Film
27. November 2007
Filmpolitik: Wie man Kritiker ruhig stellt
Heute gab das Bundesamt für Kultur bzw. SwissFilms die Nominationen für den Schweizer Filmpreis bekannt. Was auffällt: In der Jury sitzt auch Florian Keller, Filmjournalist beim Tages-Anzeiger. Auch in der Kommission beim BAK, die die Fördergelder für Spielfilme bestimmt, sitzt mit Christian Jungen ein Journalist. Jungen, zurzeit bei der Mittellandzeitung, gehört zu den besten Kennern der Schweizer Filmszene und -politik — und ist ein hervorragender Analyst. Indem das BAK Journalisten wie Jungen oder Keller ins Boot holt, stellt es auch Kritiker ruhig. Von Seiten des BAK sicherlich ein geschicktes Vorgehen. Von Seiten der Journalisten weniger. Dass sie solche Anfragen nicht ablehnen, ist zwar durchaus nachvollziehbar, sie geraten dadurch aber früher oder später in einen Loyalitätskonflikt und setzen ihre Unabhängigkeit aufs Spiel.
sven schrieb:
oder anders getitelt, wie man leute in kommission beruft, die etwas davon verstehen (und selber keine filme machen und nicht befangen sind). einein journalisten hast du übrigens noch vergessen: thorsten stecher, filmkritker beim schweizer fernsehen, der sass in der nominationskommission. und wenn wir schon dabei sind: catherine ann berger ist kritikerin bei kino aktuell, ebenfalls schweizer fernsehen, sie war auch in der nominationskommission (und trotzdem hat es chrigu nicht geschafft, nominiert zu werden, der film bekam von ihr in der sendung eine glatte 6…). alles leute, die sehr viel von kino und film verstehen. aber ich gebe dir vollkommen recht, diese journalisten haben an ihrer unabhängigkeit gerüttelt, in einem fall ziemlich heftig (kommission), im anderen etwas weniger (jury). aber seien wir mal ehrlich, wer ist eigentlich noch wirklich unabhängig in der schweiz?
Geschrieben am 27. November 2007 um 17:43Uhr | Permalink
CH-Filmpreis 2008: Ab in die Tennishalle | Sennhausers Filmblog schrieb:
[...] Kaum drehe ich unserer Filmszene für ein paar Tage den Rücken zu, geht das wieder los mit dem Schrei nach Glamour… Da sitze ich in San Francisco und darf online lesen, dass die Sektion Film im BAK für den Filmpreis 2008 nicht nur die Nominationen bekanntgegeben hat, sondern auch gleich noch ein paar Änderungen im Prozedere. So findet die Verleihung am 23. Januar in einer Tennishalle in Solothurn statt (Erfolg und Glamour mit dem Federer-Effekt?) und die Genfer Künstlerin Sylvie Fleury hat mit dem "Quartz" eine neue Trophäe geschaffen. Immerhin sind die Nominationen nachvollziehbar. Und die Tennishalle letztlich auch, wird doch diese Ausgabe zwangsläufig zur Hauptprobe für die schon lange angestrebte Live-Übertragung des Filmpreises bei Frau Deltenre. Zudem hat sich Filmchef Nicolas Bideau auch gleich wieder das Wohlwollen des Tages-Anzeigers organisiert, wie kulturblog.ch mit spitzen Fingern anmerkt. [...]
Geschrieben am 27. Januar 2009 um 19:59Uhr | Permalink