Circus Knie: Bloss noch eine Filiale des Casinotheater Winterthur
Das Chaostheater Oropax wird nächstes Jahr für die Komik im Circus Knie zuständig sein. Die beiden Chaos-Brüder sind Aktionäre des Casinotheaters Winterthur, empfohlen wurden sie den Knies wahrscheinlich von Victor Giacobbo.
Seit dem Fehlgriff mit Almi ist klar: die alten Knies sind mit der alljährlichen Programmierung überfordert — auch bei den Artisten hat man das Gefühl, das einzige Kriterium für ein Engagement seien schlüpfrige Anspielungen.
Die Wahl des Komikers hat der Nationalcircus mittlerweile an Giacobbo ausgelagert: Letztes Jahr haben die Knies das Duo Lapsus auf Geheiss von Giacobbo engagiert, ohne es vorher gesehen zu haben. Gut möglich, dass dies auch bei Oropax der Fall war. Wenn’s so weitergeht, ist der Circus Knie bald nur noch eine Filiale des Casinotheaters Winterthur. Dem Programm würde das nicht schaden.
Wo sind die Schweizer TV-Autoren?
Der Streik der Drehbuchautoren bringt die US-Fernsehsender in Schwierigkeiten. Würden in der Schweiz die Autoren streiken, würde es wohl kaum jemand merken. Was für TV-Autoren gibt es überhaupt in der Schweiz? Spontan fallen mir nur Katja Früh und Charles Lewinsky ein. Und von beiden läuft zur Zeit nach meinem Wissen keine Sendung. Auch die Satiresendung Punkt CH beschäftigte Autoren, doch Punkt CH wird bekanntlich auf Ende Jahr eingestellt. Gut möglich, dass dafür Mike Müller und Viktor Giacobbo für ihre Nachfolgesendung einige wenige Autoren engagiert haben.
Die Vertreter der Filmentwickler kammacher monieren immer wieder, das Problem des Schweizer Films seien die schlechten Bücher. Beim Schweizer Fernsehen sind nicht die schlechten Bücher das Problem, sondern dass es kaum mehr selbstgemachte Sendungen gibt, für die Autoren überhaupt benötigen werden.
Ensuite-Kolumne #3: Comeback
Am ersten des Monats erscheint wie immer die Kulturzeitschrift ensuite, auch diesmal wieder mit einer kulturblog.ch-Kolumne:
Comeback
Krokus ist zurück, Emil ebenfalls und auch Peter Sue und Marc standen wieder einmal in Zürich auf der Bühne. Doch da gibt’s noch ein weiteres Comeback – eines, dessen Tragweite bisher stark unterschätzt wurde.
Um wen geht es? Christoph Schlingensief war sein Vorbote, hat das Feld abgesteckt, doch bald wird der andere grosse Christoph nach drei Jahren erstmals wieder in Zürich zu sehen sein. Nein, nicht Blocher, nicht Mörgeli, sondern Marthaler. Seine Produktion «Platz Mangel» hat am Samichlaustag in der Roten Fabrik Premiere.
Wie leise das Comeback vor sich geht, ist schon fast suspekt. Schlingensief zeigt im Migros Museum harmlose Kindheitsvideos und Opernkulissen. Vergessen ist die Zeit, als er wutentbrannt die Stadt verliess, die Vorstellungen im Schauspielhaus mit einem fadenscheinigen Arztzeugnis ausfallen liess – gleichzeitig in Wien aber weiterspielte. Vorbei die Zeit, als Stefanie Carp, Marthalers Frau fürs Grobe, einen ahnungslosen Tele-Züri VJ vor laufender Kamera als Idioten beschimpfte – und allen Ensemble-Mitgliedern verordnete, sie sollen gefälligst aus Zürich wegziehen.
Ja, es ist verdächtig ruhig, und bei allen, die sich einen Skandal erhofft hatten, macht sich bereits Enttäuschung breit. Zu früh. Denn kulturblog.ch liegen Hinweise vor, dass diese sanftmütige Rückkehr von langer Hand geplant war.
Schlingensief und Marthaler haben sich in letzter Zeit immer mehr vom Schauspiel zurückgezogen und sich dem lukrativeren Operngeschäft zugewandt. Und bekanntlich sucht der Kanton eine neue Lösung fürs Opernhaus – Pereiras Zeit läuft aus. Warum sollte da nicht das Duo Marthaler / Schlingensief…?
Jetzt spinnt der Kulturblogger aber völlig, mag manch ein Ensuite-Leser denken. Aber nein. Der Kanton will doch auch einmal vom Feuilleton (und vom Kulturblog) gelobt werden. Er will auch einmal stolz verkünden können, dass das Zürcher Opernhaus zum «Opernhaus des Jahres» gewählt worden ist. Sollte es dann doch schief gehen, kann man die Schuld immer noch der Beratungsfirma zuschieben, die zurzeit für den Kanton eine Opernhaus-Strategie erarbeitet – selbst wenn die Beratungsfirma ihre Zweifel an der Lösung anmelden wird.
Ein weiterer Vorteil hätte das Engagement des Duos Marthaler / Schlingensief: Pereira erhält zurzeit ab einem gewissen Betrag 10 Prozent der Sponsoringeinnahmen als Provision, insgesamt knapp eine Million Franken. Dieses Geld könnte sich der Kanton sparen – da die Sponsoren rasch die Flucht ergreifen würden.
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