Bühne


Hat Pereira einen neuen Chefdirigenten?

Im Opernhaus hatte gestern Schumanns Genoveva Premiere, ein Stück auf Deutsch mit deutschen Übertiteln (für Gehörlose?). Regisseur Martin Kusej versucht die dicke Staubschicht auf dem Libretto mit einer klinisch sauberen Bühne zu überdecken, die aber nur solange sauber bleibt, bis das Blut spritzt. 
Das Opernhauspublikum lässt sich nicht mehr so einfach provozieren wie auch schon, selbst Nackt- und Oralsexszenen wurden ohne Raunen aufgenommen. Vielleicht sind jene, die sich aufregen, schon von Beginn weg zu Hause geblieben, im Parkett blieben erstaunlich viele Sitze leer. Allzuviel haben die Abwesenden nicht verpasst, auch ein Kusej-Gemetzel kann dieses Stück nicht retten.
Ein Gesprächsthema in der Pause war Pereiras Suche nach einem neuen Genaralmusikintendanten. Dem Vernehmen nach hat er schon jemanden an der Angel, dabei soll es sich aber nicht um den oft genannten Favoriten Ingo Metzmacher handeln. Um noch etwas mehr Gerüchte zu verbreiten: gemunkelt wird, der Mann könnte Michael Tilson Thomas heissen, bisher Chefdirigent der San Francisco Symphony; er werde in Kürze in Zürich vorstellig. Wichtig dabei: falls Pereira bald einen neuen Generalmusikintendanten präsentieren kann, steigen die Chancen, dass sein 2011 endender Vertrag um eine weitere Amtszeit verlängert wird.

Kommentare (4) zu “Hat Pereira einen neuen Chefdirigenten?”

  1. Marcello schrieb:

    Auf jeden Fall dirigiert Tilson Thomas nächstes Jahr eine neue Tosca in Zürich. (Ob dieses Stück unbedingt eine Neuinszenierung braucht, ist natürlich eine andere Frage. Es gibt viele Stücke, vor allem aus den letzten 60 Jahren, die dringender gespielt werden müssten als ausgerechnet Tosca.)

    Und eine Vertragsverlängerung für Pereira wäre meiner Ansicht nach eine Katastrophe für das OHZ, das dringend ein Konzept und eine Spielplandramaturgie braucht, die nicht auf dem Zufallsprinzip (Wer hat noch nicht, wer will noch mal?) beruht.

    Ich fand übrigens die Inszenierung von Kusej gestern abend sehr gut und auf jeden Fall besser als das meiste in der aktuellen Saison. (Was natürlich bei Konkurrenten wie del Monaco und Joel nicht viel bedeutet.)

  2. Alberich schrieb:

    Nur weil Pereira seinen Dirigentenstamm noch mehr erweitert, heisst das noch lange nicht, dass er auch gleich Chef wird – Thomas wäre eine absurde, völlig unzürcherische Lösung. Immerhin ist es interessant, endlich mal eine Santi-Alternative zu hören.
    Ich glaube, der Chefdirigenten-Zug ist abgefahren. Pereira schaukelt sich bis 2011 als absoluter Opernhausherrscher durch.

  3. rb schrieb:

    Ob es sich um Thomas handelt, ist tatsächlich nur eine Mutmassung. Dass er bereits jemanden an der Angel hat, das soll Pereira jedoch tatsächlich angedeutet haben.
    Was gegen die durchschaukel-bis-2011-Theorie spricht: Pereira hat bereits öffentlich gesagt, dass er gerne verlängern würde. Wahrscheinlich nicht zuletzt auch aus pekuniären Gründen; es ist kein Geheimnis, dass Pereira auf ein hohes Einkommen angewiesen ist.

  4. Marcello schrieb:

    MTT ist auch schon 64. Sicher nicht zu alt für eine Tosca-Serie, aber vielleicht doch etwas alt für einen Job mit viel Präsenzeit und administrativen Aufgaben in Zürich.

    Es ist ja logisch, dass Pereira verlängern möchte – er ist ja unterdessen zum Mr. Opernhaus geworden und wird von vielen (nicht von mir) für sein System Pereira bewundert. Es aber zu hoffen, dass der VR den Mut, die Nerven (und das Geld?) aufbringt für einen Neuanfang. Der Entscheid müsste aber demnächst fallen – 3 Jahre sind nicht sehr lange, wenn man in der obersten Liga der Opernhäuser mitspielen will.