Bühne, Politik


Fehlentscheid: Kunstpreis für Spoerli

Heinz Spoerli erhält den Zürcher Kunstpreis, dotiert mit 50′000 Franken. Nicht gerade ein mutiger Entscheid, im Gegenteil, damit wird der künstlerische Stillstand, die reine Ästhetisierung ausgezeichnet. Spoerlis ‘Neoklassisches Ballett’ ist längst nur noch Kopie seiner selbst, da ist keine Idee mehr dahinter, Hauptsache es schaut schön aus. Spoerlis Tänzer gehören zwar zur Spitzenklasse (kein Wunder, nirgends verdienen Tänzer so viel wie in Zürich), Künstler mit Eigensinn, mit Charakter werden jedoch aussortiert, die passen nicht in Spoerlis normierte Welt. Seine Art der Erneuerung des klassischen Balletts mag vor Jahrzehnten interessant gewesen sein, heute wirkt sie oft nur noch lächerlich. Bewegungen, die den strengen alten Regeln des akademischen Tanzes entsprechen, modern und bunt aufgepeppt – der Kitschgehalt ist da durchaus mit Rondo Veneziano vergleichbar. Die Kritik bleibt jedoch immer höflich bis euphorisch, Spoerlis Arbeit öffentlich zu hinterfragen und zu kritisieren gehört sich offenbar nicht.
Um auch noch Positives zu erwähnen: In den letzten Jahren ist Spoerli immer wieder aus den fensterlosen Ballettsälen im Kellergeschoss des Opernhauses herausgetreten, hat seine Truppe an der Streetparade auf einem eigenen Love-Mobile tanzen lassen oder hat ohne Gage fürs Casinotheater Winterthur eine Choreographie einstudiert. Da hat Spoerli bewiesen: eigentlich wäre er offen für Veränderung — nur auf der Opernhausbühne merkt man davon nichts.

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