Literatur


Zettelwirtschaft

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Mein hoch geschätzter Kein & Aber Verlag hat mir das “Absender unbekannt”-Buch zugestellt, ein wunderbarer Katalog gefundener Notizzettel. Jedes Fundstück bietet einen Türspalt breit Einblick in eine Lebenstragödie, einen emotionalen Ausbruch oder eine normale Alltagsmühe. Der Türspalt ist jedoch schmal genug, auf dass die Phantasie zu immer wieder neuen Höhenflügen animiert wird. Beispiele für gefunde Zettel, Mitteilungen und Briefe auf www.absender-unbekannt.de.
Die Fundstücke stammen grösstenteils aus den USA und wurden dort bereits veröffentlicht, “Absender unbekannt” ist bloss eine Übersetzung. Die Zettel sind jedoch dermassen liebevoll deutsch rekonstruiert, dass man davon kaum etwas merkt. So frage ich mich: wie haben die das gemacht? Hat Kein & Aber-Chef Peter Haag mal alle seine Mitarbeiter, inklusive deren Kinder und Grosseltern, zu sich nach Hause eingeladen — und alle mussten Zettel abschreiben? Oder gibt es Schreibstuben, die auf die Rekonstruktion von Alltags-Handschriften spezialisiert sind?
Für die nächste Ausgabe von “Absender unbekannt” stellt sich diese Frage nicht mehr. Kein & Aber hat im deutschsprachigen Raum zum Zettelsuchen und -einsenden aufgerufen.

Kommentar (1) zu “Zettelwirtschaft”

  1. Leser, Joachim schrieb:

    Was die “Übersetzung” angeht, so war da tatsächlich der ganze Verlag mit sog. “Lettering” beschäftigt. Die Zettel wurden übersetzt, die Originalschrift vom Zettel retouschiert, die Übersetzung auf einen Zettel geschrieben, dieser Zettel gescannt, die Schrift freigestellt und diese auf den Originalzettel montiert. 20 Leute haben “gelettert”, ein Grafiker war drei Monate mit dem Buch beschäftigt.