Paul-Burkhard-Dok als Züri-Nostalgie
Gestern wurde das renovierte Kino Alba wiedereröffnet, Jean-Pierre Hoby hielt eine Rede, und auch Markus Notter genoss in Begleitung seiner Kulturbeauftragten Susanna Tanner die Häppchen und den Gratisfilm.
Gezeigt wurde vorab “O mein Papa” von Felice Zenoni, ein Dokumentarfilm über den “erfolgreichsten Schweizer Komponisten” Paul Burkhard (Kinostart: 13. September). Der Film zeichnet nach, wie Burkhard als Theatermusiker am Zürcher Schauspielhaus mit Brecht und Dürrenmatt arbeitete, wie er als Unterhaltungs-Komponist Triumphe feierte und wie aus dem schwulen Protestanten im Alter ein frommer Katholik wurde. Was als reine Züri-Nostalgie beginnt, inklusive der üblichen Verklärung der Schauspielhaus-Zeit während und nach dem Zweiten Weltkrieg, wird zum intimen und berührenden Portrait.
Zwischendurch dürfen all die heutigen Schlagersternchen, von Leonard über Nubya bis Michael von der Heide, Lieder von Paul Burkhard nachsingen. Im Studio wurden die Stimmen weichgespült wie bei volkstümlichen Schlagern, Resultat ist ein aalglattes Geträller, was kaum im Sinne Burkhards sein kann (CD soll bald erscheinen).
Doch zurück zur Nostalgie, der auch ich mich im Zusammenhang mit Paul Burkhard nicht entziehen kann: Als 15-Jähriger wurde ich bei einem Casting im Stadttheater St. Gallen dazu ausgewählt, in den Zirkusszenen der Burkhard-Operette “Der schwarze Hecht” als Jongleur mitzuwirken. Mit aufgeklebtem Schnauz und Glitzerhemd stand ich mehr als 20 Mal voller Enthusiasmus auf der grossen Stadttheater-Bühne, schmiss Bälle und Keulen durch die Luft und sang beim Finale “O mein Papa” mit – oder tat zumindest so.

(Ja, ja, ich bin der ganz rechts — nein, das Kostüm durfte ich nicht behalten.)
Nicht, dass ich seither je wieder freiwillig eine solche Operette besucht hätte — aber immerhin bin ich im Theater- und Kulturbereich hängen geblieben. Und somit hatte Paul Burkhard einen nicht unbedeutenden Einfluss auf meinen Werdegang.