Kunst/Museen


Junge Kunst: Bauernmalerei und Kirchenorgel

Marc Elsener
Immer wieder liest man von einem angeblichen Trend einer Wiedergeburt der Malerei. Bei einem solchen Artikel könnte man auch Marc Elsener einbeziehen, der bei der “Plattform08” im ewz-Unterwerk Selnau so etwas wie moderne Miniatur-Bauernmalerei zeigt. Beim genauen Hinsehen gibt es einiges zu Entdecken (siehe Ausschitt oben). Ist das banal?
Elsener hat seinen Schwerpunkt während des Studiums u.a. auf Kupferstich gelegt; alte bzw. urtümliche Ausdrucksformen liegen ihm offensichtlich. Dass man sich nach dem Besuch einer Sammelausstellung von jungen Künstlern ausgerechnet an eine profane Malerei erinnert, gibt Elsener recht.
Ein weiteres Werk, für das es sich lohnt, in die Ausstellung zu gehen, ist eine Videoinstallation von Annette Amberg. In einem dunklen Raum projiziert sie, wie ein Orgelspieler auf einer Orgel spielt, die keine Töne von sich gibt, zu hören ist nur das Geklapper von den Tasten und Pedalen. Ein erhabenes Instrument, das einfach nicht die Klänge von sich gibt, das man von ihm erwartet – stark.

Kunst/Museen, Sonstiges


Hildegard Schwaninger und ihr Warhol-Portrait

Screenshot sothebys.com
Eine Notiz zum Namen Hildegard Schwaninger: Die bekannteste Zürcher Klatschjournalistin liess einst von Andy Warhol ein Portrait von sich anfertigen. Warhol malte gleich deren zwei, eines für sich, eines für die Auftraggeberin. Heute wurde bei Sotheby’s in London jenes Portrait versteigert, das Warhol behalten hatte. Der Preis: 168′500 GBP  (355′000 CHF). Da Schwaninger zuvor gesagt hatte, dass sie bis 400′000 Franken mitbieten werde, kann davon ausgegangen werden, dass sie sich selbst nun zweifach an die Wohnzimmerwand hängen kann.

Nachtrag 29. 2.: Hildegard Schwaninger hat das Portrait doch nicht ersteigert, wie persoenlich.com berichtet. Sie habe nur bis 120′000 Pfund mitgeboten.

Bühne


Gessnerallee: Unter-Wasser-Oper

Foto Sava Hlavacek
Die Gruppe kraut_produktionen widmet sich in ihrer neuesten Arbeit “Amphibienmensch” einem Science-Fiction Roman aus den 1920er Jahren. Die Zukunft stellt man sich mit vielen Kabeln und Knöpfen vor und mit Menschen, die im Labor zur Atmung unter Wasser befähigt werden. Auf der Bühne erhält eine Barbiepuppe die Wassertauglichkeit, indem ihr der Unterleib abgesägt und ein Fischschwanz angesetzt wird.
Regisseur Michel Schröder setzt die Geschichte des Sowjet-Autors Alexander Romanowitsch Beljajew mit Mitteln um, wie man sie aus dem Kindertheater kennt. Die Figuren sind alle tollpatschig überzeichnet: einer trägt einen engen Ganzkörperanzug, mehrere Männer mühen sich auf Stöckelschuhe ab, ein anderer hat einen übergrossen Schnauz aufgeklebt. Die Musik wechselt von punkig bis atmosphärisch, eine spannungsvolle Wundertüte.
Herausragend ist der Countertenor Philipp Caspari. Einen Sänger zu hören, der mit der Stimme einer Frau singt, ist immer wieder faszinierend — erst recht wenn einer es so sanft und facettenreich tut wie Caspari.
Das Stück dürfte etwas dichter sein, ansonsten ist diese Entführung in die wunderliche Sowjet-Science-Fiction-Welt von 1927 in der Gessnerallee ein lohnendes Abenteuer.   

Film


“Max”-Flop: Verheerend für die Filmbranche

Noch nicht lange ist es her, da herrschte Euphorie im Film-Land. Der Marktanteil der Schweizer Filme im Kino lag bei 10 Prozent, einige junge Filmer hatten tolle Werke vorgelegt, man dachte plötzlich, in Zukunft könnte die Schweizer Filmbranche auch für private Investoren interessant werden. Viele Projekte wurden angedacht, die Aussichten schienen rosig, Condor begann wieder zu produzieren. Doch nun dies: Mit Tell und Max & Co floppten zwei grosse teure Filme hintereinander — viel Geld geht da verloren. Private Investoren zu finden dürfte nun viel schwieriger werden, falls es überhaupt noch möglich ist. Die zwei Flops könnten für die gesamte Branche verheerende Konsequenzen haben, zumindest was die Grossproduktionen betrifft. 

Zum Thema:
Unberechenbarer Film
20 Prozent Rendite bei Schweizer Filmen?

Sonstiges


Kultur der Superlative

Geht es nach der Selbstbeurteilung, so gibts in Zürich nur allerbeste Kultur:

Opernhaus:
“Das Opernhaus Zürich gilt heute international als eines der erfolgreichsten Theater.” (Quelle)

Rote Fabrik:
“Die Rote Fabrik zählt zu den grössten und vielseitigsten Kulturzentren Europas, mit einer Ausstrahlung, die weit über Zürich hinausreicht.” (Quelle)

Tonhalle:
“Das Tonhalle-Orchester hat sich in den letzten Jahren zu einem der führenden Klangkörper Europas entwickelt.” (Quelle)

Schauspielhaus:
“Seit seiner Gründung 1938 gehört das Schauspielhaus Zürich zu den bedeutendsten Sprechtheatern im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus.” (Quelle)

Zürcher Kammerorchester:
“Das Zürcher Kammerorchester gehört zu den renommiertesten Ensembles seiner Art.” (Quelle)

Wenn sich die Kulturinstitutionen nicht selber zu der Spitzenklasse zuordnen, dann tut es ein Kulturbeamte für sie. Aus dem Kulturleitbild der Stadt:

Moods:
“Der Jazzclub zählt seit ca. 3 Jahren zu den wichtigsten europäischen Musikclubs.”

Miller’s Studio:
“Das Miller’s gehört heute zu den führenden Bühnen für Kabarett und satirisches Theater im deutschsprachigen Raum.”

Übrigens: Sie lesen einen der renommiertesten Kulturblogs im deutschsprachigen Raum.

Bühne


Schauspielhaus: Wer ist der Böse?

Foto Tanja Dorendorf
In einer von Political Correctness geprägten Welt ist es schwierig damit umzugehen, wenn der Jude das Opfer ist – oder der Täter. Beim “Kaufmann von Venedig” ist er beides ein bisschen. Wobei es viel mehr darum geht, wie das Umfeld mit dem Juden Shylok umgeht als umgekehrt.
Regisseur Stefan Pucher bietet keine Angriffsfläche, lässt sich nicht auf eine eindeutige Interpretation oder Moral ein. Er fährt mit einer riesigen und tollen Ausstattungsmaschinerie auf, setzt auf starke Brüche, bewegt sich irgendwo zwischen Spasstheater und bitterem Ernst. Das fasziniert, die Szenen für sich sind zum Teil grossartig, das Puzzle am Schluss zusammenzusetzen gelingt aber kaum; die Teile wollen nicht zusammenpassen. Die Brüche sind zwar schon im Originaltext drin, Pucher verstärkt sie noch. Er lässt Fabian Krüger mit einer Züri-Persiflage glänzen, macht aus der Männerwahl Portias eine heitere Quizshow, der grosse Gerichts-Prozess findet plötzlich in einer Marthaler-ähnlichen Kulisse statt. Weshalb das Ganze? Eine Auflösung gibts nicht – nicht bei Shakespeare und auch nicht bei Pucher.
Das Trio Robert Hunger-Bühler als Shylok, Jean-Pierre Cornu als Antonio und Oliver Masucci Bassanio bilden ein wunderbares Trio. Überhaupt sind die Charakteren hervorragend herausgearbeitet. Das offene Ende und ein wirrer Monolog am Schluss sorgen dafür, dass der Applaus eher bescheiden bleibt. Zu bescheiden für das doch sehenswerte Stück. 

Zum Thema:
Schauspielhaus: Angst vor radikalen Muslimen beeinflusst Inszenierung 

Bühne


Schauspielhaus: Angst vor radikalen Muslimen beeinflusst Inszenierung

Regisseur Stefan Pucher gibt zu, dass mögliche Gewaltandrohungen von radikalen Muslimen seine Inszenierung von Shakespeares “Kaufmann von Venedig” beeinflusst haben. Im Tages-Anzeiger wird er zitiert:

„Wir hatten uns gefragt, ob wir den Sylock durch einen Muslim, einen Fundamentalisten ersetzen sollten. Aber dann wären wir im Internet zur Hatz ausgeschrieben worden! Denken Sie an die Oper ‚Idomeneo’ in Berlin – ein Mohammed Kopf auf der und schon wird sie abgesetzt. Oder kürzlich die Demonstration einer islamischen Minderheit gegen den ‚Tatort’! Das ist doch eine imaginierte Gewaltandrohung! Wo bleibt denn da die Redefreiheit?“

Ja, wo bleibt da die Redefreiheit? Muslimische Extremisten dürften Puchers Sätze wie ein Triumph aufnehmen.

Sonstiges


Prämie für Künstler, die aufgeben?

Der Bund will jedem Bauern, der freiwillig seinen Hof aufgibt, 7000 bis 9000 Franken pro Hektare bezahlen. Dies als Anreiz, sich aus dieser Hochsubventionsbranche zu verabschieden. Eine Frechheit, finden die Bauern. Denkt man diesen Ansatz weiter, so könnte man auch jedem Künstler 100′000 Franken anbieten, der langfristig einen bürgerlichen Beruf annimmt. Auch das könnte für die öffentliche Hand lohnend sein. Doch Künstlern und Bauern ist wohl gemeinsam: ihr Beruf ist mehr als bloss eine Erwerbstätigkteit. Die meisten werden ihn auch gegen viel Geld nicht eintauschen wollen. 

Film


Unberechenbarer Film

Letztes Jahr hätte nach dem Willen des Bundesamts für Kultur der Film “Tell” die Massen anziehen sollen, dieses Jahr “Max”. “Tell” floppte und auch “Max’” Start ist nur mässig gelungen, wie man hört. Der grösste Kino-Erfolg in den letzten Jahren waren die “Herbstzeitlosen”, niemand hatte dies der günstigen TV-Produktion zugetraut.
Das zeigt: Kunst ist nicht berechenbar — und das ist gut so. Die nächste Überraschung folgt bestimmt.

Zum Thema:
Schweizer Film wie Schweizer Fussball

Bühne, Sonstiges


In der Börsenkrise in Kulturaktien investieren

Das Swiss Equity Magazin widmet sich in seiner neuesten Ausgabe der Schauspielhaus Zürich AG. Unter dem Titel “Kultur-Shareholder” heisst es:

“Die Schauspielhaus Zürich AG ist mit ihren zwei komplementären Spielbühnen mehr wert als sie kostet.”

Tönt gut. Aber es kommt noch besser:

“Das Papier [Aktie] bringt keine Dividende, sondern Zugang zu einer Privataufführung im Kreis der Aktionäre — bei Preisen für die besten Parkettplätze von um die 100 CHF eine stolze Rendite. (…) Mit einem Einstieg verleiht man auch einem klug diversifizierten Portfolio noch ein gewisses Etwas und einen zusätzlichen dramatischen Akzent.”

Gut möglich, dass sich die Anleger in Zeiten der Börsenkrise vermehrt auf nicht-monetäre Gewinne wie den Genuss einer Theateraufführung besinnen. Der Kulturbranche kann das nur recht sein.
-> Artikel aus dem Swiss Equity Magazin (pdf, 115 kb)

Bühne


Hat Pereira einen neuen Chefdirigenten?

Im Opernhaus hatte gestern Schumanns Genoveva Premiere, ein Stück auf Deutsch mit deutschen Übertiteln (für Gehörlose?). Regisseur Martin Kusej versucht die dicke Staubschicht auf dem Libretto mit einer klinisch sauberen Bühne zu überdecken, die aber nur solange sauber bleibt, bis das Blut spritzt. 
Das Opernhauspublikum lässt sich nicht mehr so einfach provozieren wie auch schon, selbst Nackt- und Oralsexszenen wurden ohne Raunen aufgenommen. Vielleicht sind jene, die sich aufregen, schon von Beginn weg zu Hause geblieben, im Parkett blieben erstaunlich viele Sitze leer. Allzuviel haben die Abwesenden nicht verpasst, auch ein Kusej-Gemetzel kann dieses Stück nicht retten.
Ein Gesprächsthema in der Pause war Pereiras Suche nach einem neuen Genaralmusikintendanten. Dem Vernehmen nach hat er schon jemanden an der Angel, dabei soll es sich aber nicht um den oft genannten Favoriten Ingo Metzmacher handeln. Um noch etwas mehr Gerüchte zu verbreiten: gemunkelt wird, der Mann könnte Michael Tilson Thomas heissen, bisher Chefdirigent der San Francisco Symphony; er werde in Kürze in Zürich vorstellig. Wichtig dabei: falls Pereira bald einen neuen Generalmusikintendanten präsentieren kann, steigen die Chancen, dass sein 2011 endender Vertrag um eine weitere Amtszeit verlängert wird.

Musik


ZKO: Pleite-Orchester mit grössten Inseraten

Inserat aus Tages-Anzeiger
Das Zürcher Kammerorchester ZKO ist pleite, hätte der Stadtrat die Sanierung in der Höhoe von mehreren hunderttausend Franken nicht genehmigt, wäre das Orchester wohl vor dem Aus gestanden. Dem letzten Direktor, Aviel Cahn, war die eigene Karriere wichtiger als das Orchester, er verliess das ZKO nach etwas mehr als einem Jahr wieder.
Einen Spitzenrang in Zürich nimmt das ZKO in Sachen Werbung ein. Zur Einführung des neuen Dirigenten, Muhai Tang, startete das Orchester im Herbst 2006 eine riesige Kampagne mit ganz- und doppelseitigen Inseraten in der Presse. Zu sehen war der Dirigent, der eine grosse Welle Dirigiert. Eineinhalb Jahre später folgt die nächste Kampagne, diesmal ist eine elegante Achterbahn aus Musiknoten zu sehen, wiederum auf teuren, grossflächigen Inseraten. Kaum eine andere Kulturinstitution kann sich so etwas leisten.
Tamedia-Mitbesitzer Hans Heinrich Coninx ist der Präsident des Vereins Zürcher Kammerorchester. Gut möglich, dass er dem ZKO günstige Werbe-Tarife im Tages-Anzeiger ermöglicht. Dass aber ein Pleite-Orchester, das von der Stadt mit viel Geld aufgepeppelt werden muss, die grössere Werbekampagne als das viel grössere Tonhalle-Orchester fährt, lässt doch aufhorchen.

Zum Thema:
Kammerorchester: Inserat für 15′928 Franken

Bühne


Neumarkt: Wo ist das Tabu?

Der grösste Tabubruch des Abends: die Vorstellung dauert nur 30 Minuten. Ansonsten ist eigentlich alles nett beim ersten Tabu-Abend des Theaters am Neumarkt zum Thema Rasse. Eine schöne Installation in der Chorgasse mit Einzelkabinen für die Zuschauer, eine Tanzperformance, die man durchaus als austauschbar bezeichnen darf und einige Texte zum Thema Rasse ab Tonband, meist historisches Material — von Nazi-Rassentheorien bis zur Viehzucht.
Mir kommen beim Thema Rasse und Tabu die alten Völkerschauen in den Sinn. Noch bis weit ins 20. Jahrhundert konnte man zum Beisiel im Circus Knie “echte Neger aus dem Urwald” bestaunen. Etwa so sahen die Plakate aus (ein Exemplar aus Deutschland):

 voelkerschau_1.jpg

Wer denkt, dies sei heute tabu, der täuscht sich. Völkerschauen erleben wieder (oder immer noch?) einen Boom. Drei Plakate von Völkerschauen, die zurzeit in der Schweiz auf Tournee sind:

voelkerschau.jpg

Übrigens: das Theater am Neumarkt hat einen Tabublog eingerichtet, wo das Thema Tabu und Kunst ausgiebig besprochen wird.

Sonstiges


Wie man ein Fräulein anspricht

Vor einigen Jahren konnte man in der kleinen Spielstätte des Theater am Neumarkt Liebesbriefe aus dem Zürcher Liebesbriefarchiv hören. Der Dramaturg Mats Staub (zurzeit für Absolut Züri tätig) und die Gestalterin Barbara Pulli liessen unzählige alte Liebesbriefe von Schauspielern und Laien vorlesen und nahmen sie auf Kassetten auf. In der liebevoll hergerichteten Installation konnten die Besucher eine Kassette auswählen und in einer Nische per Kassettenrekorder den betörenden Worten lauschen.
Die Installation war später noch in andern Städten zu sehen, für die Wiener Festwochen vertonte Mats Staub auch österreichische Briefe. Diese sind nun im Internet hörber unter http://www.liebesbriefe.ausderzeit.net
Hier ein Beispiel, wie ein Herr 1940 eine Bürokollegin anspricht:

“Sehr geehrtes Fräulein! Da es mir leider nicht möglich ist, Sie im Büro zu sprechen, bitte ich Sie sehr, mir ausserhalb der Amtsräume Gelegenheit zu einem Zusammentreffen zu geben.”

Das wirkt. Einige Monate später beginnt ein Brief des Fräuleins der Frau folgendermassen:

“Wenn Du es nur spüren könntest, wie glücklich mich jedes liebe Wort, jeder Händedruck von Dir macht und wenn ich weiß, dass Du hie und da ein kleines bißchen an mich denkst. Ich möchte, dass auch Du so glücklich bist und will mich bemühen Dir immer eine gute Frau zu sein.”

Wenn das nicht eine aufmunternde Geschichte für den Valentinstag ist!

Bühne, Kunst/Museen, Musik


Rote Fabrik: Ehre ohne eigenes Zutun

Eine Einladung an das Berliner Theatertreffen ist die höchste Ehre, die ein deutschsprachiges Theater erfahren kann. Nebst dem Schauspielhaus ist dieses Jahr auch die Rote Fabrik mit Marthalers “Platz Mangel” eingeladen. Dass ein alternatives Kulturzentrum an das Stadttheatertreffen fahren darf, ist aussergewöhnlich. Ein Zeichen dafür, dass die Rote Fabrik endgültig Teil des bürgerlichen Kulturestablishments geworden ist? 
So einfach ist das nicht. Denn: Die Rote Fabrik kommt ohne eigenes Zutun zur Theatertreffen-Einladung. Marthaler brachte für “Platz Mangel” sein gesamtes Team mit, niemand aus dem Umfeld der Roten Fabrik hatte irgend etwas mitzureden. Marthalers Produzent hat alles Geld selber aufgetrieben — die Fabrikler hatten nur den Raum freizuhalten und den Kartenverkauf zu organisieren.
Das ist an sich kein Problem. Doch man würde sich wünschen, die Rote Fabrik würde mit dem normalen Programm mehr von sich reden machen. Abgesehen von der Marthaler-Produktion kann ich mich in den letzten Jahren nur an zwei Ereignisse erinnern, bei denen die Rote Fabrik Stadtgespräch war: Beim Plakat zur Faschismus-Ausstellung und bei der Beltrametti-Produktion von 400asa.
Sonst hört man vor allem, dass gewisse Künstler über viele Jahre in ihren billigen Ateliers sitzen bleiben und den Weg für Neues versperren. Akzente setzt der St. Galler Gemeinderat und Poetry-Slammer Etrit Hasler, er macht eine eigenständige, starke Fabrikzeitung — doch wer kennt schon die Fabrikzeitung? Nicht beurteilen kann ich das Musik-Programm.
Die Einladung ans Theatertreffen bringt der Roten Fabrik international Publizität. Wer weiss, vielleicht verleiht dies der Fabrik neuen Schwung — es wäre dringend nötig.

Zum Thema:
Marthalers zweites Versprechen
Plakatstreit: Hoby als allmächtige Instanz