Bühne


Verfolgungsjagd in Zürich, Kreis 4

Foto rb
Diesen Mann, der da im Schaufenster an einem Schreibtisch sitzt, habe ich gestern Abend durch Zürichs Gassen verfolgt, bin ihm nachgerannt, habe jede seiner Bewegungen beobachtet. Doch wie kam es dazu? Ein fremder Herr sprach mich in der Gessneralle an, gab mir einen Umschlag und verschwand wieder. Ein Handy, das mir in die Hand gedrückt wurde, klingelte. Paul Auster war am Apparat, ich solle ihm helfen und einen Mann observieren.
Mit einem Knopf im Ohr wurde ich durch Zürichs Kreis 4 gelotst, in eine verruchte Kneipe. Dort standen schon Gläser und Wein bereit — dann kam der ominöse Mann rein. Black hiess er. Ich beobachtete ihn, er verliess die Kneipe, über die Kopfhörer erhielt ich den Befehl, ihm möglichst unbemerkt hinterherzuschleichen.
Selten habe ich bei einem Theater eine solche Spannung erlebt — und selten habe ich erlebt, wie ein literarischer Text dermassen unmittelbar und wirkungswoll umgesetzt wurde. Wow! “Ghosts::who’s watching you” von mikeska:plus:blendwerk nach Paul Austers “New York Trilogie” ist ein Ereignis, neben dem jedes Guckkastenspiel nur noch erbärmlich wirkt.
Da die Zuschauer alleine unterwegs sind, können sich pro Abend jedoch nur 15 Leute auf die Verfolgungsjagd machen — die Plätze dürften bald knapp werden.

Kommentar (1) zu “Verfolgungsjagd in Zürich, Kreis 4”

  1. unkultur schrieb:

    Bin neidisch… Ich wollte auch Verfolgerin sein, aber die Verfolgten waren schon ausgebucht.