Über Umwege gegen die Kunsthaus-Erweiterung
Man hätte gedacht, in einer Debatte um den geplanten Kunsthaus-Neubau würden vor allem kulturpolitische Argumente zählen. Nicht so. Die lautesten Gegner bringen Gartenbau-, Denkmalschutz- und neu auch Raubkunst-Argumente ins Spiel. Fehlt nur noch, dass sich der Verein für Volksgesundheit gegen den Abbruch der Turnhallen wehrt. Der Tages-Anzeiger hatte einmal eine ganze Seite mit fragwürdigen kulturpolitischen Punkten zum Neubau gebracht. Die Diskussion darüber ist aber schnell wieder abgeflaut. Wahrscheinlich haben sich die kulturpolitisch motivierten Neubau-Gegner zurückgelehnt, da andere die anstrengende Arbeit für sie übernehmen, diesen Bau zu verhindern.
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Christoph Schlingensief in der Dada-Gemeinde

Bazon Brock lud heute Christoph Schlingensief zum Dada-Initiationsritual ins Cabaret Voltaire. Auf dem Podium waren drei Stühle, einer blieb leer, dafür beteiligte sich ein Zuhörer mit Zwischenrufen eifrig an dem Gespräch. Schon beim letzten Bazon-Brock-Vortrag im Cabaret Voltaire war ein verwirrter Zwischenrufer zugegen, vielleicht gehört dies ja zum Konzept.
Bazon Brock war einmal mehr souverän; wie er das Wesen der Schweiz erklärte und warum Dada zwingend in der Schweiz entstehen musste, war grossartig. Genau diese gedanklichen Renkungen – die beim Zuhören immer völlig logisch erscheinen — machen es so anregend, Bazon Brock zuzuhören.
Neben dem schwergewichtigen Theoretiker Brock wirkte Schlingensief eher blass. Er versuchte anhand des Tods seines Vaters die Welt zu erklären und meinte, seine Ausstellung im Migros Museum (Eröffnung am Freitag) sei politischer als all die Aktionen, für die er berühmt ist. Aber was zählt: Christoph Schlingensief ist nun offiziell in die Dada-Gemeinde aufgenommen worden. Obwohl er zu dieser Welt nicht wie von Hugo Ball propagiert kräftig “Ja” sagt, sondern “Jajajajajaneinneinneinneinnein”.
-> Film auf rebell.tv
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Pipilotti im Glück
Erst drohte Pipilotti Rist damit, den St. Galler Kunstpreis abzulehnen — dies nachdem ihr das St. Galler Parlament eine Subvention von 300′000 Franken für den Film “Pepperminta” verweigert hatte. Am Wochende nahm sie den Preis mit einem Check von 30′000 Franken dann trotzdem entgegen.
Heute wurde zudem bekannt, dass sie vom Bundesamt für Kultur für den Film nebst den bereits gesprochenen 500′000 Franken noch eine Nachfinanzierung von 200′000 Franken erhält.
Und aus St. Gallen kommt die Meldung, dass sich der Kanton das mit den 300′000 Franken nochmals überlegen wird. Waren die 200′000 Franken als Ersatz für das St. Galler Geld gedacht? Was wenn St. Gallen nun doch bezahlt? So oder so, für Pipilotti waren die vergangenen Tage glückliche Tage.
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Pipilotti dreht einen Spielfilm
Bücher gratis ins Netz stellen lohnt sich
Der Science-Fiction-Autor und Blogger Cory Doctorow hat seinen Roman “Backup” zum gratis Herunterladen ins Internet gestellt, zugleich kann man die gedruckte Fassung im Buchhandel kaufen. Ein Buch mit einer Creative-Commons-Lizenz gratis ins Internet zu stellen, lohne sich, sagt Doctorow in der taz:
“Alle Indikatoren deuten darauf, dass man mehr Bücher mit einer Creative-Commons-Lizenz verkauft als ohne. Mein Debütroman wurde über 750.000-mal von meiner Website heruntergeladen. Es gibt etliche Übersetzungen und Visualisierungen von Fans. Derweil ist die englischsprachige Printausgabe in der siebten Auflage angekommen. Ich kann mich vor Aufträgen kaum retten, und die ganze Kampagne hat mich 0 Cent gekostet.”
Sollen also alle Autoren ihre Bücher gratis ins Netz stellen? In Einzelfällen ist dies sicherlich ein guter Marketingtrick (dank dem man unter Umständen gar einen Gratis-Beitrag auf kulturblog.ch erhält). Selbst Elfriede Jelinek hat dies gemerkt. Tun dies jedoch alle, so verpufft der Werbeeffekt. Immerhin, im Gegensatz zur Musik ist die Gratis-Internet-Strategie in der Literatur ziemlich risikofrei — kaum jemand wird auf den Buchkauf verzichten, nur weil er den Roman auch gratis auf dem Computerbildschirm lesen könnte.
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Bücher wandern ins Netz
Schauspielhaus: Samirs Leid

Das Ungeplante war der Höhepunkt an der Premiere von “Die Glasmenagerie” in der Regie von Samir: Laura (Cathérine Seifert) erzählt Jim (Oliver Maucci) bei Kerzenschein von ihrem Leid, da ruft ein Zuschauer aus den hinteren Reihen “lauter!”. Worauf der wunderbar verschmitzte Masucci an Laura gerichtet sagt, sie solle sich nichts daraus machen, vielen Menschen gehe es schlecht – auch hier im Publikum.
Überhaupt war Masucci herausragend in einer Inszenierung, die voll auf Emotionen setzt. Bei Samir ist Tom, die Hauptfigur, offensichtlich schwul – und es gibt Andeutungen, dass er eine Beziehung zu seinem Arbeitskollegen Jim pflegt. Jim jedoch küsst Laura nach dem berühmten Tanz mit dem zerbrochenen Einhorn so innig, dass es sich dabei nicht bloss um einem Mitleidkuss handeln kann. So viel (verbotene) Liebe und dann geht doch alles schief!
Ein bisschen wirkt dies auch wie ein Abbild von Samirs verzwickten geschäftlichen Situation: kürzlich musste er alle Mitarbeiter seiner vielfach gerühmten Filmproduktionsfirma entlassen.
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Samir macht Theater
Klassik-Subventionen: Freundschaftsdienst an die Banken
Zürich steckt in der Klassik-Falle. Das Kammerorchester braucht viel zusätzliches Geld, ansonsten muss es schliessen, und auch die Tonhalle-Musiker wollen höhere Löhne, was bei über 100 Musikern nicht billig wird. Warum nimmt die Stadt diese Investitionen auf sich, obwohl die Zuschauerzahlen im klassischen Konzertbetrieb kontinuierlich sinken und selbst Persönlichkeiten wie Gérard Mortier, Direktor der Pariser Oper, finden, diese Kunstform gehöre abgeschafft? Die Antwort könnte hier liegen:

Die Banken lieben die Klassik als Werbesujet und als Kulisse für Kundenevents. Klassische Musik tut niemandem weh und die Form einer Geige oder eines Flügels ist zugegebenermassen sehr ästhetisch. Die starken Subventionserhöhungen für die Klassische Musik dürfen durchaus auch als Freundschaftsdienst der Stadt an den Bankenplatz verstanden werden.
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Kulturleitbild: Klassische Musik grösster Profiteur
Kriterien für die Leistung von Kulturinstitutionen
Im neuen Kulturleitblild der Stadt (pdf, 1.2 MB) ist die Rede von einer Leistungsvereinbarung mit Kulturinstitutionen. Doch wie misst man die “Leistung” einer Kulturinstitution? Im Leitbild sind folgende Kriterien aufgeführt:
Quantitative Kriterien:
Für jedes einzelne regelmässig subventionierte Institut werden folgende Kennzahlen erhoben:
- Gesamtausgaben des Betriebs
- Gesamteinnahmen des Betriebs
- Städtische Subvention
- Subvention in Prozent der Gesamteinnahmen
- Anzahl Aufführungen, resp. Veranstaltungen
- Anzahl Besucherinnen und Besucher (Publikumsfrequenz)
- Durchschnittliche Publikumsfrequenz
- Betriebsausgaben pro BesucherIn
- Subvention pro BesucherIn
- Eintritte, Nebeneinnahmen pro Besucher
- Beiträge Dritter pro BesucherIn
(…) Besonders aussagekräftig sind Indikatoren wie der Subventionsgrad, resp. die Eigenwirtschaftlichkeit sowie die Publikumsfrequenz.
Qualitative Kriterien:
Folgende Eigenschaften sind zu prüfen:
Resonanz
Wie wird das Institut (Projekt) in der Szene, beim Publikum, in den Medien wahrgenommen? Welchen Einfluss auf die Kunstszene, die Künstlerschaft, aber auch die Standortqualität u.a. hat das Institut (Projekt)? Hat das Institut (Projekt) lokale, regionale, nationale, internationale Bedeutung? Was bleibt vom Programm in Erinnerung (Nachhaltigkeit)?
Relevanz
Wie wichtig sind die präsentierten Themen? Werden die “Zeichen der Zeit” erkannt? Werden gesellschaftlich und/oder individuell brisante Fragen behandelt?
Innovationsbereitschaft
Wird Unbekanntes, Ungewohntes präsentiert? Werden Risiken eingegangen? Werden Experimente gewagt, neue Sichtweisen erschlossen?
Engagement
Werden Botschaften überzeugend vermittelt? Sind die Anliegen künstlerisch glaubwürdig dargestellt? Ist die Programmierung konsequent? Verfügt das Institut (Projekt) über ein “Charisma”?
Professionalität
Verfügt das Institut (Projekt) über Leistungsausweis und Erfahrung? Zeichnet sich die Leitung durch organisatorische Kompetenz aus (Projektmanagement, Realisierungsfähigkeit). Werden die Ressourcen zweckmässig eingesetzt (Kosten-/ Nutzen-Verhältnis). Wie geschickt ist die Öffentlichkeitsarbeit?
Grundsätzlich ist ein solcher Kriterienkatalog zu begrüssen, in Streitfällen haben so beide Seiten etwas in der Hand. Nur: Die qualitativen Kriterien — und die sind hoffentlich entscheidend — werden immer eine Frage der Interpretation bleiben. Die “Relevanz der Themen”, die “künstlerische Glaubwürdigkeit”, das “Charisma” etc sind nicht messbar — zum Glück, schliesslich wird hier Kunst und nicht Waschmaschinenzubehör produziert. Wie schwierig die selbst auferlegte “Transparenz der Entscheidungen” durchzuziehen sein wird, kann am Beispiel Cabaret Voltaire aufgezeigt werden: Welche der hier aufgeführten qualitativen Kriterien hat das Dada-Haus nicht erfüllt? Je nach Standpunkt kommt man da wohl auf ein ganz anderes Resultat. Da in dem Leitbild die qantitativen Kriterien vor den qualitativen aufgeführt werden, kann man jedoch erahnen, welchen die grössere Priorität eingeräumt wird.
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Kulturleitbild: Klassische Musik grösster Profiteur
Kulturleitbild: Klassische Musik grösster Profiteur

Noch vor wenigen Monaten sagte Stadtpräsident Elmar Ledergerber, er wolle den Anteil der Kultur an den gesamten Aufwendungen der Stadt Zürich auf ein “langjähriges Mittel von 1,5 Prozent” bringen (2006: 1,2 Prozent). Im neuen Leitbild für die Jahre 2008 — 2011 steht als Richtgrösse nur noch 1 bis 1,5 Prozent.
In absoluten Zahlen (Tabelle oben) fällt vor allem der Bereich Klassische Musik auf, der ab 2008 zusätzliche 1,7 Millionen Franken erhalten wird, dies hauptsächlich wegen der anstehenden finanziellen Sanierung des Kammerorchesters. Zu erwarten ist jedoch, dass die Klassische Musik noch viel mehr zusätzliches Geld beanspruchen wird, je nachdem wie stark die Löhne der Tonhalle-Musiker bei der Besoldungsrevision erhöht werden. Der klassische Konzertbetrieb verschlingt den grössten Anteil der Subventionserhöhungen – als zukunftsgerichtet kann man das nicht bezeichnen.
Durchaus positiv ist, dass die Stadt neu mit jedem subventionierten Institut eine Leistungsvereinbarung abschliesst. Mal schauen, ob dies die zurzeit zahlreichen Konflikte zwischen Institutionen und Trägerschaft bzw. Politik etwas zu entschärfen hilft.
-> Leitbild (pdf, 1.2 MB ), Artikel Tages Anzeiger, Artikel NZZ
Tim Krohn: Auslandsstipendien als Strafversetzung
Fast jede Stadt und jeder Kanton verfügt über Atelierplätze im Ausland und vergibt Auslandsstipendien. Den Künstlern einen bezahlten Arbeitsaufenthalt in einer Weltmetropole zu ermöglichen, ist eine sinnvolle Sache – würde man meinen. Nur: einige Künstler sehen das anders. Zum Beispiel der Schriftsteller Tim Krohn. Er empfindet Auslandsstipendien eher als Strafversetzung. Kürzlich sagte er auf DRS 1:
“Ich war immer wieder weg in der letzten Zeit, das bringt der Schriftstellerberuf mit sich. Man muss Stipendien annehmen, bei denen man ein halbes Jahr in London ist, ein halbes Jahr in Rom — ich hab das auch sehr genossen aber es ist auch ein Stück weit eine Notwendigkeit, weil es dann Geld zum Arbeiten gibt. Anders ist es schwierig, Geld zu bekommen.”
Wahlen: Künstlerpech
Wie erwartet bleibt der Nationalrat frei von Künstlern, mit Ausnahme des Walliser SVP-Poeten Oskar Freysinger. Auf den Zürcher Nationalratslisten blieben die Künstler-Kandidaten chancenlos. Zudem wurde Vreni Müller-Hemmi, eine der wenigen Nationalrätinnen, die sich als Kulturpolitikerinnen bezeichnete, überraschend abgewählt – das Bedauern darüber hält sich jedoch in Grenzen. Unter den Zürcher Künstlern schwingt Peter Stamm oben auf, was auch an der Partei liegt. Hier die (provisorischen) Resultate:
Peter Stamm, Schriftsteller: 31′394 Stimmen
Samir, Filmemacher: 5′323 Stimmen
Irène Schweizer, Musikerin: 3850 Stimmen
Stefan Pörtner, Schriftsteller: 2′908 Stimmen
Zum Thema:
Samir und Peter Stamm: politische Zwillinge
Peter Stamm als Nationalratskandidat
Cabaret Voltaire: Ein kleiner Fall Schauspielhaus?
Nach dem Ausstieg von Swatch als Hauptsponsor ist die Zukunft des Cabaret Voltaire ernsthaft gefährdet. Aufgrund der Medienberichterstattung (hier, hier und hier) bleiben einige Fragen offen, die kein gutes Licht auf die Organisation dieses Kulturbetriebs werfen:
- Warum erfährt der Co-Direktor von einem Journalisten, dass der Hauptsponsor aussteigt? Und warum haben die Direktoren nie nachgefragt, schliesslich war klar, dass der Vertrag irgendwann auslaufen wird?
- “Die momentanen Verhandlungen mit möglichen neuen Geldgebern laufen über unseren Trägerverein”, sagt Philipp Meier in der NZZ. Schön für einen Direktor, wenn er sich nicht ums Geld kümmern muss. Nur: so etwas gibt es in keinem modern geführten Kulturbetrieb, die künstlerische Leitung ist bei wichtigen Sponsoringfragen immer in irgendeiner Weise involviert. Welcher Sponsor oder Gönner will schon sein Geld einem Funktionär überreichen?
- Die Aussagen von Jean-Pierre Hoby im Tagi, er habe die künstlerische Leitung Anfang nächster Woche über den Ausstieg von Swatch informieren wollen, lassen darauf schliessen, dass er an den Verhandlungen mit Swatch zumindest beteiligt war. Wie kann es sein, dass jemand für das Auftreiben von externen Geldern mitverantwortlich ist, der in der Öffentlichkeit nicht voll hinter dem künstlerischen Programm steht? Wie muss man sich die Verhandlungen da vorstellen? Vielleicht so: “Ich find zwar auch nicht so toll, was die machen, aber geben Sie ihnen doch trotzdem Geld.”
Alles in allem bleibt der Eindruck, als würden Trägerverein und die künstlerische Leitung aneinander vorbeiarbeiten. Man ist geneigt zu sagen: ein kleiner Fall Schauspielhaus.
Zum Thema:
Geldnot und Geldsegen
Geldnot und Geldsegen
Zwei Kulturmeldungen fallen heute in den grossen Zürcher Bezahlzeitungen auf: Die Swatch-Gruppe steigt als Hauptsponsor beim Cabaret Voltaire aus (NZZ) und die grossen Kulturinstitutionen, allen voran das Opernhaus, können von den umliegenden Kantonen bald mehr Geld erwarten (Tages-Anzeiger). Was hat das miteinander zu tun, ausser dass wiedereinmal die interessantesten Kulturmeldungen ausserhalb der Kulturteile zu finden sind? Vordergründig gar nichts. Pereira wird es erneut schaffen, die Lecks seines angeschlagenen Dampfers mit zusätzlichen Geldscheinen zu stopfen, das kleine Cabaret Voltaire dagegen ist ernsthaft vom Untergang bedroht.
Anstatt einmal mehr Zürichs Kulturpolitik zu beklagen, hier der Versuch, dies positiv zu sehen: Solche Situationen haben in der Vergangenheit oft zu kreativen Höhenflügen geführt (80er-Bewegung, Theater am Neumarkt unter Hesse/Müller etc). Weshalb sollte das heute nicht mehr möglich sein?
Nachtrag 20.10: Interview mit Philipp Meier in der NZZ, Analyse von rebell.tv
Nach dem “Öko-Terror” der “Gartenkultur-Terror”?
Als der VCS gegen den Hardturm rekurrierte (ja, das war das Einkaufszentrum mit dem angehängten Fussballstadion), da sprach Stadtpräsident Elmar Ledergerber von “Öko-Terror”. Jetzt rekurriert der Heimatschutz und die “Schweizerische Gesellschaft für Gartenkultur” gegen den Kunsthaus-Neubau, bzw. gegen den dafür nötigen Abbruch von zwei alten Turnhallen. Ist das jetzt “Heimatschutz-Terror”? Oder “Gartenkultur-Terror”? Der Herr Ledergerber wird sich kaum nochmals dermassen im Vokabular vergreifen. Nicht nur, weil er sich letztes Mal dafür entschuldigen musste, sondern auch, weil er in seiner Amtszeit die Eröffnung eines allfälligen neuen Kunsthauses ohnehin nicht mehr feiern kann – mit oder ohne Rekurse.
Verfolgungsjagd in Zürich, Kreis 4

Diesen Mann, der da im Schaufenster an einem Schreibtisch sitzt, habe ich gestern Abend durch Zürichs Gassen verfolgt, bin ihm nachgerannt, habe jede seiner Bewegungen beobachtet. Doch wie kam es dazu? Ein fremder Herr sprach mich in der Gessneralle an, gab mir einen Umschlag und verschwand wieder. Ein Handy, das mir in die Hand gedrückt wurde, klingelte. Paul Auster war am Apparat, ich solle ihm helfen und einen Mann observieren.
Mit einem Knopf im Ohr wurde ich durch Zürichs Kreis 4 gelotst, in eine verruchte Kneipe. Dort standen schon Gläser und Wein bereit — dann kam der ominöse Mann rein. Black hiess er. Ich beobachtete ihn, er verliess die Kneipe, über die Kopfhörer erhielt ich den Befehl, ihm möglichst unbemerkt hinterherzuschleichen.
Selten habe ich bei einem Theater eine solche Spannung erlebt — und selten habe ich erlebt, wie ein literarischer Text dermassen unmittelbar und wirkungswoll umgesetzt wurde. Wow! “Ghosts::who’s watching you” von mikeska:plus:blendwerk nach Paul Austers “New York Trilogie” ist ein Ereignis, neben dem jedes Guckkastenspiel nur noch erbärmlich wirkt.
Da die Zuschauer alleine unterwegs sind, können sich pro Abend jedoch nur 15 Leute auf die Verfolgungsjagd machen — die Plätze dürften bald knapp werden.
Samir und Peter Stamm: politische Zwillinge

Das Klischee besagt: alle Künstler stehen politisch links. Die smartvote.ch-Profile der beiden bekanntesten in Zürich kandidierenden Künstler, Samir (links) und Peter Stamm, bestätigen dies. Noch mehr: die Profile sind praktisch identisch — nur die Partei ist anders. Gibt es bei Künstlern so etwas wie eine Einheitsmeinung? Oder hat der eine für den andern das lästige Ausfüllen des Profils übernommen?
Zum Thema:
Peter Stamm als Nationalratskandidat