Barbara Webers Liebeserklärung an Mike Müller
Vor zwei Wochen durfte Barbara Weber, designierte Co-Direktorin des Theaters am Neumarkt, in einer ’Magazin’-Kolumne aufzählen, was sie alles mag und was nicht. Und was mag sie? “Den Bauch meines Freundes.” Oh, interessant! Was nicht steht: ihr Freund ist der Schauspieler und Komiker Mike Müller. Der hat sich über die öffentliche Liebeserklärung sicherlich gefreut. Und: Ob er eine Diät starten soll oder nicht, darüber muss er sich definitiv keine Gedanken mehr machen.
Museum Rietberg: Eltern mit Kindern rausgeschmissen
Eine Kulturinstitution ohne Kinder- und Jugendabteilung ist heute politisch nicht mehr zu legitimieren — alle Theater und Museen haben ihr pädagogisches Programm in den letzten Jahren stark ausgebaut. Auch das Museum Rietberg. Für jede Altersklasse bietet es Führungen und Workshops an. Und brüstet sich gerne damit. Doch ausserhalb der offiziellen Programme sind Kinder in dem Edelmuseum unerwünscht. Lezte Woche wurde eine Mutter mit zwei Kindern im Vorkindergartenalter höflich gebeten, das Museum zu verlassen. Die Kinder hätten weder geschrien, geweint noch Werke angefasst, wie mir die Mutter versicherte, sondern bloss in normaler Kinderlautstärke gesprochen, bzw Laute von sich gegeben. Man wolle eine sakrale Stimmung in dem Neubau bewahren, so die Begründung des Museums. Merkwürdig: für pädagogische Kinderprogramme gibt man Tausende von Franken aus, gehen Eltern von sich aus mit den Kindern ins Museum, schmeisst man sie raus.
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In leere Vitrinen gucken
Solari träumt
Marco Solari, Präsident des Filmfestivals Locarno und des Tessiner Tourismus’, will langfristig eine Expo im Tessin und kurzfristig mehr Geld fürs Filmfestival. Er träume von einer “Lex Locarno”, sagt er im Tages-Anzeiger, einer Sonderbehandlung, was vor allem heisst: mehr Geld vom Bund. Dabei erhält er schon längst eine Sonderbehandlung. Die Hälfte des gesamten Filmfestival-Subventionstopfs geht an Locarno; sieben andere Festivals teilen sich den Rest. Wofür das zusätzliche Geld? Das Filmfestival Locarno ist heute vor allem ein Sommercamp für die Zürcher Kulturschickeria. Das Ziel, ein A-Festival von internationaler Bedeutung zu werden, hat das Festival kläglich verpasst. Selbst die jungen Nobodies vom Zurich Film Festival haben innert zwei Jahren ohne Staatsgeld mehr Glamour und eine attraktivere Jury hingekriegt als die hochsubventionierten Locarnesi. Solaris eigentlich begrüssenswerte Aussage, Glamour sei nicht die ‘raison d’être’, ist eher als Kapitulation denn als Einsicht zu verstehen.
Pipilotti braucht Kinder

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Videokünstlerin Pipilotti Rist hats auf die Badi-Gäste abgesehen. Beim Eingang zum Heuried hängt ein Aufruf zum Statisten-Casting für ihren ersten Spielfilm “Pepperminta”. Gesucht werden Kinder und Erwachsene; Pipilotti rechnet wohl mit einem grossen Ansturm, das Casting dauert drei Tage. Der Film wird zwischen dem 10. August und dem 4. September in der Region Zürich gedreht.
Wie ein kulturblog.ch-Kommentator zu berichten weiss, soll das Schweizer Fernsehen kurzerhand die 300′000 Franken übernommen haben, die der St. Galler Kantonsrat dem Projekt verweigert hat. Eine uneigennützige Geste, soll es sich doch um einen bildstarken Film handeln, der seine Wirkung auf dem Bildschirm nur beschränkt entfalten kann. Pipilotti seis gegönnt.
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Pipilotti Rist dreht einen Spielfilm
Warten auf Locarno
Wenn man schon das Datum seiner Rückkehr publik macht, so muss man sich auch wieder melden – obschon in der Sommerhitze der Stoff für kulturelle Debatten noch Mangelware ist. Da bleibt nur eins: warten auf das Filmfestival Locarno. Nein, nicht etwa, weil ich da hingehe, sondern weil dann die kulturpolitische Show des Duos Bideau/Couchepin wieder für Heiterkeit und Diskussionen sorgen wird (Bideau: “Klar produziert die Veranstaltung Rauch. Damit weckt man das Interesse der Leute. (…) Ich kommuniziere mit aggressivem Marketing.”)
Um beim Thema zu bleiben: Heute hat das Bundesamt für Kultur die Ausschreibung für den Schweizer Filmpreis 2008 eröffnet. Für die fünf nominierten Spiel- bzw. Dokumentarfilme gibt es eine Prämie von je 25′000 Franken. Bei der Qualität der bisherigen Schweizer Filme dieses Jahr könnte vielleicht bereits ein Ferienvideo für eine Nominierung reichen — wär doch eine nette Form der Ferienfinanzierung.
Sommerpause
kulturblog.ch schliesst den Laden Laptop für 10 Tage. Am 25. Juli gehts weiter…
Muezzin ruft vom Kirchturm
Leider habe ich verpasst, wie der Muezzin vom Grossmünster ruft. Die Kirchtürme für kurze Zeit zu Minaretten umzuwandeln – eine gelungene Guerilla-Kunstaktion von Johannes Gees im Auftrag von agent-provocateur.ch zum Minarettstreit. 20 Minuten wusste offenbar über die Aktion in Zürich, Bern, Einsiedeln und St. Gallen bescheid und hat sie gefilmt. Die Filme kann man nicht auf der Seite einbinden, sondern nur hier ansehen — wenn man die verdatterten Gesichter der Passanten sieht, bleibt die Feststellung: Kurt Felix hätte das nicht besser gekonnt…
-> rebell.tv ist von der Aktion nicht begeistert
Kinowunder
Dem neuen Multiplex-Popcorn-Kino im Sihlcity laufe es miserabel, das Studio-Kino RiffRaff dagegen baut zwei zusätzliche Säle. Eine Ohrfeige für alle Kulturpessimisten.
Der Schauspielhaus- Verwaltungsrat denkt
Der Schauspielhaus-Verwaltungsrat will während der Sommerpause über Strukturen nachdenken, eine der Hauptfragen wird wohl einmal mehr lauten: Ist die gleichberechtigte Doppelspitze bestehend aus dem künstlerischen und dem kaufmännischen Leiter noch adäquat, oder soll der künstlerische Leiter als alleiniger Direktor amten? Doch aufgepasst, es gibt noch eine dritte Variante — und die wird von Ledergerber vielleicht insgeheim sogar bevorzugt: ein kaufmännischer Direktor, der dem künstlerischen Leiter vorgesetzt ist.
Diese Kapitulation vor der Kunst ist im Theater St. Gallen bereits erfolgreich vollzogen worden. Der geschäftsführende Direktor Werner Signer lächelt von allen Prospekten und redet in der Presse immer wieder mit aller Selbstverständlichkeit über künstlerische Belange. Dafür redet ausserhalb der Region niemand mehr über das Theater — die Zeit, in der es in St. Gallen mutiges Theater zu entdecken gab, ist längst vorbei. Dennoch: Das Programm mit Musical-Schiene und pittoresken Festspielen ist beim Publikum äusserst beliebt, das Theater St. Gallen hat vergleichbare Stadttheater wie Bern oder Luzern in der Zuschauergunst weit hinter sich gelassen.
Das sind doch verlockende Aussichten für unseren Stapi! Nur: In St. Gallen sind solche Zustände kritiklos möglich, in Zürich wäre der Aufschrei in der Kulturszene gross. Das weiss auch Ledergerber, und das wird ihn wohl (glücklicherweise) auch von diesem Szenario abhalten.
Klassische Musik ohne Visionen



Die drei grossen Klassik-Institutionen Zürichs werben wie jeden Sommer um Abonnenten für die kommende Spielzeit. Doch wie machen die das? Das Opernhaus verspricht “Weltstars für Sie im Abo” und bildet darunter den einzig wahren Star ab. Die Tonhalle zählt ihre Stars alle auf, 17 mehr oder weniger bekannte Namen stehen auf dem Inserat. Wer ist nun herzlich willkommen, die Stars oder das Publikum? Das Zürcher Kammerorchester zeigt seinen Dirigenten Muhai Tang, der schaut so verschmitzt-sympathisch drein, den würde man gerne kennenlernen. Was die Werbung betrifft, geht das ZKO als klarer Sieger hervor. Doch was wird da überhaupt gespielt? Was sind die künstlerischen Visionen dieser Institutionen? Was wollen sie dem Publikum mitteilen? In der Klassik-Welt spielt dies offenbar keine Rolle. Hauptsache Stars.
Theater Spektakel: Nouveau Cirque ist zurück

Letztes Jahr noch sagte Theater-Spektakel-Leiterin Maria Magdalena Schwaegermann, dass der Nouveau Cirque nun etabliert genug sei — und strich die Sparte aus dem Programm. Im diesjährigen Programm ist der zeitgenössische Zirkus plötzliche wieder da. Schwaegermann will wohl mit einer guten Bilanz abtreten und hat nach einem mageren letzten Jahr wieder auf diese beim Publikum beliebte Sparte zurückgegriffen. Richtig so. Nicht wegen der Publikumswirksamkeit, sondern weil das Zürcher Theater Spektakel fast der einzige Ort in der Schweiz ist, an dem die Zirkus-Avantgarde auftreten kann.
Gestern war ich an einer Vorstellung des Duo Tr’espace (Bild oben), zwei Monti-Brüdern und Ulla Tikka im Winterquartier der Zirkus Monti. Diabolo, Pferde, Seiltanz und Akrobatik von hervorragenden Künstlern ganz minimalistisch und zu leisen Klängen vorgetragen – wunderschön. Warum sieht man so etwas nie in der Gessnerallee? Nach der Vorstellung erzählte mir Roman Müller von Tr’espace, dass sie in der Deutschschweiz kaum Auftrittsmöglichkeiten haben; dafür sind sie sonst überall auf der Welt unterwegs, als nächstes in Paris. Die Vorstellungen in Wohlen haben sie selber veranstaltet, um wieder einmal in ihrer Region spielen zu können. In der Deutschschweiz ist fast nur ihr Kurz-Showprogramm gefragt (demnächst zu sehen bei Ursus & Nadeschkin in Perlen, Freaks & Special Guests), nicht aber das abendfüllende Programm.
Der zeitgenössische Tanz wird hierzulande von allen Förderstellen mit Spezialprogrammen gehätschelt, seinem vifen Bruder, dem zeitgenössischen Zirkus, wird dagegen der Kunststatus verweigert. Für Schwaegermann-Nachfolger Sandro Lunin sollte dies Grund genug sein, diese Sparte weiterzupflegen.
Swiss Miniatur

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Ein Jahrhundert Schweizer Kunst an einer Wand, dies die neueste Kreation des Malers und Illustrators Noyau alias Yves Nussbaum. 123 grosse Werke von Schweizer Künstlern hat er abgemalt. Ob ein Wolkenbild von Hodler, ein Videostill von Pipilotti Rist, eine Karambolage von Arnold Odermatt oder ein fotorealistisches Gemälde von Franz Gertsch — alles hat Noyau in seinem Malstil auf Miniatur-Grösse nivelliert. Die Wand — zurzeit hängen die Bilder im Pipifax — lädt zum Verweilen und Schmunzeln, wären die Bilder nicht angeschrieben, so könnte man daraus ein Kunstquiz machen (wer kann die Werke richtig zuordnen?). Die komprimierte Schweizer Kunst gibts auch zu kaufen, in Form einer Landkarte. “Musée Réduit” heisst das, erschienen im Comicverlag Edition Moderne, die beste Geschenkidee des Jahres.
Peter Wuffli: Jetzt hat er Zeit fürs Opernhaus
Peter Wuffli ist trotz Alinghi-Sieg nicht mehr CEO der UBS, ein Grund dafür sei, dass ihm der Zugang zum Verwaltungsrats-Präsidium verwehrt wurde. Wuffli ist dafür in einem andern Verwaltungsrat dabei, zwar nicht als Präsident, aber immerhin: im Zürcher Opernhaus. Ich hab zwar keine Ahnung, wie stark er sich bisher in dieser Cüpli-Gemeinschaft engagiert hat, ein Zeitproblem dürfte er nun aber nicht mehr haben. Und sein Engagement ist gefragt. Das Opernhaus steuert mit jedem Tag, an dem Pereira älter wird, auf unsichereres Gewässer zu. Die Eisschollen sind schon in Sichtweite, doch das Orchester spielt munter weiter, auf dass die älteren Herren unentwegt ihre jungen Geliebten zum Tanz bitten können. Ob Wuffli das Schiff noch in die richtige Richtung steuern kann? Wenn man liest, wie er bei der UBS Milliardenverluste zu vertuschen versuchte, ist wenig Hoffnung angebracht. Aber immerhin, mit solchen Schummeleien ist Wuffli in der Kulturwelt in guter Gesellschaft.
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Neumarkt: Fleischmarkt zum Saisonende
Eine turbulente Saison findet für Neumarkt-Direktor Wolfgang Reiter ein versöhnliches Ende, “Über Tiere” von Elfride Jelinek wird als eindrückliche Rauminstallation gezeigt; die Vorstellungen sind zu recht alle ausverkauft. Das Publikum bewegt sich frei im Raum, auf Bänken liegen blasse Figuren, emotionslos vollführen sie ihre monotonen Bewegungen, dazwischen stehen die Schauspieler, die Jelineks Text regungs- aber nicht anteilnamslos von sich geben. Nur Fetzen davon nimmt man auf, zu sehr ist man eingenommen von dem düsteren Raum, einer Kombination aus Wartehalle und Operationssaal.
Im zweiten Teil setzen sich die Zuschauer auf die Bänke, in einem Stakkato wie an einer Auktion werden die collagierten Texte aus Abhörprotokollen eines Wiener Begleitservices wiedergegeben. Ein Fleischmarkt, überquillend, hautnah – alles nur verbal, immer irgendwo pendelnd zwischen abstossend und belustigend. Und weil das Ganze nur eine Stunde dauert, bleibt danach noch genügend Zeit für gute Gespräche und ein paar Bier an der Theaterbar.
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Cabaret Voltaire: So stellt man Politiker zufrieden
Philipp Meier bleibt Direktor des Cabaret Voltaire, allerdings nicht alleine; der bisherige Leiter Produktion, Adrian Notz, wird Co-Direktor (Medienmitteilung). Dies hat der Trägerverein an einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung beschlossen. Der Politik soll wohl das Signal ausgesendet werden, ‘wir stellen Philipp Meier einen Aufpasser zur Seite’, im täglichen Betrieb wird sich aber nicht viel ändern. So sollen die 300′000 Franken Subventionen von der Stadt gerettet werden. In der Zürcher Kultur hat das Tricksen Hochkunjunktur.
Nachtrag 18:09 Am Nachmittag hatte die Stadt die Medienmitteilung (oben) zurückgezogen, jetzt wird sie in einer abgeänderten Version wieder freigegeben. Die Änderung: Philipp Meiers Vertrag wird nicht bis zum 31. August 2008, sondern nur bis zum 30. April 2008 (Ablauf der städtischen Subvention) verlängert. Dies sei der ausdrückliche Wunsch von Stadtpräsident Elmar Ledergerber gewesen. Was nur bedeuten kann: Ledergerber will eine Fortsetzung der Subvention dereinst von einem Abgang Meiers abhänging machen können.
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