Bühne


Das Theater beginnt mit dem Schlussapplaus

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Sieht stark aus, das doppelseitige Inserat des Schauspielhaus im Tages-Anzeiger von gestern. Die Uraufführung von “Väter” des lettischen Regisseurs Alvis Hermanis war aber eine Enttäuschung – bis auf den Schlussapplaus. Drei Stunden lang erzählen drei Männer über ihre Erlebnisse mit ihren Vätern. Wie bei Rimini-Protokoll sollte das Erzählte authentisch sein. Im Hintergrund wechseln fleissige Bühnenarbeiter fortwährend die Stellwände mit den fotorealistischen Bildern aus; die drei Darsteller werden abwechselnd immer wieder auf der Bühne geschminkt, bis sie am Schluss voller Furchen und Falten wie ihre Väter aussehen. Und trotzdem gehts nicht vorwärts, die Geschichten scheinen ebenso auswechselbar wie die Stellwände. Ich kam mir vor, als sei ich in einer Endlosschlaufe nostalgietriefender Erinnerungen gefangen.
Aber nun zum Höhepunkt, dem Applaus: Kurz vor Schluss erzählt ein Schauspieler, dass ihm vorausgesagt wurde, er werde einen Sohn bekommen. Doch es kam anders. Der Arzt hielt das frisch geborene Kind in der Hand und sagte “Es ist ein Mädchen”. Das ist der letzte Satz im Stück. Applaus, Applaus… da springt eine junge Frau auf die Bühne und bringt dem Schauspieler einen Blumenstrauss. Das ist also diese Tochter - glaube ich zumindest, sonst wärs nicht so rührend. Das Publikum war hingerissen, all die mitgereisten lettischen Verwandten und Freunde der Darsteller jubelten. Eine alte Frau an Stöcken bemühte sich ebenfalls auf die Bühne und brachte ein Blume. Der Applaus nahm kein Ende. Emotionen, wie man sie hier im Theater sonst nie sieht. Und das alles gefilmt von einem Team des lettischen Fernsehens. 

Kommentar (1) zu “Das Theater beginnt mit dem Schlussapplaus”

  1. Ninöggl schrieb:

    Endlich mal ein Besucher, der schreibt, was ich mir schon lange denke – nur, Gott-sei-Dank, komme ich schon lange nicht mehr ins Theater.