Politik
27. Januar 2008
BAK will mehr erfolgsabhängige Kulturförderung
Die erfolgsabhängige Filmförderung habe sich bewährt und werde möglicherweise auf weitere Kultursparten, etwa die Literatur, ausgeweitet. Das sagte der Direktor des Bundesamts für Kultur (BAK), Jean-Frédéric Jauslin am Freitag an den Solothurner Filmtagen. Der Aufschrei aus Künstlerkreisen wird nicht lange auf sich warten lassen – obwohl eine partielle erfolgsabhängige Förderung in vielen Bereichen durchaus sinnvoll wäre.
Beim Film funktioniert die erfolgsabhängige Förderung folgendermassen: es wird umso mehr Geld ausbezahlt, je mehr Kinoeintritte ein Film verbuchen kann. Das Geld ist für Nachfolgeprojekte des Produktionsteams vorgesehen und wird dem Produzenten bzw. Regisseur erst ausbezahlt, wenn ein solches vorliegt. Die erfolgsabhängige Förderung ersetzt die bisherige Projektförderung nicht, sondern ergänzt sie bloss.
Dass Jauslin gerade die Literatur als möglicher Bereich für eine solche Förderung nennt, erstaunt jedoch. Das würde vor allem heissen, dass bereits sehr gut verdienende Bestsellerautoren wie Martin Suter oder Charles Lewinsky noch mehr Geld erhalten würden.
In der Musik oder dem Theater könnte eine erfolgsabhängige Förderung jedoch durchaus Positives bewirken – sofern unter Erfolg nicht einfach die Anzahl Zuschauer, sondern v.a. die Einladungen für Gastspiele an ausgewählten Häusern oder Festivals verstanden wird. Denn: Die heutige Förderpraxis setzt oft die falschen Anreize. In der freien Szene wird in der Regel die Höhe der Förderung für jedes Projekt im Vorfeld festgelegt, d. h., wer Geld verdienen möchte, muss in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Projekte machen. Da wird Quantität gefördert anstatt Qualität. Eine erfolgsabhängige Förderung könnte dies ändern — mit dem Nachteil, dass das Risiko für die Künstler erhöht wird.