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Ensuite-Kolumne #2: Wechselkultur

Heute erscheint die zweite Zürcher Ausgabe des Kulturmagazins Ensuite, wieder mit einer kulturblog.ch-Kolumne (erste Kolumne hier). Voilà:

Wechselkultur

Künstler verpassen sich gerne einen neuen Namen, der hoffentlich besser klingt als der ursprüngliche: Pipilotti statt Elisabeth, Polo statt Urs, Gotthelf statt Bitzius. Gleiches tun vermehrt auch Kulturinstitutionen. Die Landesbibliothek nennt sich seit einiger Zeit «Nationalbibliothek», das Theater an der Sihl «Theater der Künste», demnächst soll auch das Landesmuseum die Nation anstatt das Land im Namen tragen.
Die Institutionen verfolgen damit alle denselben Zweck: Eine nicht vorhandene Grösse vortäuschen. Zugegeben, ganz so schlimm wie die Wechsel von Nationalliga zu Super Leage und von Toni-Molkerei zu Swiss Dairy Food sind die Beispiele aus dem Kulturbereich nicht. Aber fast.
Bei der Landesbibliothek und dem Landesmuseum das «Land» durch die «Nation» zu ersetzen, ist das Werk der welschen Fraktion im Bundesamt für Kultur. Als wollten Couchepin, Jauslin und ihre Copains die Eidgenossenschaft zu einer Petite Grande Nation umformen. Doch die Namensänderung wird Kosmetik bleiben: der föderalen Schweiz eine Nationalkultur verpassen zu wollen, ist ähnlich weltfremd, wie der Versuch, im Vatikan die Demokratie einzuführen.
Und was ist in Hartmut Wickert, dem Leiter des «Theaters der Künste», gefahren? Will er mit dem neuen Namen Assoziationen zum weltberühmten Moskauer Künstlertheater von Konstantin Stanislawski wecken? Hochgestochen tönts auf jeden Fall. Wenn Wickert schon am Namensändern ist, dann könnte er sich gleich noch das El Local vornehmen, das im selben Gebäude untergrbracht ist. Wie wärs mit «Bar der Getränke»? Oder «Restaurant der Lebensmittel»?
Wer weiss, vielleicht ziehen demnächst die grossen Zürcher Institutionen nach. Naheliegend wäre, das bescheidene «Haus» in den Namen durch «Leuchtturm» zu ersetzen: «Opernleuchtturm», «Kunstleuchtturm», «Schauspielleuchtturm». Na ja, tönt ein bisschen dämlich. Aber das tut «Theater der Künste» auch. Viel eher wahrscheinlich ist, dass das Opernhaus irgendwann einmal Nationaloper heissen wird – sollte die Oper wie gefordert zukünftig auch vom Bund Subventionen kriegen.
Jedenfalls, der Kulturblog will bei dem Trend nicht hintenanstehen und überlegt sich ebenfalls, seinen Namen zu wechseln. Favorit ist zurzeit: «Nationaler Weblog der Künste». Das Bundesamt für Kultur soll, so hört man, bei einem solchen Namen Blog-Subventionen nicht mehr ausliessen.

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Kommentare (2) zu “Ensuite-Kolumne #2: Wechselkultur”

  1. philipp meier schrieb:

    hahaha…, gut gebrüllt, metropolitaner kultur-ober-löwe.

  2. cb schrieb:

    Ein Volltreffer – Bravo !