rimini Protokoll auf Schauspieler und greift auf Menschen aus dem Leben (“Experten des Alltags”) zurück, die dann sich selber spielen und ihre Lebensgeschichte erzählen. Für das aktuelle Stück sind das Experten für Geld, Betrug und Kommunismus. Einer von ihnen, der schrullige Wirtschaftshistoriker und Marx-Spezialist Thomas Kuczynski, sieht Marx erstaunlich ähnlich. Ein anderer wandelte sich vom überzeugten Kommunisten zum Unternehmensberater (passt zum Artikel im aktuellen Magazin “Gestern links, heute rechts”) und entsorgt auf der Bühne seine Sammlung an leninistischer und stalinistischer Literatur. Um den Zitaten aus dem “Kapital” zu folgen, erhalten alle Zuschauer einen Band geliehen, so können sie wie beim Gesangsbuch in der Kirche die entsprechenden Stellen nachschlagen und mitlesen. 
Die trockene Theorie bildet aber höchstens das Gerüst, der Theaterabend ist unterhaltsam wie eine Soap-Opera, selbst für jene, die mit Marx nichts anfangen können. Einige Darsteller kokettierten damit, dass sie das Buch nicht gelesen haben – und nie lesen werden. Auch ich muss mich dieser Gruppe anschliessen, obwohl bei mir zu Hause schon lange eine Fassung des “Kapitals” irgendwo rumliegt.

Kommentar (1) zu “Karl Marx auf der Bühne”

  1. philipp meier schrieb:

    yeppo! rimini protokoll sind auch meine favoriten, wenn ich (überhaupt mal) ins theater gehe. noch besser sind sie (oder die einzelnen mitglieder), wenn sie das theater hinter sich lassen…; z.b. hier…:
    http://www.wdr.de/themen/kultur/2/cargo_sofia/index.jhtml