Kunst/Museen


Cabaret Voltaire in Not

“50 zu 50″ stehen die Chancen, dass bis Ende Januar die fehlenden 170′000 Sponsoring-Franken für das Cabaret Voltaire aufgetrieben werden können, sagt der städtische Kulturchef, Jean-Pierre Hoby, im Tages-Anzeiger. “Hoby will alles daran setzen, das drohende Finanzloch bis Ende Jahr zu stopfen”, heisst es in dem Artikel. Es tönt, als wäre das Cabaret Voltaire eine Amtsstelle der Stadt und nicht von einem eigenständigen Trägerverein geführt. 
Obwohl Hoby auch im Trägerverein sitzt, ist es ein grosser Fehler, wenn sich ausgerechnet der Vertreter der Politik um die privaten Sponsoren zu kümmern hat. Dafür sitzen im Trägerverein andere Leute, zum Beispiel der mit Roche verbandelte Guido Magnaguagno. Letztendlich müsste die Überzeugungsarbeit aber ohnehin die künstlerische Leitung vollbringen und nicht ein Kulturbeamte.
Wenn wir schon bei der künstlerischen Leitung sind, da würde sich eine elegante Lösung anbieten: Bis vor kurzem stand in der E-Mail Signatur von Co-Direktor Philipp Meier “curated by cabaret voltaire: www.saintgermain.ch“. Dieser Club gehört bekanntlich Carl Hirschmann, ein Spross aus dem milliardenschweren Hirschmann-Clan. Da müssten doch 170′000 irgendwie aufzutreiben sein.
Was im Tagi-Bericht irritiert: Hoby wolle noch einmal bei Swatch-Chef Nicolas Hayek anklopfen, ob er wieder zahlt. Dabei ist bekannt, dass nicht Hayek Senior als treibende Kraft hinter dem Projekt Cabaret Voltaire stand, sondern Sohn Nick. Mit welchem Engagement Nick Hayek hinter der Arbeit des Cabaret Voltaire steht, ist auf diesem Film (QuickTime) vom Gugusdada-Projekt gut ersichtlich.
Am Schluss des Artikels sagt Hoby: “Eine Schliessung des Dada-Hauses wäre für Zürich ein grosser Image-Verlust.” Damit hat er zwar recht, doch erstens lassen sich mit dem Argument kaum Sponsorengelder einholen, zweitens ist der Image-Verlust auch völlig zweitrangig. Entscheidend ist, was für eine bedeutende und wertvolle kulturelle Institution das Cabaret Voltaire heute für diese Stadt ist.

Zum Thema:
Cabaret Voltaire: Ein kleiner Fall Schauspielhaus?

Kommentare (3) zu “Cabaret Voltaire in Not”

  1. gruppe edvard kunzt schrieb:

    Nach dem grossen Erfolg dieser Aktion im November rufen wir nochmals zum Handeln auf!
    Damit auch die letzten 170′000
    reinkommen:
    “SWATCH stoppt Unterstützung für das Cabaret Voltaire. Dada-Haus vor ungewisser Zukunft…
    Gruppe Edvard Kunzt ruft auf zur grossen Sammelaktion:
    “SOLIDARITÉ AVEC LE CABARET VOLTAIRE !”

    1. Entwenden Sie im Fachgeschäft Ihrer Wahl eine oder mehrere Swatch-Uhren
    2. Versteigern Sie diese auf http://www.ebay.ch oder http://www.ricardo.ch
    3. Überweisen Sie den Erlös an: CABARET VOLTAIRE / Spiegelgasse 1 / CH-8001 Zürich”

  2. philipp meier schrieb:

    auf die schnelle:
    1. ich finde die deadline ende jahr ziemlich absurd. bis ende august 2008 (möglicher ablauf der unterstützung seitens swatch) würde es grösstwahrscheinlich die künstlerische leitung mehr oder weniger im alleingang schaffen, das geld zusammen zu kriegen. (wir freuen uns jedoch über die schützenhilfe aus dem stadthaus, denn die stadt sollte dieses haus mehr als nur die miete wert sein…; was mich zu punkt 2. führt…:)
    2. wir erwarten in diesen tagen von interbrand zintzmeyer & lux eine sehr aufschlussreiche studie, die den letzten satz von rb belegen wird.

    mal schauen, ob ich (bald) noch mehr dazu zu schreiben habe.

    @gruppe edvard kunzt: danke für euer mitdenken und -helfen. es liegt uns jedoch fern, jemandem zu illegalem handeln aufzurufen (mit ausnahme davon, dass die kunstfreiheit auf dem spiel stehen sollte…;)

  3. ((( rebell.tv ))) blog - cabaretvoltaire.ch lebt. nicht nur in den medien schrieb:

    [...] so ganz verstehe ich aber den wirbel nicht. eben auf radio drs zu hören: jean-pierre hoby. das tönt doch schon ganz anders als noch vor wenigen monaten. jetzt wird sogar die arbeit der kuratorenden geschützt. um nicht zu sagen gelobt. der switch von swatch ist auch ein schatz. und wird wohl noch gehoben werden können. alles wird gut. es gibt noch sooooviele alt 68er mit akuter sinnnot in ihrem behaglich gewordenen rebellenleben. irgendein sohn wird die überweisung doch wohl noch verkraften können. [...]