Kunst/Museen
10. Februar 2008
Pipilotti Rist: Liege & Lounge

Pipilotti Rist musste für ihr Kempin-Spyri-Denkmal an der Uni Zürich ziemlich Prügel einstecken. Ob die überdimensionierte Liege der ersten Schweizer Juristin gerecht werde, sei hier nicht noch einmal abgehandelt. Doch wenns ums Liegen, bzw ums hinfläzen geht, so lohnt sich wieder einmal eine Fahrt nach St. Gallen, zu Pipilottis “Stadtlounge”.
Über zwei Jahre nach der Einweihung wirkt das Gebiet mit dem roten Gummiboden noch immer surreal – ein Wohnzimmer im Freien, das von Autos durchfahren wird. Und noch immer staunt man über den Mut, ein solch grossflächiger künstlerischer Eingriff in eine Stadt zuzulassen. Eigentlich erstaunlich, dass kaum mehr über dieses Projekt gesprochen wird.
/sms ;-) schrieb:
wow! wir sind zeitgleich… vor wenigen minuten dieser post: http://blog.rebell.tv/p6934.html (inkl. link zum gespräch mit pipilotti rist und carlos martinez!
aber vielleicht müsste doch noch den “auswärtigen” erklärt werden: die sog. “stadtlounge” ist eine der knallhartestens (darum auch knallrot! inkl. porsche!!! deutlicher gehts nimmer!) eine neo-liberalismus kritik, welche bloss noch durch richard serra in st. gallen getopt wird!
dein bild ist ja insb. auch deshalb noch gut, weil gezeigt wird, dass die autos mitten durchs wohnzimmer fahren… und falls nach güllen gefahren wird: unbedingt am sonntag fahren. dann wir deutlich, dass hier nur gewohnt wird, wenn die dazugehörige bank offen hat! aber auch an anderen tage: wer sich den künstlernden anschliesst, wird hier im regen hocken gelassen…
rico: expliziter kann das elend dieser tage kaum expliziert werden!!! wie gesagt: es ist eigentlich schon viel zu plump, direkt, eine ohrfeige…
das waren noch zeiten, als die mönche ihre verquere bescheidenheit vor gott mittels zwei prächtigen türmen senkrecht in den himmel ragen liessen…
das waren noch zeiten, als die industriellen dampf *unterm füdli* hatten und ihre sensationellen monumente (normale büros, bahnhöfe etc!) als kontrapunkt zu den pfaffen aufstellten…
heute genügt es den gewinnoptimierten, wenn alles rot angepinselt ist…
dochdoch: st. güllen ist eine reise wert: die drei stationen sind alle innerhalb von 10 minuten abgeschritten. aber dann: und dann unbedingt weiter spazieren… nach dem “stadtheater”, der “tonhalle” oder dem “kunstmuseum” fragen… dort kann richard serra bewundert werden… auch er hat das anliegen von rist/martinez auf den punkt gebracht: freilich etwas eleganter, geübter, subversiver. (er hat zudem noch viel mehr geld bekommen für seine arbeit…) hier gehts zum intro-video: http://tv.rebell.tv/p2295.html
gruss aus wien!
Geschrieben am 10. Februar 2008 um 23:01Uhr | Permalink
/sms ;-) schrieb:
und noch was: die stadtlounge wird sehr wohl intensiv besprochen. zb am kongress *parCITYpate* auf dem kampnagel in hamburg. (dort gabs zwar eher schlechte noten. aber insb. auch deshalb, weil carlos martinez eben den kritischen ansatz dieser arbeit nicht vermittelt hat ;-) jaklar: auch dazu tonnenweise videos bei uns: http://tv.rebell.tv/cseunisgch/
jetzt aber keine weiteren posts mehr… für heute ;-) sei wild, rico!
und BITTE unterschätze pipilotti rist nicht!
trau ihr mehr zu! sie ist m.E. eine der grössten künstlerinnen der gegenwart. die trennung zwischen kuration und kunstschaffenden hat schon einen sinn. (heute könnte gemeint werden, bloss finanziellen. das wäre aber zu oberflächlich gedacht.) die kunstvermittlung ist eine eigene kunst. eine eigene aufgabe… sei wild. ok?
Geschrieben am 10. Februar 2008 um 23:20Uhr | Permalink
rb schrieb:
Danke für den Link zum Video von der Stadtlounge-Eröffnung!
Ja, St. Gallen lohnt sich zurzeit, im Kunstmuseum ist gerade Christoph Rütimann, ab März Erwin Wurm, da sollte man wohl auch wieder in den Osten fahren.
Pipilotti Rist nicht unterschätzen… was soll ich dazu sagen? Nächstens kommt ja ihr erster Spielfilm ins Kino, spätestens dann wirds hier mehr über sie zu lesen geben.
Geschrieben am 11. Februar 2008 um 00:21Uhr | Permalink