Bühne
25. Mai 2007
Schauspielhaus: Gilles Tschudi nicht böse

In Bochum setzte Schauspielhaus-Direktor Matthias Hartmann auf Harald Schmidt, in Zürich sollten Mike Müller und Gilles Tschudi das Volk anlocken. Müller überzeugte als Horatio in “Hamlet”, Gilles Tschudi verkörpert in Schillers “Kabale und Liebe” den machtgierigen und intriganten Präsidenten von Walter. Gestern war Premiere, und es stellte sich heraus, dass der schmächtige Tschudi auf der Bühne nicht halb so böse wirkt wie im Fernsehen. Er ist eine blosse Parodie, die Autorität nimmt man ihm nie ab.
Regie-Jungstar David Bösch kommt längst nicht an seine gefeierte “Romeo und Julia”-Inszenierung heran. Er befreit zwar das Stück vom Politballast, der Fokus liegt ganz auf der Liebesgeschichte — doch nicht einmal die überzeugt. Die Bühne lässt er leer, für die Ausschmückung ist die stark stilisierte Spielweise zuständig. Wenn schon nicht auf Erden, so kann das Paar seine Liebe am Schluss immerhin im Jenseits ausleben. Parodie oder Ernst? Der Regisseur weiss es wohl selber nicht so recht.
Ein altbekanntes Ärgernis im Pfauen ist diesmal besondes ausgeprägt: die Schauspieler sprechen zum Teil so leise, dass ich schon in der zwölften Reihe (etwa in der Mitte) nichts mehr verstanden habe. Wenn die Akkustik das Pausengespräch Nummer eins ist, so sollte die Direktion hellhörig werden.
Ab&Zu imTheater schrieb:
Ja, der schmächtige Tschudi schreckte wenige. Alleine eine gepresste Stimme bewirkt noch keine böse Haltung. Seine übriggebliebenen TV Fans jubelten trotzdem. Und ich verstand tatsächlich in der zweiten Balkonreihe kaum etwas. Samstag 30. Juni, das frische Bier, anschliessend im Kunsthaus, weckte mich wieder auf!
Geschrieben am 1. Juli 2007 um 17:41Uhr | Permalink
miss_shakespeare schrieb:
Heute gab es eine wohl einmalige Aufführung von “Kabale und Liebe”: aufgrund einer Erkrankung von Fabian Krüger übernahm Dramaturg (!) Andreas Erdmann mutig (!!!) und natürlich lesenderweise die Rolle des Wurm. Die Tatsache, dass Fabian Krüger keinen Urlaubsschein ausfüllte, als er nach Berlin fuhr, wo er erkrankte, war dabei für das Publikum völlig irrelevant, wurde aber von Matthias Hartmann höchstpersönlich eifrig mitgeteilt. Warum?!
Geschrieben am 28. November 2007 um 00:46Uhr | Permalink
rb schrieb:
Es scheint nicht, als wären Fabian Krüger und Matthias Hartmann die besten Freunde… ist doch wichtig, dies dem Publikum mitzuteilen! ;-)
Geschrieben am 28. November 2007 um 10:50Uhr | Permalink
sam schrieb:
boa. welch grauen scheint sich da abgespielt zu haben. fabian krüger ( für die zuschauer regelmässig das einzige hoffnungsfeuer im schmierentheater am schauspielhaus ) ist ja auch bei “kabale und liebe ” wie immer mick-jagger-klaus-kinski-gründgens-lilo-wanders und leuchtet bis nach hinten ( die anderen darsteller sagen den text auf). und nun diese biedere vorstellung auch noch ohne ihn. oh, grauen! hoffentlich hat sich fabian krüger in berlin beworben. in zürich gibt man ihm ja keine chance. er ist anscheinend viel zu musikalisch, viel zu gefährlich für die orgie des mittelmasses am pfauen.
Geschrieben am 28. November 2007 um 12:06Uhr | Permalink
fortingale schrieb:
Wenn man ab der 12 Reihe nichts mehr hört, ist nicht die Akustik der Pfauenbühne ist das Thema, sondern die Sprechkapazität offenhörbar mikrofonverwöhnter Schauspieler!
Geschrieben am 28. November 2007 um 14:12Uhr | Permalink
luise -haha schrieb:
anscheinend bin ich außenseiter, oder viel eher, wir besuchten verschiedene vorstellungen – aber ich wurde zeuge einer wunderbaren inszenierung von schillers werk “kabale und liebe” und dass jetzt jeder hier versucht dieses stück möglichst intelektuell und Drama geschwängert niederzureden, finde ich absolut unberechtigt und unnachvollziehbar. besonders der junge jörg pohl leistet unglaubliches, wie bisher in jedem seiner auftritte im schauspielhaus.
ich fand es toll, eine orgie der hochgefühle, aber vielleicht bin ich ja auch zu banal.
Geschrieben am 4. Dezember 2007 um 17:36Uhr | Permalink