Literatur


Buchmessen: Romandie gewinnt

Als die Basler vor einigen Jahren unter der Ägide von Matthyas Jenny mit der Messe BuchBasel begannen, sahen die Romands bereits ihren Genfer Salon du livre gefährdet. Die neue Buchmesse wurde in der welschen Boulevardpresse als Angriff der Deutschschweiz gegen die Romandie hochstilisiert — obwohl der Genfer Bücherjahrmarkt etwa gleich viel mit Literatur zu tun hat, wie der Club Meditérannée mit Abenteuerferien. Die Organisatoren der beiden Messen lieferten sich über die Medien eine peinliche Schlammschlacht — zum Amüsement des Rests der Schweiz.
Heute teilt die BuchBasel mit, dass wegen “mangelndem Interesse der Aussteller” die Messe nächstes Jahr nicht stattfindet. Die Romandie hat gewonnen. Einmal mehr. Im Kulturbereich ist dies der Normalfall: auch im Bundesamt für Kultur sind fast alle wichtigen Posten von Romands besetzt. Als Minderheit hat man es da offenbar einfacher – um ein Zeichen gegen Ausgrenzung zu setzen, wird bei der Kultur am ehesten überkompensiert.

Kommentare (9) zu “Buchmessen: Romandie gewinnt”

  1. philipp meier schrieb:

    keine wunder also, wird aus dem LAND eine NATION

  2. sya schrieb:

    Sind wir Romands also für die Kultur das, was die Bündner für den Bundesrat sind?

    Ich glaube eher daran, dass das Aus der Buchmesse in Basel andere Probleme gehabt hat, da der Buchhandel nicht mitzieht.

    Im deutschen Sprachraum gibt’s Messen (Frankfurt, Leipzig), die für global (oder im deutschen Sprachraum agierende Konzerne) sehr viel interessanter sein dürften als Basel.

    Übrigens beim BAK kann ich eine so eklatante Übervertretung gerade auch nicht ausmachen.

    Aber aus der Zürri-Perspektive ist wohl alles westlich dvon Grenchen Süd (Granges Sud) schon fast Romandie…

  3. rb schrieb:

    Natürlich ist nicht der Salon du livre und schon gar nicht die Romandie schuld am Aus von BuchBasel. Aber der Salon hat überlebt, BuchBasel nicht. Übrigens ist es auch kein grosser Verlust, wenn die Buchmesse verschwindet. Spannend war eigentlich nur das dazugehörende Literaturfestival, und das wird ja (zum Glück) weitergeführt.

  4. sya schrieb:

    @rb: Merci. Numen zum Wüssen:
    Was versprichst Du dir davon, wenn der Deutschschweizer-Quotient in der Verwaltung steigen würde? Ein weniger etatistisches Förderverständnis?
    ich persönlich finde, es kommt nicht so sehr auf die Herkunft (appelation origine controllée, selbstverständlich) drauf an, sondern wofür die Leute einstehen und was sie im Rucksack haben. Ob’s dann die kalte Saucisse Vaudois ist oder die Cervelat, ist mir herzlich egal.

    Ich hab in meiner Westschweizer Verwandschaft übrigens – durchaus repräsentativ – rund einen guten Drittel zugeheirateter Deutschschweizer, die oft genug so tun, als wären sie seit eh und Westschweizer und den lokalen Dialekt ausgeprägter sprechen als die Einheimischen ;) Auch das ist eine Realität.

  5. philipp meier schrieb:

    ich wäre der letzte, der nach mehr zürcher oder deutschschweizer in politik und kultur schreien würde…, aber (hahaha…, dieses «aber» musste ja kommen…;)
    @sya: …, meines wissens wurde im kulturblog auch schon bemerkt, dass unter dem einfluss von westschweizern die LANDESbibliothek zur NATIONALbibliothek wurde. es gibt sehr wohl kulturelle unterschiede…; die jedoch wohl in etwa so gross sind, wie zwischen den deutschen und den deutschschweizern; das heisst: sie sind nicht zu unterschätzen, aber auch nicht zu überbewerten.
    ha…, da habe ich doch innerhalb meines kommentars einen schönen konsens gefunden…; die kultur als vorbild…. (ups…, jetzt muss ich aufpassen, dass ich nicht ausschweife, sonst streicht rb meinen eintrag…;)))

  6. gruppe edvard kunzt schrieb:

    La crise en Belgique entre Flamands et Wallons réveille de vieilles angoisses. Et si cela arrivait chez nous? Bien sûr, nos deux pays n’ont pas du tout la même histoire. Le fait que la Suisse se soit constituée par des adhésions successives reste un ciment commun très fort. Mais les différences entre Suisses romands et alémaniques réaffleurent sans cesse. On parle beaucoup de la minorité francophone en Suisse allemande, de comment il s’y sentent et y vivent…mais quid de l’intégration des Alémaniques en Suisse romande? Les immigrés alémaniques sont-ils mal reçus – ou mal perçus par les Romands? Comment sont-ils accueillis? Se sentent-ils comme les “étrangers du dedans”?Que vous soyez alémanique ou Romand, nous attendons vos témoignages…

  7. rb schrieb:

    @ sya: Dass Sie mich nicht falsch verstehen: ich wollte keineswegs einen Sprachenstreit herbeischreiben. Da Couchepin ein Westschweizer ist und daher einige seiner Copains im BAK arbeiten, stört das jene Zürcher, die sich nicht gerecht behandelt fühlen (insb. beim Film ist dies der Fall). Diese Zürcher wären aber ebenso verärgert, wenn es sich nicht um Romands, sondern um eine Bündner oder Thurgauer Copinage handeln würde… Darum haben wir hier, trotz Edvard Kunzts Einwänden, auch keine belgischen Verhältnisse.

  8. sya schrieb:

    Das Beispiel Belgien beweist doch vor allem eines: dass Geschichte einen Sinn für Ironie hat: Ausgerechnet jenes Land, das das Hauptquartier der EU beherbergt, droht in die Brüche zu gehen.

    «Copinage» hat übrigens im Wallis eine lange Tradition und man sollte ernsthaft erwägen, diese sogar unter Heimatschutz zu stellen. Die PDC (CVP) wird im Wallis übrigens als «Parti du Copinage» verballhornt.

    A propos Horn: Im Zuge der Hirschhorn-Affäre hat sich ein weiterer Walliser hervorgetan:
    Oskar Freysinger, ANALphabet und Politiker, hat damals lauthals die Copinage in der Vergabe der Kultursubventionen gerügt – was schlussendlich zu einem netten Versuch seitens der SVP kondensiert wurde: Man nehme ein paar halbgare Gedanken, die Freysinger seinen Compagnons von der UDC vor seinem Kamin mit Gitarre vorträgt und ferig ist das kulturpolitische Traktat.

    Ergo: das Wallis nimmt berechtigterweise in gesamteidgenössischen (1.kultur)(2.stellen)politischen Überlegungen einen wichtigen Stellenwert ein und die Ausserschweiz sollte bei einem oder auch zwei Glas Fendant dies endlich anerkennen. Vive la Belgique!

  9. gruppe edvard kunzt schrieb:

    Vive la Belgique! Fuck Zureich!