Bühne
22. Juni 2007
Rimini Protokoll macht Dürrenmatt-Nostalgie
Das Regiekollektiv Rimini Protokoll rekonstruiert am Schauspielhaus die Uraufführung von Dürrenmatts “Der Besuch der alten Dame”. Dabei folgen Helgard Haug, Stefan Kaegi und Daniel Wetzel exakt der Dramaturgie des Originalstücks. Die Zeitzeugen diskutieren, welcher Schauspieler an der Uraufführung 1956 wie auf die Bühne getreten war. Und erzählen Anekdoten aus ihrem Leben, die genau zur jeweiligen Szene passen.
Andere Stücke von Rimini-Protokoll sind so konstruiert, dass sich aus den persönlichen Geschichten der Darsteller das übergeordnete Thema ergibt, hier verläuft es umgekehrt. Dass in diesem Fall das übergeordnete Thema zudem ein historisches Ereignis ist, macht das Ganze besonders heikel: das Dokumentartheater wird zum Nostalgieabend.
Im zweiten Teil spielen Kinder Theater. Der Perspektivenwechsel sollte wohl die Zeitlosigkeit des Stücks betonen. Denn Dürrenmatt wollte mit der “alten Dame” an die Motive der Tragödiendichter der griechischen Antike anknüpfen – und die sind bekanntlich immerwährend. Retten kann das den Abend nicht mehr. Rimini Protokoll war schon viel besser.
Zum Thema:
Karl Marx auf der Bühne
Katja B. schrieb:
ich war ebenfalls eher enttäuscht von dem «besuch der alten dame» und hoffe, das rimini protokoll bald wieder zu ihrer alten «könnerschaft» zurückkehren. «das kapital» hingegen fand ich wunderbar, auch das bühnenbild. schauspieler und statuen sind im bücherregal so richtig schön zu einer einheit verwachsen – etwas vom besten, was ich – neben «romeo und julia» sowie stefan puchers inszenierungen – in den letzten jahren gesehen habe. «blaiberg und sweetheart» hat mich ebenfalls überzeugt.
Geschrieben am 25. Juni 2007 um 09:55Uhr | Permalink