Kunst/Museen, Politik
26. April 2007
Markus Weiss: Politkunst zu wörtlich genommen

Wie die Sendung Kulturplatz gestern enthüllte (Viedeo hier), plant der Zürcher Künstler Markus Weiss für den neu gestalteten Berner Bahnhofplatz drei Kunst-am-Bau-Werke: Je nach Entscheid im Stände- bzw. Nationalrat wird das Dach andersfarbig beleuchtet, ein Passant wird nach dem Zufallsprinzip von einem Verfolgerscheinwerfer fokussiert und ein Telefon soll einen Draht zum Bundes- bzw. Stadtpräsidenten ermöglichen. Für die Kollegen des Berner Kulturblogs tönt dieses Projekt wie ein verspäteter Aprilscherz: “Trümmligeres hätte gar nicht ausgedacht werden können.” Und dennoch: ”trümmliges braucht diese Stadt ganz dringend.”
Ich glaube kaum, dass Weiss ein trümmliges Projekt vorlegen wollte. Ihm ist das ernst, auch wenn er sich im Kulturplatz-Bericht hinter der Ironie zu verstecken versucht. Das Problem ist (sofern in diesem Fall eine Ferndiagnose zulässig ist): Weiss hat den Begriff Politkunst zu wörtlich genommen – und bleibt damit banal. Dass hinter der hübschen Färbung des Dachs ein realer politischer Entscheid steht, wird wohl ausser einige Lokalpolitiker niemanden interessieren.
philipp meier schrieb:
schaut euch v.a. die kommentare beim berner kulturblog an. der höhepunkt: ruf nach einem gegenwartskunstrasen! da stecken wir zürcher mit unseren kunsthistorischen rasen noch mächtig im hintertreffen.
der verfolgerspot ist mit grossem abstand der beste teil dieser interventionen von markus weiss, dem progressivsten bünzli unter den künstlern…;)))
Geschrieben am 26. April 2007 um 16:12Uhr | Permalink
rb schrieb:
Den Verfolgerspot fand ich zuerst auch am interessantesten; doch die Vorstellung, dass eine solche Spielerei über Jahre hinweg dieselben Pendler trifft, ist nicht gerade reizvoll. Warhol sprach von 15 Minuten Ruhm im Leben und nicht von 2 Minuten Ruhm alle paar Tage.
Zu den Kommentaren beim Berner Kulturblog: Ja, ich bin neidisch!
Geschrieben am 26. April 2007 um 22:45Uhr | Permalink