Bühne


Schauspielhaus: Zwei Stunden auf die Pointe warten

Zugegeben: die Pointe ist eine grosse Überraschung. Wer die Karten für “Tartuffe” schon gekauft hat, soll also lieber nicht weiterlesen, denn hier wird sie nun verraten: Tartuffe wird am Schluss als schwarzes Schaf dargestellt, das von den weissen herausgejagt wird. Und hätte Regisseur Matthias Hartmann von der Abwahl Christoph Blochers gewusst, er hätte bestimmt sechs weisse Schafe gebracht und nicht nur drei.
Ein ziemlich abgedroschenes Motiv – heute erhielt ich das, was am Schluss auf der Bühne zu sehen ist bereits per E-Mail (das Schaf auf der Bühne trägt jedoch keine Blocher-Maske):
blocher.jpg
Auch von der Logik her ging die Pointe nicht wirklich auf (im Stück heisst es, das Volk habe diesen Lügner überführt), dennoch jubelte das Publikum.
Toll war der ästhetische Bruch: nachdem sich das gesamte Stück in einem silberfarbenen Raum abspielte, öffnete sich die hintere Wand und eine kitschige Alpenlandschaft kam zum Vorschein. Doch war es nötig, das Publikum über zwei Stunden eine ziemlich monotone Inszenierung absitzen zu lassen, nur wegen dieser einen Pointe? Mein Verdikt lautet: Nein.

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