Kunst/Museen


Museum Rietberg: Eltern mit Kindern rausgeschmissen

Eine Kulturinstitution ohne Kinder- und Jugendabteilung ist heute politisch nicht mehr zu legitimieren — alle Theater und Museen haben ihr pädagogisches Programm in den letzten Jahren stark ausgebaut. Auch das Museum Rietberg. Für jede Altersklasse bietet es Führungen und Workshops an. Und brüstet sich gerne damit. Doch ausserhalb der offiziellen Programme sind Kinder in dem Edelmuseum unerwünscht. Lezte Woche wurde eine Mutter mit zwei Kindern im Vorkindergartenalter höflich gebeten, das Museum zu verlassen. Die Kinder hätten weder geschrien, geweint noch Werke angefasst, wie mir die Mutter versicherte, sondern bloss in normaler Kinderlautstärke gesprochen, bzw Laute von sich gegeben. Man wolle eine sakrale Stimmung in dem Neubau bewahren, so die Begründung des Museums. Merkwürdig: für pädagogische Kinderprogramme gibt man Tausende von Franken aus, gehen Eltern von sich aus mit den Kindern ins Museum, schmeisst man sie raus.

Zum Thema:
In leere Vitrinen gucken

Kommentare (4) zu “Museum Rietberg: Eltern mit Kindern rausgeschmissen”

  1. philipp meier schrieb:

    ich schreib’ ja immer wieder: die kunst muss aus den museen befreit werden… ;)))

  2. A.Ch. schrieb:

    Nun, das erinnert mich unangenehm an den letzten Besuch im Kunsthaus Zürich (Ausstellung Fischli/Weiss mit einer Gruppe von 16-24-Jährigen). Ich war als Lehrerin für Gestaltung, Kultur und Kunst mit meiner gut vorbereiteten und interessierten Klasse im Foyer, wo wir auf die obligatorische, offizielle Einführung für Gruppen durch das Personal des Kunsthauses warteten. Die Person, die uns sodann “einführte”, tat dies mit einem Unterton, der den Eindruck vermittelte, Jugendliche seien a Priori eine Gefahr für Kultur und Kunst. Es war ein Dämpfer, so empfangen zu werden!

  3. jk schrieb:

    Ich finde es eine Katastrophe, wenn eine vom Steuerzahler (also von mir) mitfinanzierte Institution sich derart kinderfeindlich verhält. Was soll der Scheiss? Werden wir demnächst alle Kinder abschaffen? Ich bin von meinen Eltern oft in Museen mitgenommen werden, das hat mich schon als Kind begeistert. Und wenn ich meine Begeisterung nun nicht mehr weitergeben darf an meine Kinder, stimmt mich das schon traurig. Sakrale Stimmung, phu, mir wird schlecht.

  4. ce schrieb:

    Es gibt mittlerweile leider viele Ausstellungen, in denen man nicht mehr in Ruhe die Exponate anschauen kann. Seien es lautstarke Präsentatoren, die ihre Horden durch die Gänge schieben oder Kindergruppen, die (z.B. von ihren Eltern) nie gelernt zu haben scheinen, dass Museen keine Spielplätze sind, es ist fast unmöglich geworden, wirkliches und vertieftes Interesse an den eigentlichen Helden der Ausstellungen, den Exponaten zu haben. Zu viel Lärm, zu viel oberflächliches Interesse, unkoordinierte Führungsabfolgen.