Film


Filmwirtschaft: Falsche Argumente für mehr Bundesgeld

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Die Filmwirtschaft fordert völlig zurecht mehr Geld vom Bund — und tut dies mit einer professionell gestalteten Kampagne (pdf). “4×5″, das bedeutet, dass in den nächsten 4 Jahren das Filmbudget je um 5 Millionen Franken erhöht werden soll, was fast eine Verdoppelung der Bundesgelder bedeuten würde. So gut die Kampagne optisch gemacht ist, so fehlerhaft ist sie in der Argumentation. Hier nur eine Auswahl an Unstimmigkeiten:

  • Es wird behauptet, ein Schweizer Film koste im Schnitt drei Millionen Franken, ein US-Film 80 Millionen. Bei den 80 Millionen handelt es sich aber nur um die grossen Hollywood-Produktionen, rechnet man all die Independent-Filme mit, die eher mit CH-Filmen vergleichbar sind, so sind auch die US-Filme im Schnitt einiges billiger.
  • “Mit jährlich total 40 Mio. Franken würde die gesamte Schweizer Filmproduktion immer noch 30 Mio. Franken weniger an Subventionen erhalten, als z.B. allein das Opernhaus Zürich (70 Mio.)”, heisst es in dem Papier. Gemäss Nicolas Bideau erhält der Film aber schon heute gut 60 Millionen Franken an Subventionen, wenn man Gemeinde- und Kantonssubventionen sowie die staatliche Zürcher Filmstiftung mitrechnet.
  • Der Film sei die “beliebteste Kunst” des Landes. Das mag stimmen, wenn die Hollywood-Produktionen mitgerechnet werden. Die Schweizer Theater haben jedoch zusammengerechnet ein Vielfaches an Besuchern als die Schweizer Filme.

Vielleicht haben die Verantwortlichen gedacht: die Höhe der Forderung ist dermassen unrealistisch, da muss man es auch in der Argumentation nicht allzu genau nehmen…

Kommentare (2) zu “Filmwirtschaft: Falsche Argumente für mehr Bundesgeld”

  1. philipp meier schrieb:

    das erinnert mich an die stadt zürich, die zig millionen in eine erweiterung des kunsthauses stecken möchte.
    liebe kunst-, kultur-, standortmarketing-, schweizvermarktungs- und sonstwie gestaltungsverantwortliche: ORIENTIERT EUCH NICHT AN DEN ANDEREN SONDERN AN DER UNVERGLEICHBARKEIT!!!
    das einzige, was mich filmmässig in der schweiz begeistert sehe ich allwöchentlich auf sfdrs und nennt sich REPORTER. wenn wenigstens diese zig film-millionen in etwas gesteckt würde, dass uns ausmacht, das wir gut können und vor allem: das uns von den anderen unterscheidet. welch schönes bild entstünde, wenn die schweiz scharenweise (dokumentar)filmer in die welt raus schicken würde und alles mögliche und unmögliche «dokumentieren» täte. DAS sollte millionen wert sein…; und nicht etwas, das sein möchte wie die anderen…, es jedoch dann doch nie erreichen wird!!!
    ps: an anderer stelle wurde in einem kommentar hier im kulturblog auch schon auf das gute beispiel von antwerpen hingewiesen (einzigartige profilierung in spezialbereichen der mode und von tanz/theater).

  2. Simon Baumann schrieb:

    Ich bin mit Philipp Meier absolut einverstanden! Aber auch REPORTER entsteht nicht einfach so. Es braucht einfach viel Geld um Rahmenbedingungen zu schaffen in denen möglichst viele Filmschaffende möglichst viele Projekte realisieren können. Der “unvergleichliche” Schweizer Film muss spielerisch und mit viel try&error erst noch gefunden werden. Ganz klar: Das jetzige Bund-Förderkonzept, ein paar wenige Schweizer Spielfilme, die aussehen sollen wie Hollywood-Filme und Geld einspielen sollen wie Hollywood-Filme, zu unterstützen, kann es nicht sein!