Kunst/Museen, Politik


Plakatstreit: Hoby als allmächtige Instanz

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Das Plakat mit dem Logo der Weltwoche, der SVP, der SD etc in einer Reihe mit dem Hakenkreuz und andern faschistischen Symbolen sorgt derzeit in Zürich für Aufregung. Der “Verein zur Förderung antifaschistischer Aktivitäten” wirbt damit für die Ausstellung “fascho!” in der Shedhalle. Alles, was einem nicht ganz genehm ist, als faschistoid abzutun, ist etwas zu einfach — wenn nicht gar blöd. Doch der eigentliche Skandal ist nicht das Plakat; man kann niemandem verbieten, sich in einem eindimensionalen Gedankengut festgefahren zu haben. Der Skandal ist einmal mehr die Reaktion von Jean-Pierre Hoby, dem Chef der Zürcher Kulturpflege: Es handle sich um  ”eine missglückte Provokation, die nicht akzeptiert werden kann”, sagt er heute in der NZZ. “Die nicht akzeptiert werden kann”? Was soll diese Aussage? Ist er der oberste Wächter, der entscheidet, was akzeptiert werden kann und was nicht? Muss man ihm in Zukunft jedes Plakat, jedes Kunstwerk zur Absegnung vorlegen, bevor es in Zürich gezeigt werden kann?
Natürlich spricht er auch gleich von möglichen Subventionskürzungen, die Politiker angeblich angedroht hätten. Na und? Die Aufgabe des obersten Kulturbeamten ist es nicht, Politiker in ihren populistischen Kürzungsandrohungen zu unterstützen. Im Gegenteil. Er sollte sich vor die angegriffenen Institutionen stellen und den aufschreienden Politikern klar machen, dass die Berechtigun für Subventionen nicht von einer einzelnen Aktion abhängt, sondern davon, ob langfristig eine gute Arbeit geleistet wird. Doch das entspricht nicht der Arbeitsauffassung Hobys — lieber gibt er sich als allmächtige Instanz, die jederzeit und alleine über richtig oder falsch entscheidet.
-> Diskussion zum Plakatstreit auf rebell.tv

Nachtrag 19.37: Stellungnahme der Shedhalle und der Ausstellungsmacher (pdf)

Zum Thema:
Kulturkrise in Zürich

Kommentare (4) zu “Plakatstreit: Hoby als allmächtige Instanz”

  1. philipp meier schrieb:

    WIR LEBEN ZÜRICH: NO RISK! NO FUN!

  2. philipp meier schrieb:

    und noch eine kritik @rb: das plakat hat verschiedene text- und symbol-/bildebenen. wenn du darin «alles was einem nicht ganz genehm ist als faschismus abzutun» liest, dann bleibst du auf dem durch die medien in den vordergrund gerückten hintergrund (tapete) hängen. zum eigentlichen vordergrund: «fascho!» als gassenslang hat eine ähnliche bedeutung wie beispielsweise «homo!» oder…., um deutlicher/konkreter zu werden, ganz simpel: «arschloch!»
    und: «berichte aus dem alltag» verweist uns auf die latenten und teilweise gut verpackten «faschistischen ansätze» in unserem alltag.
    des weiteren: es geht hier um die ankündigung einer ausstellung. so gesehen bleiben alle voreiligen berichterstatter und aufschreier auf der oberfläche hängen. ähm…., darf ich in diesem zusammenhang das wort «unseriös» verwenden….? darf ich wirklich…???

  3. rb schrieb:

    @ Philipp. Ja, es geht hier um die Ankündigung (Werbung) einer Ausstellung, ich habe auch nur über die Ankündigung geschrieben und wie sie auf mich gewirkt hat. Nämlich dass ein eigentlich spannendes Thema dann im Hintergrund darauf reduziert wird, Parallelen zwischen nicht genehmen Zeitungen/Parteien und dem Nationalsozialismus aufzuzeigen. In dieser Animation von der Ausstellung-Site übrigens auch:

    Dass aber die SVP Stiefel- und schwarze-Schafe-Inserate macht, weiss ich schon lange — und wie bös’ die Weltwoche ist, ebenfalls (schliesslich habe ich sie abonniert), dafür brauche ich keine Ausstellung.
    Wenn die Ausstellung aber vielschichtiger ist als das — was ich ja sehr hoffe und von dem ich nach dem Lesen der Stellungnahme auch überzeugt bin — dann hat die Ankündigung/Werbung zumindest bei mir erst recht versagt, weil sie einen völlig falschen Eindruck erweckte (und zwar schon vor der Medienkampagne, ich hatte das Plakat einige Tage vor dem Tagi-Artikel in der Roten Fabrik gesehen). Alles in allem wurde aber dank der grossen Medienaufmerksamkeit daraus aber doch noch eine äusserst erfolgreiche Werbekampagne — das kriegt sonst nur das Cabaret Voltaire hin ;-).
    So, jetzt habe ich doch noch viel (unseriöses?) über diese Werbung geschrieben, dabei wollte ich mich doch hauptsächlich zur Reaktion Hobys äussern…

  4. philipp meier schrieb:

    ich bin trotzdem erstaunt, dass die hintergrundtapete eines ausstellungsflyer scheinbar mehr zündstoff liefert als die z.zt. visuell unseren alltag stark prägenden schwarze-schafe-raus-plakate. und sowieso: im gegensatz zur svp fährt die shedhalle keineswegs eine hyperaktiven provokationskurs. dass sie einen solchen einschlägt, wenn es quasi als «legitime antwort» auf der hand liegt, dann finde ist das nicht mehr als konsequent!!!

    @rb: dann bleibt nur noch die frage: wofür brauchen wir ausstellungen? als bestätigung, dass seerosen und alpen schön, fischli und weiss lustig sind? ich fände es jedenfalls viel schlimmer, wenn die kunst/kultur nicht mehr auf gesellschaftliches/politisches reagieren würde…; da nehme ich gerne in kauf, wenn diese reaktion möglicherweise etwas überdreht oder plump rüber kommt.

    immerhin: ein blick in die leserbriefseite des heutige tages-anzeigers wirkt beruhigend…!