Bühne, Sonstiges


In der Börsenkrise in Kulturaktien investieren

Das Swiss Equity Magazin widmet sich in seiner neuesten Ausgabe der Schauspielhaus Zürich AG. Unter dem Titel “Kultur-Shareholder” heisst es:

“Die Schauspielhaus Zürich AG ist mit ihren zwei komplementären Spielbühnen mehr wert als sie kostet.”

Tönt gut. Aber es kommt noch besser:

“Das Papier [Aktie] bringt keine Dividende, sondern Zugang zu einer Privataufführung im Kreis der Aktionäre — bei Preisen für die besten Parkettplätze von um die 100 CHF eine stolze Rendite. (…) Mit einem Einstieg verleiht man auch einem klug diversifizierten Portfolio noch ein gewisses Etwas und einen zusätzlichen dramatischen Akzent.”

Gut möglich, dass sich die Anleger in Zeiten der Börsenkrise vermehrt auf nicht-monetäre Gewinne wie den Genuss einer Theateraufführung besinnen. Der Kulturbranche kann das nur recht sein.
-> Artikel aus dem Swiss Equity Magazin (pdf, 115 kb)

Kommentare (6) zu “In der Börsenkrise in Kulturaktien investieren”

  1. philipp meier schrieb:

    hahaha…, sehr schön!

    es gibt zwei gesellschaftlich akzeptierte rollen von kunst:

    1. retro & schönheit
    wenn es den leuten (wirtschaftlich) mies geht, dann sehnen sie sich nach schönheit und/oder nach den guten alten zeiten.

    2. noch schlimmer & noch krasser
    wenn es den leuten (wirtschaftlich) mies geht, dann besorgen sie sich einen wohligen schauer in einer noch viel dramatischeren (kunst)welt.

    ich gestehe, dass ich das schauspielhaus um diesen artikel beneide! das wäre eigentlich eine logische folge fürs cabaret voltaire gewesen…, als fortsetzung der studie von IBZL.
    wobei: das cabaret voltaire könnte als dividende einen farbanschlag auf das bürogebäude oder privat-wohnhaus eines jeden aktionärs (frauen mitgemeint;) anbieten..; mit individuell zugeschnittenem bekennerschreiben (presse-artikel inklusive:)

  2. rb schrieb:

    Das mit dem Farbanschlag ist gar nicht so unrealistisch. Es gab schon Guerilla-Werbekampagnen von grossen Firmen, die dem schon ziemlich nahe waren.

  3. philipp meier schrieb:

    dacht’ ichs mir, dass die marketingleute schon wieder schneller als die kunst waren…

  4. Hanspeter Gautschin schrieb:

    NEIN, lieber Philipp: Marketing kann, wenn überhaupt, nur Abklatsch sein.

  5. philipp meier schrieb:

    ich meinte damit nur, dass die kunst längst nicht mehr gesellschaftlicher pace-maker ist. sie ist wohl viel zu satt geworden. siehe auch http://www.dasmagazin.ch/index.php/Platzt_der_Kunst_das_Herz%3F

  6. Theo schrieb:

    “Legen sie Ihr Geld in Dada an” steht unter anderem in der Collage von Hannah Höch “Schnitt mit dem Küchenmesser Dada durch die letzte weimarer Bierbauchkulturepoche Deutschlands”, 1919, Neue Nationalgalerie, Berlin