Bühne, Kunst/Museen, Politik
28. Juni 2007
Kulturkrise in Zürich
Es brodelt in der Zürcher Kulturpolitik. Der Verwaltungsrat des Theaters am Neumarkt will den Noch-Direktor Wolfgang Reiter per “Übereinkunft” zum Schweigen bringen, der Leiter der Kulturpflege, Jean-Pierre Hoby, bezichtigt das Schauspielhaus (und damit auch seinen Chef Elmar Ledergerber) öffentlich, Zahlen “geschönt” zu haben und Stadtpräsident Elmar Ledergerber will das Cabaret Voltaire zu einer harmlosen, touristentauglichen Dada-Erinnerungstätte umwandeln. Immerhin, ein früheres Sorgenkind macht dem Stadtpräsidenten keine Probleme mehr: die Rote Fabrik. Die einstige Brutstätte der Rebellion liegt in einem Koma der Bedeutungslosigkeit.
Elmar Ledergerber muss bitter erkennen, dass sein Leitspruch ‘Erlaubt ist, was nicht stört’ in der Kultur nicht funktioniert. Seine Überzeugung, mit dem Managerhandbuch unter dem Arm gleichzeitig Zuschauererfolg, künstlerische Anerkennung und Ruhe erreichen zu können, war ein Trugschluss. Jetzt wäre die Zeit gekommen für einen Neuanfang. Zeit, für eine neue Leitung in der Kulturpflege und Zeit dafür, dass sich Ledergerber in der Kulturpolitik aus der vordersten Reihe zurückzieht und den Platz Leuten überlässt, für die Kultur mehr als bloss Standortmarketing bedeutet.
Nachtrag 5. Juli: Daniele Muscionico in der Weltwoche über Jean-Pierre Hoby hier.
Zum Thema:
Schauspielhaus: Kommt Baumann wieder
Schauspielhaus: Wie man Ergebnisse schönt
Cabaret Voltaire: Muss Philipp Meier gehen?
Neumarkt: Frustrierter Direktor packt aus