Politik


Pius Knüsel: Kulturförderung wie Sozialhilfe

(c) rb
In der Lebewohlfabrik traf sich heute Abend eine Wohlfühl-Runde bestehend aus (v.l.) Elmar Ledergerber, Beat Badertscher, Peter Zeindler, Charles Lewinsky und Pius Knüsel und redete über Kultursubventionen. Pro-Helvetia-Direktor Knüsel meinte, bei der Kulturförderung bestünde eine ähnliche Problematik wie bei der Sozialhilfe. Wer sich von Preis zu Preis, von Fördergeld zu Fördergeld angle, stehe oft besser da, als erfolgreichere Künstler, die sich knapp selber über Wasser halten.
Charles Lewinsky brachte ein Beispiel, bei dem der Staat “Geld verschleuderte” – nähmlich bei sich selbst. Er habe für seinen Roman “Melnitz” einen Anerkennungspreis von 10′000 Franken erhalten. “Es ist doch unsinnig, jemandem 10′000 Franken zu geben, der soeben einen Bestseller geschrieben hat”, meinte er, andere hätten das nötiger.
Missbrauchs-Skandal in der Kulturförderung? Ein Fall für die Weltwoche? Kaum. Schon eher skandalös – aber sehr dem Zeitgeist entsprechend – ist eine andere Feststellung Knüsels: Die Vorzeigeinstitutionen (Opern-, Kunsthaus etc.) nehmen wieder einen immer grösseren Anteil am Gesamtkuchen ein.
Und was sagte Stapi Ledergerber? “Wir können stolz sein auf unsere Vorzeigeinstitutionen” (etwa 4 Mal). Und dass er ein Volksmusikfestival in der Stadt Zürich etablieren möchte (etwa 3 Mal).

Kommentare (8) zu “Pius Knüsel: Kulturförderung wie Sozialhilfe”

  1. philipp meier schrieb:

    nach dem museum für städtebau und architektur (warum in zürich?) und einem konzertsaal für e-musik (im erholungsaussenquartier des metropolitanraums zürich, in luzern, gibt es einen schönen und grossen dazu) möchte unser stadtpräsident allen ernstes für die party- und clubhauptstadt von der schweiz ein volksmusikfestival etablieren. das passt gut in eine zeit, wo das handörgeliduo fredi und fritz immer noch mehr gelder von der suisa kriegen als jeder dj (ausser vielleicht «dj» bobo;))

  2. sven schrieb:

    wie hat das knüsel gemeint? ein armer manager, der ende jahr seinen lohn kürzt und sich mit 10 millionen pro jahr knapp über wasser hält, geht es schlechter, als einem bauern, der von alpkäse-preis bis biokuh-auszeichnung und direkten subventionen für kräutertal-geissen und enzian-plantagen wirtschaftet? und was meint lewinsky genau? preise nur für brotlos-kunst, die unter ausschluss der öffentlichkeit stattfindet? soll er doch den preis ledergerber schenken, der seinerseits der pro helvetia das geld übergibt, damit diese ein schweizer kinosaal im sin… ääh sihlcity bauen können. edi wird’s freuen. förder- und preisgeldwaschen würde mann das nennen.

  3. rb schrieb:

    @philipp: Bei dem Volksmusikfestival handelt es sich – so wie ich Ledergerber verstanden habe – nicht um ein Kultur-, sondern um ein Politprojekt unter dem Deckmantel der Kultur. Ledergerber möchte mit dem Festival der SVP das Buurezmorge-Publikum abstenstig machen.

    @sven: Knüsels und Lewinskys Aussagen sind für mich einleuchtend – nur widersprechen sie sich: Wie das Beispiel Lewinsky zeigt, erhalten auch die “nicht-subventionierten” Künstler oft auf die eine oder andere Weise Subventionen. Ganz alleine hält sich kaum einer über Wasser – nicht einmal das Handörgeli-Duo Fredi und Fritz, falls Ledergerbers Festival Realität wird…

  4. philipp meier schrieb:

    aha…, «politprojekt unter dem deckmantel der kultur». da wären wir ja eigentlich die spezialisten für…, oder?
    heisst das, dass ledergerber kulturell nach dem rechten proletariat schielen möchte? hat ledergerber erst jetzt realisiert, dass die sp stumpen rauchend im la salle und cüpli-schlürfend in der loge des opernhauses den kontakt zur «basis» verloren hat?
    ledergerber schwärmt überall und ständig «vom neuen, boomenden, aufstrebenden zürich»; wenn es jedoch darum ginge, dies in seinem ressort, der kultur, umzusetzen, dann schwankt er irgendwo diffus zwischen veralteten/überholten «vorzeigeinstitutionen», unnötigen «me too» projekten und neuerding nun neo-konservativer folklore hin und her.

  5. sven schrieb:

    tja, das soll noch einer verstehen. und der ledergärber, der zeigt sich halt selber gerne vor. volksmusik in der oper, das wär doch was, finanziert mit einem haufen subventionen, damit auch fredi und fritz mal ausgesorgt haben. ich frag mich bloss, weshalb die zürcher immer auf tschäppät rummachen, das tönt nicht viel besser aus bern ost. räumt zuerst euren eigenen garten auf, bevor ihr euch über das unkraut des anderen lustig macht…

  6. philipp meier schrieb:

    tschäppät und ledergerber sind hans was heire (oder fredi was fritz)
    der tipp mit dem volksmusikfestival im opernhaus finde ich supper! (hm…, welcher vertrauensmann könnte dies ledergerber stecken? pereira etwa? dann könnte er seine latina in ein dirndel stecken und «ladina» ihr zu flüstern…)

  7. sven schrieb:

    hopp de bäse! sepp trütsch wird reaktiviert und moderiet das ganze, eingeladen werden nur sozialhilfeempfänger und zsc-fans, charly lewinsky hält eine laudatio, pius knüsel präsentiert das neue pro helvetia programm ” alte töne neu ab förderband”, philipp bootlegt die show und presst sie auf schellak und verkauft das fette vinyl im 1. dada-märit am montag morgen für einen stutz. und rico schreibt in seinem blog: züri, voll gaga. und sven kommentiert: krasse sache.

  8. rb schrieb:

    Dieses Szenario ist gar nicht so abwegig. Siehe http://www.kulturblog.ch/2007/04/03/buurezmorge-in-der-tonhalle/