Sonstiges


Ensuite-Kolumne #5: Quotenfalle

Die kulturblog.ch-Kolumne für die Februar-Ausgabe des Kulturmagazins Ensuite:

Quotenfalle 

Ein ganzes Kapitel im Privat-TV-Enthüllungsbuch von Roger Schawinski ist einer selbst produzierten TV-Serie gewidmet, die zwar hervorragende Kritiken erhielt, beim Publikum aber durchfiel. Dabei: dass zwischen Kritik und Quote beim TV eine negative Korrelation die Regel ist, ist nicht wirklich eine neue Erkenntnis. Schon eher, dass wenn ein TV-Format auf die Bühne übertragen wird, dasselbe passiert.
Die erste Folge der Theater-Soap “Absolut Züri” erhielt miserable Kritiken. Die Vorstellungen waren dennoch alle ausverkauft, auch für die zweite Folge gab es schon im Vorfeld kaum noch Karten.
Nach der Premiere der zweiten Folge kam es zu einem bemerkenswerten Sinneswandel: Plötzlich waren alle Kritiken gut. Die Truppe hatte sich tatsächlich gesteigert, doch allein damit ist der Meinungsumschwung nicht zu erklären. Folgen die Journalisten so rasch der Mehrheitsmeinung? Vielleicht. Wobei dann Andrea Bocelli, André Rieu und Rolf Knie die Lieblinge des Feuilletons sein müssten.
Schawinski schreibt über den grossen Zuspruch im Vorfeld der gefloppten Serie: «Diese Lobeshymnen hatten auch mich zutiefst verunsichert.» Gute Kritiken sind für ihn also ein Warnsignal. Müssen die «Absolut Züri»-Macher nun beunruhigt sein? Kaum: Die Publikumsmeinung ist längst nicht so labil wie die Kritikermeinung.
Apropos Soaps: Was ist eigentlich mit der besten Zürcher Serie, der Reality-Soap “Alexander und Daniela: Verliebt in der Opernloge” los? Seit Monaten hört man nichts mehr davon. Wurde sie wegen zu schlechten Quoten abgesetzt? Oder ist sie bloss ein Opfer des US-Autorenstreiks? Hauptdarsteller Alexander P. sagte kürzlich im Blick: “Darüber rede ich nicht!” Schade. Und nachdem Elmar L. als Hauptdarsteller im Thriller “Politiker im Theater-Verwaltungsrat – das ist hart, Mann!”  ausgestiegen ist, ist auch dort Sendeschluss. Immerhin: trotz der hohen Quote ist über das Ende jener Serie ist niemand unglücklich.

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Bühne


Hanspeter Müller-Drossaart: Kabarettbühne statt Hollywood

Foto Bernhard Fuchs
Aus ökonomischen Gründen würde er gerne nach Hollywood gehen, sagte der Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart vor einem Jahr. Denn: er brauche für den Lebensunterhalt seiner Familie mindestens 10′000 Franken pro Monat. 
Nach Hollywood hat es Müller-Drossaart noch nicht geschafft, dafür auf die Kabarettbühne. Mit “Obsi-Nitsi“ präsentierte er gestern im Casinotheater Winterthur sein erstes Soloprogramm. Zwar ist er da eher ein Imitator als ein Kabarettist — er imitiert mit seinen Figuren fast alle Schweizer Dialekte – das macht er perfekt, grosse Klasse. Doch man staunt eher, als dass man lacht. Bei den Texten hätte er anstatt alles selber zu schreiben besser jemanden zu Hilfe geholt; so bleiben seine Figuren harm- und belanglos.  
Sicherlich, dieses Spiel macht ihm Freude, das merkt man. Doch auch vom Ökonomischen her könnte sich sein Wechsel ins Kabarett auszahlen. Kabarettisten und Komiker können sehr gut verdienen — wenn sie einen gewissen Bekanntheitsgrad haben und sich dann für Firmenanlässe buchen lassen.

Zum Thema:
Müller-Drossaart braucht 10′000 Fr. pro Monat

Film, Sonstiges


Micha Lewinskys Albtraum

Zurzeit bloggt der Drehbuchautor und Gewinner des Schweizer Filmpreises, Micha Lewinsky, bei den Kollegen des Kulturplatz. Darin lässt er die Welt wissen, dass das Aufstehen am Morgen für ihn eine grössere Anstrengung sei, als ein Drehbuch zu schreiben. Interessanter als das ist jedoch seine Schilderung eines Albtraums, den in ähnlicher Form wohl jeder schon hatte, der mit Fördergremien zu tun hatte — wahrscheinlich sogar im Wachzustand:

“Ich träumte nämlich, ich sei Filmförderer. Ich musste etwa 100 Drehbücher lesen, hatte aber keines richtig verstanden. Einige hatte ich noch nicht einmal aufgeschlagen. Und dann hab ich bei der Kommissionssitzung einfach so getan, als wüsste ich Bescheid. Ich habe abwechslungsweise ‘Ja’ und ‘Nein’ gesagt, damit nicht auffällt, dass ich die Drehbücher nicht gelesen habe. Und niemand hat es gemerkt. Ein unangenehmer Traum. (Natürlich läuft es bei der richtigen Filmförderung ganz anders! Hoffe ich.)”

Kunst/Museen


Cabaret Voltaire: Geldziel erreicht

Das Cabaret Voltaire hat die geforderten 250′000 Franken beisammen, wie im Tages-Anzeiger zu lesen ist. Dies war ursprünglich die Bedingung dafür, dass die Stadt die Mietkosten für das Haus an der Spiegelgasse weiterhin übernimmt. Der Debatte morgen im Gemeinderat kann das Cabaret Voltaire somit gelassen entgegenschauen – obwohl der Gemeinderat wahrscheinlich auch für das Haus gestimmt hätte, wenn die letzten 70′000 Franken noch gefehlt hätten. Was lehrt uns der Fall Cabaret Voltaire?

  • Manchmal ist etwas Druck durchaus nützlich.
  • Nicht nur in Basel, auch in Zürich gibt es Mäzene.
  • So wie Co-Direktor Adrian Notz auf rebell.tv sagte, haben sich viele ein bis zwei Mäzene [siehe Kommentar] von sich aus gemeldet, nachdem sie in der Zeitung über die Probleme gelesen hatten. Man kann nur erahnen, wie viel Geld das Cabaret Voltaire zusammengebracht hätte, wenn es bei der Suche professioneller vorgegangen wäre. Denn eigentlich gilt die Regel: wohlhabende Leute sind durchaus bereit, ein Projekt zu unterstützen – aber nur, wenn man sie persönlich darum bittet.

Apropos: Einer der Mäzene, Andy Rihs, hat eben die Mehrheit des Berner Fussballstadions Stade de Suisse übernommen. Wer weiss, vielleicht werden bald Synergien genutzt und es gibt Dada im Fussballstadion. 

Nachtrag 31.01: Der Gemeinderat hat dem Kredit für das Cabaret Voltaire klar zugestimmt, die SVP hat jedoch ein Referendum angekündigt. Zur Debatte der NZZ-Artikel, Live-Übertragung per Handy-Filmchen auf rebell.tv.

Zum Thema:
Rettet der Regierungsrat das Cabaret Voltaire?
Welche Kultur braucht die Marke Zürich?
Cabaret Voltaire darf auf Volksabstimmung hoffen
Cabaret Voltaire in Not

Sonstiges


Giacobbo/Müller: In den Laptop geguckt

Screenshot SF
Im Prä-Teleprompter-Zeitalter schauten die Moderatoren auf ihre Handzettel, anstatt in die Kamera. Viktor Giacobbo und Mike Müller sind in ihrer neuen Sendung im Post-Teleprompter-Zeitalter angekommen — und schauen dauernd auf ihre Laptops. Selbst pseudo-spontane Sätze wie “Mike, kannst du mir bitte einen Kaffee holen”, muss Giacobbo vom Bildschirm ablesen. Na ja, war auch die erste Sendung, da waren die beiden wohl noch etwas nervös.
Besser, weil spontaner, wurde es erst, als die Gäste kamen. Nur: Andreas Thiel musste sich einmal mehr damit brüsten, dass er als einer der wenigen Künstlern kein Geld vom Staat nehme. Kann dem nicht endlich mal jemand sagen, dass die meisten Bühnen subventioniert sind, von denen er eine Gage bezieht? (Und auch, dass die Gage für den TV-Auftritt von Zwangs-Gebühren stammt?).
Eine Entdeckung war der Christoph Mörgeli-Parodist, keine Ahnung wer das war, er wird wohl öfters wieder in der Sendung auftauchen. 
Giacobbo und Müller waren nicht in Höchstform heute, und doch werde ich wohl den Fernseher nächsten Sonntag wieder einschalten. Denn es gibt Pointen, die will man sich nicht entgehen lassen. Mein Favorit der ersten Sendung (frei nacherzählt): ”Was niemand weiss: die weltweite Börsenkrise ist durch das Zürcher Sozialamt ausgelöst worden. Nachdem Monika Stocker schärfere Kontrollen angekündigt hatte, haben die Sozialhilfebezüger mit Panikverkäufen reagiert.”

Politik


BAK will mehr erfolgsabhängige Kulturförderung

Die erfolgsabhängige Filmförderung habe sich bewährt und werde möglicherweise auf weitere Kultursparten, etwa die Literatur, ausgeweitet. Das sagte der Direktor des Bundesamts für Kultur (BAK), Jean-Frédéric Jauslin am Freitag an den Solothurner Filmtagen. Der Aufschrei aus Künstlerkreisen wird nicht lange auf sich warten lassen – obwohl eine partielle erfolgsabhängige Förderung in vielen Bereichen durchaus sinnvoll wäre.
Beim Film funktioniert die erfolgsabhängige Förderung folgendermassen: es wird umso mehr Geld ausbezahlt, je mehr Kinoeintritte ein Film verbuchen kann. Das Geld ist für Nachfolgeprojekte des Produktionsteams vorgesehen und wird dem Produzenten bzw. Regisseur erst ausbezahlt, wenn ein solches vorliegt. Die erfolgsabhängige Förderung ersetzt die bisherige Projektförderung nicht, sondern ergänzt sie bloss.
Dass Jauslin gerade die Literatur als möglicher Bereich für eine solche Förderung nennt, erstaunt jedoch. Das würde vor allem heissen, dass bereits sehr gut verdienende Bestsellerautoren wie Martin Suter oder Charles Lewinsky noch mehr Geld erhalten würden.
In der Musik oder dem Theater könnte eine erfolgsabhängige Förderung jedoch durchaus Positives bewirken – sofern unter Erfolg nicht einfach die Anzahl Zuschauer, sondern v.a. die Einladungen für Gastspiele an ausgewählten Häusern oder Festivals verstanden wird. Denn: Die heutige Förderpraxis setzt oft die falschen Anreize. In der freien Szene wird in der Regel die Höhe der Förderung für jedes Projekt im Vorfeld festgelegt, d. h., wer Geld verdienen möchte, muss in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Projekte machen. Da wird Quantität gefördert anstatt Qualität. Eine erfolgsabhängige Förderung könnte dies ändern — mit dem Nachteil, dass das Risiko für die Künstler erhöht wird.

Bühne


Zürcher Ladies: Kauft den Schiffbau!

Vor 6 Jahren eröffnete in Basel das neue Schauspielhaus, ermöglicht hatte den Bau eine Gruppe reicher Frauen um Gisela Kutter, genannt “Ladies First”. 17,5 Millionen Franken spendeten die Ladies für das Theater.
Reiche Frauen gibt es auch in Zürich. Und bekanntlich sind es meistens die Frauen, die den Anstoss für einen Theaterbesuch bzw. den Kauf eines Abonnements geben. Also, Zürcher Ladies, organisiert euch, gründet eine Stiftung, kauft den Schiffbau und stellt ihn dann dem Schauspielhaus zur Verfügung! Nur so ist die Zukunft des Schiffbaus längerfristig gesichert. 
Ab nächster Spielzeit wird das Schauspielhaus keine stille Reserven mehr für die Finanzierung des Schiffbaus auflösen können. Das heisst: es stehen 1,2 Millionen Franken weniger für Theater zur Verfügung. Die Bespielung des Schiffbaus wird immer schwieriger. Und ein Kauf des Gebäudes allein durch die Stadt ist politisch kaum durchzusetzen. 
In der Bilanz des Schauspielhauses ist der Schiffbau mit 50 Millionen Franken bewertet. Ganz so viel Geld müssten die Frauen jedoch nicht in die Hand nehmen. Das Beispiel Basel zeigt: wenn eine private Stiftung den Anfang macht, zieht auch die Stadt mit.

Zum Thema:
Sehnsucht nach dem Schiffbau
Aus für Schiffbau Halle
Mehr privates Geld in Luzern als in Zürich?

Film, Politik


Jauslins Peinlichkeit

Kürzlich stellte kulturblog.ch fest, dass der Chef des Bundesamts für Kultur, Jean-Frédéric Jauslin, seit einem halben Jahr keine Rede mehr im Internet veröffentlicht hat. Mittlerweile wurde die Rubrik “Reden” aus der BAK-Site sogar entfernt. Liest man die Kommentare zur Verleihung des Schweizer Filmpreises, versteht man warum. Michael Sennhauser schreibt in seinem Filmblog:

“So richtig toll war die Verleihung der Schweizer Filmpreise auch in diesem Jahr nicht. Susanne Kunz führte energisch durch die 76 Minuten unaufhaltsamer Preistreiberei, man verzichtete auf Rahmenprogramm und Unterhaltungseinlagen (wenn wir mal von der ziemlich absurden Wortakrobatik von Bundesamt-für-Kultur-Chef Jauslin absieht, die auf …’Wahnsinn’ endete und auch so wirkte).”

Das St. Galler Tagblatt hat dies ähnlich erlebt:

“Anders als letztes Jahr geht die von Susanne Kunz ohne Firlefanz moderierte Show ohne Peinlichkeiten über die Bühne, sieht man von Jean-Frédéric Jauslin, Direktor des Bundesamtes für Kultur ab, der wortreich den neuen, von Sylvie Fleury entworfenen Quarz enthüllt.”

Die Reden nicht zu veröffentlichen ist der erste Schritt, der nächste wäre, gar nicht mehr zu reden…

Zum Thema:
Warum redet Jauslin nicht mehr?

Politik


Sind Kulturinstitutionen Renditeobjekte?

Die Studie über die Bedeutung, bzw. die Ausstrahlung des Cabaret Voltaire und anderer Zürcher Kulturinstitutionen wurde hier ausführlich diskutiert. In Wien legen nun die Bundestheater eine ganz andere Studie vor, die aber das selbe bezwecken soll: Die Zuschüsse vom Staat zu legitimieren.
Laut der Studie brächten die “Investitionen” in die Theater “eine sehr gute Rendite”, d.h. es fliesse mehr Geld zurück, als hineingesteckt wird. Die Studie sorgt dafür, dass sich die Theater gegenseitig ausspielen, wie der Zeitung “Der Standard” zu entnehmen ist:

“[Staatsopern]-Direktor Ioan Holender wies bei der Präsentation aber gleich auf eine Ungerechtigkeit hin: Die Staatsoper sorgt mit einer Basisabgeltung von 55,8 Millionen Euro für eine Wertschöpfung von 253,8 Millionen, das Burgtheater, mit 45 Millionen subventioniert, löste aber nur eine solche in der Höhe von 110,4 Millionen aus.”

Was sagt diese Studie aus? Auch das an Publikumsschwund leidende Zürcher Tonhalle-Orchester wollte vor einigen Jahren mit einer solchen Studie bewiesen haben, dass sich ihre Subventionen für die Stadt lohnen. Selbst Sozialvorsteherin Monika Stocker hat mit derselben Methode aufgezeigt, dass ein Grossteil der ausbezahlten Sozialhilfe wieder zurückfliesst — weshalb sie den Aufruhr um die hohe Missbrauchszahl wohl noch immer nicht verstehen kann. Nach dieser “Umwegrentabilitäts”-Rechnung wäre es auch rentabel, wenn der Staat mir eine Millione Franken schenken würde, schliesslich gebe ich das Geld in Zürich wieder aus.
Doch selbst wenn diese Rechnung stimmen würde: Dass sich Kulturinstitutionen als Renditeobjekte legitimieren, ist schlicht blödsinnig. Wenn man in ein Renditeobjekt investieren will, gibt es bessere Möglichkeiten (UBS ausgenommen…). Da ist mir bei allen Vorbehalten die Interbrand Zintzmeyer & Lux Studie über das Cabaret Voltaire noch lieber, die nicht eine monetären Wirkung aufzeigen will, sondern eine Wirkung nach künstlerischen Kriterien. 

Bühne


Kabarettbühnen: Vergeht den Zürchern das Lachen?

Alles spricht vom Schauspielhaus und dem Schiffbau, hier nun einmal ein Blick auf die Zürcher Kabarettbühnen. Gemäss Jahrbuch der Stadt Zürich haben die drei Bühnen Hechtplatz, Miller’s Studio und das Theater m Hochhaus im letzten Jahr Zuschauer verloren:

Theater am Hechtplatz
2005/06: 50′666 Zuschauer
2006/07: 47′823 Zuschauer

Miller’s Studio
2005/06: 22′364 Zuschauer
2006/07: 20′188 Zuschauer

Im Hochhaus
2005/06: 1′511 Zuschauer
2006/07: 1′100 Zuschauer

Der Rückgang ist (noch) nicht besorgniserregend, dass aber gleich alle drei Bühnen weniger Zuschauer haben, ist doch bemerkenswert. Warum ist das so? Beim Hechtplatz ist der Rückgang zu einem grossen Teil mit der geringeren Anzahl Vorstellungen erklärbar, die andern beiden Bühnen hatten jedoch die Anzahl Vorstellungen sogar erhöht.
Ein Grund für die sinkenden Zahlen könnte beim Schauspielhaus liegen. Im Pfauen sind seit der Direktion Hartmann viele kammerspielartige Komödien zu sehen, die durchaus das selbe Publikum ansprechen wie ein Komiker oder Kabarettist. 
Andererseits sind aber auch die Spielpläne der Bühnen austauschbarer geworden. Früher war klar: im Hechtplatz sind die grossen Schweizer zu sehen, im Miller’s Studio Kabarettisten aus dem deutschsprachigen Ausland und im Hochhaus die Entdeckungen. Heute spielt ein Simon Enzler dasselbe Programm erst im Miller’s Studio, dann im Hechtplatz, Ursus & Nadeschkin wandern vom Miller’s Studio in den Pfauen und Pedro Lenz spielt sowohl im Hechtplatz wie auch im Hochhaus. Hat es einfach zu viele Theater (das Maiers ist auch noch dazugekommen) und zu wenige publikumsträchtige Künstler, um einen einzigartigen und unverwechselbaren Spielplan zu gestalten? Wenn die Künstler den Theatern nicht treu sind, dann sind es die Zuschauer vielleicht auch nicht mehr.

Bühne


Lustspiel im Schiffbau

Gestern war im Schiffbau Premiere von “Die Ratte“, einem simplen Lustspiel, vergleichbar einer TV-Sitcom. Dass ein Schwank in die für Experimente vorgesehenen Halle 2 in den Schiffbau gelangt, hat mit Erfolgsautor Roland Schimmelpfennig zu tun. Er führt Regie und verhilft so seiner Lebenspartnerin, der Autoren Justine del Corte, zu einer Uraufführung in Zürich. Doch selbst wenn ein berühmter Name involviert ist: Ein Lustspiel im Schiffbau ist wie Yoga im Kunsthaus (kein Witz, das gabs schon mal). Nur: Beim Yoga im Kunsthaus sind wahrscheinlich keine Tiere involviert. Beim Lustspiel im Schiffbau schon. Eine herankriechende Ratte ist die Schlusspointe. Theaterfotograf Leonard Zubler hat sie dankenswerterweise fotografiert. Hier ist sie, die Ratte aus “Die Ratte”:
Foto Leonard Zubler

Kunst/Museen, Politik


Rettet der Regierungsrat das Cabaret Voltaire?

Der Regierungsrat will neu jährlich fünf Millionen Franken aus dem Lotteriefonds für Zuschüsse an Kulturinstitutionen frei machen. In einer Mitteilung des Kantons heisst es:

“Die neue Regelung sieht vor, dass der Lotteriefonds (…) jährlich einen Beitrag von höchstens fünf Millionen Franken an die Fachstelle Kultur leistet für die Zusprechung wiederkehrender Betriebsbeiträge zu Gunsten ausgewählter Kulturinstitutionen.”

Man könnte fast meinen, es handle sich dabei um eine “Lex Cabaret Voltaire” – ginge nur ein Teil dieser 5 Millionen Franken an das Dada-Haus, wäre es alle Existenzsorgen los. Nur: das Ganze kommt etwas spät, der Zürcher Gemeinderat debattiert schon am 30. Januar über die Zukunft des Cabaret Voltaire.

Bühne


Absolut Züri: Quotenhit

Dass es bei TV-Produktionen oft eine negative Korrelation zwischen Feuilleton-Kritik und Quote gibt (je besser die Kritiken, desto tiefer die Quote), daran hat man sich gewöhnt. Kopiert das Theater ein TV-Format, so überträgt sich dies offenbar auf die Bühne. Bei ersten Folge der Theatersoap “Absolut Züri” waren die Kritiken desolat, dennoch sind alle Vorstellungen ausverkauft. Und werden es wohl auch bis zum Schluss bleiben. Denn: Die depressive Helena meint es ernst, sie will ein Kind vom schwulen Rolf. Und Rolf scheint bis jetzt gar nicht so abgeneigt. Wird Helena zu ihrem Kind kommen? Wer will da schon die nächste Folge verpassen?

Zum Thema:
Absolut Züri: Urbanes Volkstheater

Film


Cinémathèque mit Popcorn-Forschung?

Der Professor für Filmwissenschaft und frühere Blick-Filmkritiker Vinzenz Hediger wird Direktor der Cinémathèque Suisse. Im Tages-Anzeiger erklärt er, wie er das Filmarchiv zu einem Zentrum für Kultur und Wissenschaft umformen möchte. Doch was sind seine Forschungsschwerpunkte? In einem andern Zusammenhang wurde kürzlich in der Aargauer Zeitung ein Titel einer Publikation von Prof. Dr. Hediger genannt… ja, hier ist er: “Das Popcorn-Essen als Vervollständigungshandlung der synästhetischen Erfahrung des Kinos.”

Nachtrag 21.01: Vinzenz Hediger verzichtet überraschenderweise auf das Amt, wie in Sennhausers Film-Blog zu lesen ist. Siehe hier

Bühne


Sehnsucht nach dem Schiffbau

Barbara Frey möchte den Schiffbau weiterbetreiben und dort auch selber inszenieren. “Ich habe grosse Sehnsucht danach”, sagt sie in der NZZ. Sehnsucht nach dem Schiffbau — was für wohlklingende Worte. Nur: diese Sehnsucht hatten vor ihr schon Christoph Marthaler und Matthias Hartmann. Marthaler erhielt nach zwei Jahren den Blauen Brief, Hartmann stellt nach drei Jahren die Produktion im Schiffbau ein.
Fast scheint es, als strahle der Schiffbau so etwas aus wie der Gesang der Sirenen in der antiken Mythologie: Er ist unglaublich betörend, führt aber zwangsweise in den Abgrund.

Zum Thema:
Aus für Schiffbau Halle