Kunst/Museen
31. August 2007
Kunsthaus-Erweiterung: Gottfried Honegger droht mit Referendum
Auch mit 90 Jahren äussert sich der Künstler Gottfried Honegger emotionsgeladen zu kulturpolitschen Themen, diesmal zur Kunsthaus-Erweiterung. Dies jedoch nicht allzu eloquent, im Blick von heute wird er etwas wirr zitiert:
“Da Christoph Becker, Direktor des Kunsthauses, entschieden hat, ohne jene, die es mit ihren Steuern bezahlen müssen (150 Millionen Franken) umfassend zu orientieren, werden wir das Referendum bemühen, sollte das Projekt der Kunsthaus-Erweiterung ganz und gar der Emil-Bührle-Sammlung gewidmet sein.”
Herr Becker hat durchaus informiert: der Steuerzahler wird nicht 150 Mio Fr bezahlen müssen, sondern nur die Hälfte davon, und die Erweiterung ist nicht ganz und gar der Emil-Bührle-Sammlung gewidmet, sondern nur zu einem grossen Teil.
Dennoch: ganz unrecht hat Gottfried Honegger nicht. Die Kunsthaus-Erweiterung ist ein Prestige-Projekt, das teilweise für die Präsentation einer privaten Sammlung reserviert ist. Deshalb ist für mich klar: der Neubau sollte vollständig privat finanziert werden (können). Dass dies keine unrealistische Forderung ist, zeigt u.a. Luzern, wo Private für 100 Mio Franken eine neue Halle für zeitgenössisches Musiktheater finanzieren.
Ich freue mich schon darauf, Gottfried Honegger zuzuschauen, wie er an der Bahnhofstrasse Unterschriften sammelt…
Zum Thema:
Mehr privates Geld in Luzern als in Zürich?
Christoph Becker und die Weltliga
Gottfried Honegger: Kunst gegen Drogen
db schrieb:
Die Folgerung, wonach der Erweiterungsbau des Kunsthauses abzulehnen ist, weil die Bilder, die gezeigt werden sollen, nicht dem Staat gehören, verstehe ich nicht: Heisst dies, wenn ein privater Sammler seine Bilder der Öffentlichkeit zeigen will, er automatisch auch die entsprechenden Ausstellungsräume bereitstellen muss? Falls ja, besteht nicht die Gefahr, dass private Sammlungen einem breiten Publikum verwehrt bleiben?
In casu, ist es nicht besser, die Bührle-Sammlung in einem von der öffentlichen Hand mitfinanzierten Bau zu zeigen als sie der Öffentlichkeit gar nicht zugänglich zu machen? Oder: Sollte der Staat a) die Werke kaufen (wie es die Stadt Zürich tut, um sie im Helmhaus auszustellen) und b) die Kunsthauserweiterung ganz bezahlen? – Bei dieser Variante hätten die Steuerzahler womöglich noch mehr Einwände…
Sollten sich hingegen für den Kunsthauserweiterungsbau tatsächlich genügend private Investoren/Donatoren finden, so wäre das natürlich begrüssenswert. Die USA machen uns diesbezüglich vor, wie fundraising durchaus erfolgreich betrieben werden kann (auf die steuerlichen Unterschiede sei hier nicht eingegangen).
Geschrieben am 1. September 2007 um 20:32Uhr | Permalink
rb schrieb:
Soll aus Steuergeldern ein Ausstellungsraum für eine private Sammlung finanziert werden? Natürlich gibt es Gründe dafür, z. B., dass die Öffentlichkeit damit Zugang zur Sammlung erhält. Andererseit handelt es sich bei den Besitzern solcher Sammlungen oft um sehr reiche Leute. Selbst wenn sie eine Sammlung dem Staat bzw einem Museum schenken, treten sie damit auch eine grosse (finanzielle) Verantwortung an den Staat ab. Resultat ist: der Sammler kriegt die Ehre, dass die nach ihm benannte Sammlung gross präsentiert wird, der Staat übernimmt aber die hohen Folgekosten (nicht nur für den Bau). Ein Beispiel dafür ist die Sammlung Thyssen-Bornemisza in Madrid.
Ob dies nun gerechtfertigt ist, ist wohl Ansichtsache — und auch von Fall zu Fall anders zu bewerten. Im Fall Bührle weiss man noch sehr wenig. Es gibt noch keine verbindliche Zusagen, unter welchen Bedingungen die Sammlung dem Kunsthaus übergeben werden soll, auch nicht, ob oder wie stark sich die Familie Bührle am Unterhalt der Bilder, den Ausstellungskosten etc beteiligen wird.
Dass die Stadt Künstlern Kunstwerke abkauft und sie diese Werke dann ab und zu im Helmhaus zeigt, hat damit überhaupt nichts zu tun. Da geht es um eine sinnvolle Unterstützung von Künstlern (nicht von reichen Sammlern!).
Noch zum amerikanischen Modell der privaten Kulturförderung: In grossen Institutionen mit repräsentativem Charakter (z. B. Tonhalle, Opernhaus oder ein Kunsthaus-Neubau) finde ich das sehr sinnvoll und ich bin auch überzeugt, dass die private Finanzierung da noch viel Potenzial hat. Diese Form der Finanzierung auch bei nicht repräsentativen, unbequemen Institutionen/Kulturformen einführen zu wollen, hätte jedoch verheerende Auswirkungen auf die Kulturlandschaft.
Geschrieben am 2. September 2007 um 20:56Uhr | Permalink