Kunst/Museen
12. Juli 2007
Muezzin ruft vom Kirchturm
Leider habe ich verpasst, wie der Muezzin vom Grossmünster ruft. Die Kirchtürme für kurze Zeit zu Minaretten umzuwandeln – eine gelungene Guerilla-Kunstaktion von Johannes Gees im Auftrag von agent-provocateur.ch zum Minarettstreit. 20 Minuten wusste offenbar über die Aktion in Zürich, Bern, Einsiedeln und St. Gallen bescheid und hat sie gefilmt. Die Filme kann man nicht auf der Seite einbinden, sondern nur hier ansehen — wenn man die verdatterten Gesichter der Passanten sieht, bleibt die Feststellung: Kurt Felix hätte das nicht besser gekonnt…
-> rebell.tv ist von der Aktion nicht begeistert
NZZ Campus Naninas Blog - Muezzin auf dem Grossmünster schrieb:
[...] Dazu: Hier und hier und hier (im Gegensatz zum 20Minuten-Bericht: absolut niemand war erschreckt, und ohrenbetäubend war es schon gar nicht, sondern sehr schön). [...]
Geschrieben am 12. Juli 2007 um 15:02Uhr | Permalink
agent-provocateur.ch schrieb:
PRESSEMITTEILUNG Donnerstag, 12.7.07, 15 Uhr
Betr: Muezzin in Schweizer Städten
Am Dienstag, 10.7.07, hörte man zum ersten Mal den Gebetsruf eines Muezzins durch die
Berner Altstadt schallen – vom Turm des Münsters. Befremdet bis belustigt nahmen
Einwohner wie Touristen die ungewohnten Klänge auf. Nach drei Minuten war der Spuk
vorbei und eine halbe Stunde später war die Polizei vor Ort. Nach intensiver Suche entfernte
das Einsatzkommando ein seltsames Gerät, das die Quelle des akustischen Störmanövers
zu sein schien, und beschlagnahmte es.
Am Mittwoch, um 17.45 ging es dann wieder los. Diesmal aber von Kirchtürmen in Zürich
(Grossmünster) und St. Gallen (Stiftskirche). Die Polizei tat sich etwas schwerer und
entdeckte die Geräte erst, nachdem der Muezzin um 21.30 ein zweites Mal gerufen hatte. In
Zürich wurde die Aktion mit gemischten Gefühlen aufgenommen, die einen waren begeistert
und sprachen von kultureller Versöhnung, andere witterten islamistischen Terror, wieder
andere vermuteten die SVP hinter der Aktion – Stadtpräsident Elmar Ledergerber hingegen
fühlte sich durch die exotischen Klänge an seinen letzten Urlaub erinnert.
Tatsächlich handelt es sich bei der Aktion um ein Kunstprojekt von Johannes Gees, im
Auftrag von agent-provocateur.ch. Agent-provocateur.ch ist eine Produktions- und
Vertriebsplattform für Kurzvideos von Kulturschaffenden, die sich pointiert zum
Zeitgeschehen in der Schweiz äussern und so in öffentliche Debatten eingreifen wollen.
Mit SALAT, so der Titel der Aktion, greift der Künstler Johannes Gees in die überhitzte
Debatte um die Baubewilligung für Minarette in der Schweiz ein. Er möchte, so der Künstler,
„etwas Luft aus einer völlig überspannten Diskussion ablassen, die sich im Ursprung um ein
sechs Meter hohes Türmchen in einem Oltener Industriequartier dreht.“
Agent-provocateur.ch hat die Aktion bei Johannes Gees in Auftrag gegeben und finanziert.
Das Projekt hat Pilotcharakter und möchte agent-provocateur.ch über seine Filmtätigkeit
hinaus als Anlaufstelle für Kulturschaffende bekannt machen, die für provozierende
Interventionen im öffentlichen Raum einen Produktionspartner suchen.
Filme und zusätzliche Informationen über SALAT auf der Homepage von agent-
provocateur.ch (www.agent-provocateur.ch)
Geschrieben am 12. Juli 2007 um 15:26Uhr | Permalink
rafael schrieb:
Schade, da hab ich was verpasst, hab das in Kasachstan am Morgen immer sehr genossen, wenn der Muezin gesungen hat.
Geschrieben am 12. Juli 2007 um 15:29Uhr | Permalink
philipp meier schrieb:
weiss hier eigentlich jemand, was mit der nzz los ist? nachdem sie es zustande brachten, die letzten wochen und monate nichts(!) übers cabaret voltaire zu schreiben(oke…,vielleicht bin ich der falsche, der sich beklagt;) findet man nun heute auch keine notiz zu dieser muezzin-aktion. mit den abgängen von alexandera kedves und daniele muscionico hat die nzz scheinbar nicht nur zwei gute schreiberinnen und kritikerinnen verloren…, sondern auch deren sensorium…
Geschrieben am 13. Juli 2007 um 10:58Uhr | Permalink
philipp meier schrieb:
oke…, es gibt da noch eine chance für die nzz: sie schreibt über die muezzin-aktion, wenn sie die neue stipendien-ausstellung im helmhaus bespricht.
Geschrieben am 13. Juli 2007 um 12:11Uhr | Permalink