Bühne


Wie Emil seinen Mythos zerstört

Er war genial, der Emil, genial war auch sein Rückzug nach New York, er verschwand von einem Tag auf den andern, fast so radikal wie einige Jahre später SP-Präsidentin Ursula Koch. Im Gegensatz zu Koch tauchte Emil schon bald wieder auf. Er schrieb ein Buch und ging auf Lesereise — doch was als “Lesung” von Emil Steinberger angekündigt war, war in Wirklichkeit eine Rückkehr von Emil dem Kabarettisten. Da wurde klar: die Bühnenfigur Emil und die Person Emil Steinberger sind dasselbe, untrennbar. An einem einzigen Sonntag füllte er mit seiner “Lesung” drei Mal das Schauspielhaus, auch ich war auch da — und war peinlich berührt. Da war ein Mann, der etwas verkrampft versucht, an alte Zeiten anzuknüpfen, der drauf und dran ist, den eigenen Mythos zu zerstören.
Diese Rückkehr war ihm nicht genug, im SonntagsBlick kündete er erneut gross ein “Comeback” an, sogar einen Popsong will er veröffentlichen. Auf allen Kanälen wird er wieder zu sehen und zu hören sein und nicht merken, dass die Leute nicht mehr über Emil lachen, sondern sich über Emil Steinberger lustig machen. Er kann einem Leid tun, eigentlich sollte man ihn zurückhalten, ihn und uns vor diesem Comeback bewahren. Nur: wer soll das tun?

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