Kunst/Museen
19. April 2007
Graffiti-Beauftragte: Kunst ist mir Wurst

Es gab einmal einen berühmten Sprayer von Zürich. Als er mit seinen Spraydosen Figuren an die Wände malte, wurde er kriminalisiert und zur Persona non grata erklärt. Ob seine Bilder Kunst waren oder nicht war Wurst. Jahrzehnte später versuchte die Stadt die letzten erhaltenen Graffitis von Harald Nägeli mit grossem Aufwand zu schützen und zu restaurieren.
Die Geschichte wiederholt sich. Am Wochenende führte die Londoner Gruppe C6.org im Cabaret Voltaire einen Graffiti-Workshop durch. Daraufhin hat sie laut 20 Minuten ein halbes Dutzend Wände besprayt – u.a. die Mona Lisa an die Fassade des Cabaret Voltaire. Und was sagt die Zürcher Graffiti-Beauftragte Priska Rast? “Ob die das als Kunst sehen, ist mir völlig wurscht. Sprayereien sind illegal.”
Wem diese Kunst nicht Wurst ist, der kann nach den Graffitis suchen und per SMS gleich einen Abdruck davon bestellen (wie das funktioniert steht hier). Moderne Graffitikünstler wollen schliesslich an ihrer illegalen Kunst auch was verdienen…
Nachtrag, 22.04.2005 Das meinen die NZZ und der Hauseigentümerverband zum Thema:
NZZ, 21. April 2007:Â
Unkreativer Dada
HEV verärgert über Cabaret Voltairemju. Das Cabaret Voltaire an der Spiegelgasse 1 schafft es immer wieder, mit kontroversen, weil meist peinlichen Aktionen auf sich aufmerksam zu machen. So lernten kürzlich Jungkünstler in einem Kurs, mit Hilfe von Schablonen innert kurzer Frist Wände zu versprayen – mit Kunstwerken natürlich, nicht mit Graffiti. Dem Hauseigentümerverband Zürich stösst diese Aktion nun sauer auf. Gemeinsam mit der Stadt Zürich engagiert sich der Verband nämlich seit Jahren gegen Schmierereien an Zürichs Hauswänden. Dass jetzt ausgerechnet ein subventioniertes Kulturinstitut diese Bemühungen torpediert, findet der HEV unerfreulich, wie er in einer Medienmitteilung schreibt.
Bei dieser Schelte belässt es der Verband in seinem Communiqué aber nicht. Das Cabaret Voltaire versteht sich nämlich als Fackelträgerin der in der Zeit des Ersten Weltkriegs aktiven Dada-Bewegung. Dafür hat der HEV im Communiqué nur ein müdes Lächeln übrig: Es sei «ein Ausdruck des Mangels an Kreativität, wenn sich eine Künstlergruppe der Wiederbelebung einer museal gewordenen Kunstrichtung zuwendet, anstatt Neues zu schaffen».
philipp meier schrieb:
weitere passende links zum thema:
http://www.artnet.de/magazine/reviews/pschak/pschak03-20-07.asp (streetart wird nach der fotografie und malerei der neue hype auf dem kunstmarkt…; wahrscheinlich auch bald an der http://www.art.ch )
und:
http://www.nzz.ch/2007/04/16/fe/articleF35XF.html (hierzu: für die nzz natürlich ein unverzeihlicher fehler: banksy nennt sich banksy und nicht bansky)
man kann übrigens auch online nach den standorten der c6-kunst im zürcher stadtraum suchen:
http://c6.org/c6_map/main.php?g2_view=map.ShowMap&g2_Mode=Normal&g2_Group=&g2_album=Dotmasters
Geschrieben am 19. April 2007 um 16:23Uhr | Permalink
dal basso schrieb:
JAJAJAJA,
Graffit,i die alte Kunst der Leute ohne Stimme soll ins Museum, oder die Galerie etc. p.p.
Schaut mal den alten Film Stylewars an und ihr seht, Graffiti war schon dort.
Jetzt aber haben wir bald ein paar Jahre hinter uns, in denen Graffiti und Streetart auch an den Kunstschulen gelernt wird. Nebenbei sind grad einige sehr respektierte alte CH Graffiti Künstler wie Shark, Toast, Mate im galerianen Aufwind. Lord macht den FCZ Bus schön etc.
Und eben das ist der Unterschied, die ersteren kommen von einer Kunst und Bizschule, der letzte wohl von der Strasse.
Ich danke Frau Priska Rast, denn sie lässt nicht zu, dass Graffiti domestiziert wird. Ich hasse die auf modernsten Farbkopieren gemachten Photoshopkleber, die maschinell ausgeschnittenen Schablonen etc., die jedes Jahr nach einem HGKZ Kurs auf alles, auch reale Graffitis gepflanzt werden. Von den Leuten die unsere Kunst dann später kuratieren wollen.
Geschrieben am 19. April 2007 um 20:35Uhr | Permalink
unkultur - Das Lächeln des Graffitikünstlers, oder: „Jeder ist ein Künstler“ schrieb:
[...] unkultur – Das Lächeln des Graffitikünstlers, oder: „Jeder ist ein Künstler“
Geschrieben am 20. April 2007 um 00:17Uhr | Permalink
unkultur schrieb:
OK, ich geb’s zu, bin eine absolute Blog-Banause… Kulturblog, ich wollte Deinen Blog nicht mit diesem seltsamen (Trackback?)-Eintrag verunstalten; kann aber leider nix dagegen tun, denn der hat sich automatisch in Deinen Blog gesetzt ;-)
Geschrieben am 20. April 2007 um 07:50Uhr | Permalink
philipp meier schrieb:
@dal basso: viele sprüher ähneln in ihren ansichten erstaunlicherweise vielen dada-verehrern: sie predigen freiheit, unabhängigkeit und eigenständigkeit bis hin zu anarchie; leben und verbreiten jedoch ideologie…!
mich interessiert die kreative bis destruktive energie der progressiven und innovativen streetart. die musealisierung und kommerzialisierung von streetart ist eine möglichkeit, streetartkünstlern (mit oder ohne ausbildung;)) etwas kohle zukommen zu lassen; dies interessiert mich jedoch als solches überhaupt nicht.
(falls kohle verdienen des teufels ist, dann dürfen wir hier gerne über den sinn und unsinn von kapitalismus diskutieren).
priska rast stärkt mit ihrer reaktion, wie du richtig anmerkst, die mythenbildung von streetart enorm….; und du natürlich mit deinem eintrag hier auch.
eines beeindruckt mich jedoch enorm: du lebst wirklich auf der strasse? echt…, oder wie du wahrscheinlich schreiben würdest…, REAL?!
RESPECT!
Geschrieben am 20. April 2007 um 12:14Uhr | Permalink
rb schrieb:
del basso spricht einen wichtigen Punkt an: heute gibts für alles ein (Fach)Hochschulstudium – alles soll wohlgeordnet ablaufen, auch das rebellieren. Die Ausbildungsindustrie expandiert zurzeit in alle erdenkliche und unerdenkliche Gefielde.
@unkultur: Dir sei verziehen, auch ich habe noch nie recht begriffen, wie das mit dem Trackbacks funktioniert.
Geschrieben am 20. April 2007 um 20:14Uhr | Permalink
rb schrieb:
NZZ-Artikel angefügt ;-) (siehe oben).
Geschrieben am 22. April 2007 um 21:21Uhr | Permalink
dal basso schrieb:
@ philipp:
du hast ja schon recht mit dem; ’streetartkünstlern (mit oder ohne ausbildung;)) etwas kohle zukommen zu lassen’, nur haben wir hier das kleine Problem, dass die, die sich quasi illegal schon einen Namen gemacht haben und so auch aktiv bleiben, meist der Weg in die Galerie verwehrt bleibt. Klar andere wollen dies auch gar nicht und bereichern die Leute lieber direkt über die Strasse.
Allerdings und hier würden wir wahrscheinlich völlig übereinstimmen, wird sog. unabhängige (sprich subkultur) schon immer mehr institutionalisiert, aufgesogen und verwertet.
Dein Abschluss- Strassensatz allerdings zeigt schon ein bisschen deine Süffisanz gegenüber den ca. 2000 Graffitiartists in der CH, die was machen, ohne das Ziel auf irgendwelche Art später in den Kunstmarkt aufgenommen zu werden. Strasse versteht sich ja wohl als Begriff gegenüber Galerie, Salon etc. Vielleicht meine ich damit die Leute, deren Atelier wirklich auf der Strasse ist……
Natürlich schätze ich deine Initiative im Cab V. Immerhin wurden doch heute aus diesem Anlass die wirklich realen 2047-er auch einmal im Tagi geehrt. Wir kennen uns ja eigentlich schon seit über zehn Jahren und wenn wir uns sehen hast du nicht das Gefühl ‘ich lebe auf der Strasse, sondern begreifst sofort was ich gemeint habe.
L.G
Geschrieben am 23. April 2007 um 11:47Uhr | Permalink
philipp meier schrieb:
@dal basso
meine süffisanz bezog sich auf deine zuspitzung «strasse» vs. «etabliert». ich habe gegenüber allen(!) streetartists grossen respekt…, denn ich wäre/war schlicht zu feige, im öffentlichen raum auf diese weise meine spuren zu hinterlassen (ausser vielleicht mit kleinen, selbstgebastelten kleberli;)).
hm…, ich bin unsicher, ob es nicht möglich ist, legal beispielsweise eine andere handschrift zu entwickeln…., um «illegal» weiter aktiv zu bleiben. sowieso: der schritt aus der illegalität in die legalität ist immer heikel (die handschrift von «etablierten» streetartists wechselt selten derart massiv, als dass ihr «war-da-signal» auf der strasse nicht zurückzuverfolgen wäre).
aber sowieso: ich möchte sehr gerne die kreativität in der streetart puschen. wo bleiben die objekthaften interventionen? wo die (intelligenten und kreativen!) politischen statements? wo die konkreten/direkten reaktionen auf den städtischen kontext? deshalb werde ich mich gelegentlich auch mal süffisant oder polemisch zur streetart äussern… ;)
und kurz noch @rb&dal basso: was sollen dann die studentInnen an der hgkz heute lernen? malerei? fotografie? kunst, wie gehabt? NO WAY!!! sie lernen viel zu wenig rebellion? wo bleibt die aktive und kritische auseinandersetzung mit der grössten fussfessel unserer aktuellen kreativen entwicklung; dem copyright? sie sollten hacken lernen; kreatives missbrauchen/verwerten von allen möglichen instrumenten und kanälen! die hgkz sollte keine abgeschottete hochfachbildungsstätte sein, sondern möglichst nahe am leben rum experimentieren!
Geschrieben am 23. April 2007 um 12:44Uhr | Permalink
philipp meier schrieb:
@dal basso: das verwerten von subkultur/en geht inzwischen so schnell, weil dieselben leute «von der strasse» parallel dazu auch gleich irgendwelche guerilla-, pop-up- und virale marketing-strategien umsetzen. ich finde das überhaupt nicht schlimm. im gegenteil: umso kreativer, beweglicher, unberechenbarer und schneller müsste die subkultur werden.
ich weiss übrigen nach wie vor nicht, wer du bist. vielleicht ist das auch gut so…;)))
Geschrieben am 23. April 2007 um 14:05Uhr | Permalink
dal basso schrieb:
‘das verwerten von subkultur/en geht inzwischen so schnell’
ja klar, seit wir uns nur noch bemühen uns in das allumfassende sog. genannte kapitalistische sytem einzureihen.
Aber was wäre wenn wir uns etwas von kultur vorstellen würden, das sich ausserhalb der einzigen real existierenden gesellschafts und wirtschaftsform befinden würde.
da würden wir doch erschossen oder psychiatrisiert wie eh und je?
Geschrieben am 23. April 2007 um 20:08Uhr | Permalink
dal basso schrieb:
@philiipp
sry ich hab deinen vorherigen Beitrag übersehen.
natürlich ist es möglich seine Handschrift zu ändern, das ist ja auch Alltag.
Aber was soll in den Kunstschulen gelehrt werden?
Genau das.
Technik, Technik, Technik…
Das ist aber schwierig bei illegaler Kunst. Denn Geschwindigkeit Qualität lernst du nie an der Schule. Ist ja auch nur solange ‘Skills’ als das allgemein illegal ist.
Ich sehe aber die schönste Legititmation in einer Kunstschule in dem was z.B. Ende 70 Anfang 80 an der école des beaux arts in Paris passiert ist. Sie wurde besetzt, von SchülerInnen und einigen DozentInnen. Da hatten plötzlich auch Leute ohne Geld, aber vielleicht mit kreativität und zeit die Möglichkeit die Kurse zu besuchen………. : )
Geschrieben am 23. April 2007 um 20:22Uhr | Permalink
philipp meier schrieb:
@dal basso
kunstschule: yep! da triffst du wohl den nagel auf den kopf. v.a. die aufnahmebeschränkung auf leute mit matura ist an einer kunstschule in etwas das blödeste, das man machen kann…
subkultur: stefan von rebell.tv entlarvte letzthin in seinem «medienhaus» die sogenannte «aufgeklärtheit» unserer gesellschaft als eine, von der religion namens «kapitalismus», verblendete. nur……: welche alternativen sind/wären möglich? ist der kapitalismus wirklich so schlecht? immerhin müssen nach seinem «siegeszug» auf der erde viel weniger leute hungern…, obwohl es viel mehr menschen gibt… (ratlos! aufklärung? bitte…:)
Geschrieben am 24. April 2007 um 09:41Uhr | Permalink
katja schrieb:
Ich würde schon sagen dass Graffiti Kunst ist. Manche Künstler malen auf den Blättern, und die Sprayer auf den Wänden usw. Manche Künster brauchen dazu Pinseln, Sprayer brauchen dafür die Spraydose. Jeder benutzt was anderes, jeder macht es anders. Sprayer machen es für sich, sie drücken ihren Style damit aus. Also für mich ist Graffiti eine Kunst. Es ist keine Schmiererei wie es früher immer genannt wurde, Graffiti ist jetzt eine sehr berühmte Kunst, die es auch immer geben wird!
Geschrieben am 25. Juni 2007 um 16:41Uhr | Permalink
Ticketing schrieb:
Manchmal schadet der Ärger ja auch nicht wirklich. Gehört der nicht auch zur Graffiti-Kunst?
Wie langweilig wäre es, wenn sich darüber niemand aufregen würde.
Geschrieben am 8. Juli 2008 um 19:36Uhr | Permalink
2047 schrieb:
..ihr habt noch 39 jahre und ein paar zerquetschte um euch über dieses thema auszulassen und dann….ja dann…
(wir überlegen inzwischen was..”dann” passiert und falls das nicht reicht holen wir unsere grossen brüder die sind noch grössere künstler und können judo und sowas.ätsch)
2047 gruppierung zh4
Geschrieben am 22. November 2008 um 02:14Uhr | Permalink