Sonstiges
20. Februar 2008
Prämie für Künstler, die aufgeben?
Der Bund will jedem Bauern, der freiwillig seinen Hof aufgibt, 7000 bis 9000 Franken pro Hektare bezahlen. Dies als Anreiz, sich aus dieser Hochsubventionsbranche zu verabschieden. Eine Frechheit, finden die Bauern. Denkt man diesen Ansatz weiter, so könnte man auch jedem Künstler 100′000 Franken anbieten, der langfristig einen bürgerlichen Beruf annimmt. Auch das könnte für die öffentliche Hand lohnend sein. Doch Künstlern und Bauern ist wohl gemeinsam: ihr Beruf ist mehr als bloss eine Erwerbstätigkteit. Die meisten werden ihn auch gegen viel Geld nicht eintauschen wollen.
fastkultur schrieb:
Dass die meisten Künstler und Bauern ihren Beruf auch nicht gegen viel Geld eintauschen wollen, berechtigt sie aber noch nicht zur Forderung, dass sie für die Ausübung dieses Berufs auch gut bezahlt werden.
Geschrieben am 20. Februar 2008 um 13:11Uhr | Permalink
fastkultur schrieb:
d.h. fordern dürfen sie es schon, aber es gibt kein Menschenrecht auf agri- oder sonstige kulturelle Tätigkeit zum Kollektivlohn …
Geschrieben am 20. Februar 2008 um 13:14Uhr | Permalink
rb schrieb:
Zurzeit steht bei der Suisseculture nicht die Forderung nach einem höheren Lohn, sondern nach einer Künstlersozialversicherung im Vordergrund. Wobei dies in eine ähnliche Richtung geht, schliesslich sollte die vom Steuerzahler gespiesen werden. Die nicht unberechtigte Frage lautet da: Warum soll selbständigen Künstlern etwas gewährt werden, was selbständig Erwerbende in anderen Branchen auch nicht haben?
Geschrieben am 20. Februar 2008 um 13:21Uhr | Permalink
Alice schrieb:
Darf ich an dieser Stelle als selbständig Erwerbende (und gemäss irgendeiner klugen Definition “Selbstausbeuterin”) die Hände in die Luft halten und sagen: “Danke, ich nehme die CHF 50′000″? (Heute ist so ein Tag, an dem ich das Geld nähme.)
Ich meine damit nicht meine Autorentätigkeit, von der ich sowieso nicht leben kann (für die ich aber unter keinen Umständen einen Grundlohn möchte!), sondern meine Firma.
Ich schliesse mich rb an: “Warum soll selbständigen Künstlern – oder Bauern – etwas gewährt werden, was selbständig Erwerbende in anderen Branchen auch nicht haben?
Geschrieben am 20. Februar 2008 um 16:38Uhr | Permalink
ensuite schrieb:
Mir persönlich gefällt die Frage, welche Couchepin im Kulturmagazin Luzern vor ein paar Monaten gestellt hat: Wie definiert man überhaupt eine/n KünstlerIn?
Dass man Strukturen erarbeitet, ein Sozialversicherungsmodel aufbaut, welchem man beitreten kann – super. Doch es sind gerade die finanziell weniger erfolgreichen (man möge mir diese heikle Definition verzeihen) KünstlerInnen, welche nach Sozialversicherung rufen. Was ist mit jenen, welche mit ihrer Kunst Millionen umsetzen? Oder: Ist ein Galerist auch ein Künstler? Wieviel Prozent ist man Künstler, wenn man daneben noch im Restaurant serviert? Wo ist das Kunsthandwerk? Ist der Schreiner auch ein Künstler?
Geschrieben am 20. Februar 2008 um 21:00Uhr | Permalink
rb schrieb:
Ist wirklich eine interessante Frage. Die deutsche Künstlersozialkasse (www.kuenstlersozialkasse.de) beschreibt die Voraussetzungen für die Mitgliedschaft folgendermassen:
“Es muss eine selbständige künstlerische/publizistische Tätigkeit als Beruf (also zum Zweck des Broterwerbs) ausgeübt werden. Der Kunstbegriff orientiert sich an typischen Berufsbildern. Ein Grafik-Designer beispielsweise ist in diesem Sinne Künstler, während etwa ein Möbeltischler als Handwerker und nicht als Künstler gilt. Ein Musiklehrer fällt schon nach dem Gesetzeswortlaut unter den begünstigten Personenkreis.
In ‘Grenzfällen’ hängt die Künstlereigenschaft davon ab, ob der/die Betreffende in den massgeblichen Fachkreisen als Künstler anerkannt ist (erkennbar z. B. an der Mitgliedschaft in künstlerischen Berufsverbänden oder der Teilnahme an Ausstellungen).”
Man merkt richtiggehend, wie viel Mühe das entsprechende Gremium hatte, diese Zeilen zu formulieren.
Geschrieben am 20. Februar 2008 um 22:44Uhr | Permalink
GEK schrieb:
Ensuite stellt die frage wie man eine/n KünstlerIn definiert. Wir sind der Auffassung dass, der Aussage von Josef Beuss entsprechend “jeder Mensch ein Künstler ist”. Darum fordern wir ein Grundeinkommen, ein unbedingtes Einkommen für jede Person als individueller Anspruch, bedarfsunabhängig und ohne Arbeitsverpflichtung. Unter ‘Grundeinkommen’ ist eine finanzielle Zuwendung zu verstehen, die jedem Bürger oder jedem Bewohner eines Landes als Rechtsanspruch zusteht, so hoch, daß sie eine angemessene Lebensführung ermöglicht, ohne Rücksicht auf sonstiges Einkommen, auf Stand, auf Arbeit oder Verfügbarkeit für Erwerbsarbeit. Je nach sonstigem Einkommen könnte dieser Betrag zur Auszahlung gebracht oder mit der Steuer – als Steuerabsetzbetrag – verrechnet werden. GEK
Geschrieben am 22. Februar 2008 um 19:37Uhr | Permalink
Alice / Zappadong schrieb:
@ GEK: Schnüfelige Idee, GEK. Ich lasse mich jetzt mal provozieren und frage nach, wie Ihr Euch das vorstellt? Wer finanziert das? Bitte jetzt nicht den Spruch über “die Reichen” ohne “die Reichen” definiert zu haben. Und definiert bitte gleich auch noch angemessene Lebensführung.
PS: Ein Anliegen hätte ich auch noch, ein Persönliches. Eure in Blogs hinterlassenen, mit Grossbuchstaben geschriebenen Forderungen sind ja ganz witzig, aber sie verpuffen total, wenn ihr danach nicht in einen Dialog tretet.
Alice / Frau Zappadong
Geschrieben am 23. Februar 2008 um 11:15Uhr | Permalink
GEK schrieb:
Zur Finanzierung muss eine starke Vereinfachung und Neuordnung des Steuersystems erfolgen sowie sehr viel weniger Aufwand und Bürokratie in der Sozialverwaltung, da bisherige Transferleistungen durch das bedingungslose Grundeinkommen ersetzt würden. Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Rente, Kindergeld und ähnliche Sozialleistungen würden schrittweise ersetzt und letztendlich wegfallen.
Zur Besteuerung gibt es im Wesentlichen zwei Modellansätze: Besteuerung des Konsums oder Besteuerung des Einkommens.
Geschrieben am 23. Februar 2008 um 12:54Uhr | Permalink
O. Graus schrieb:
@GEK: Ich schlage vor, ihr GEKs geht noch mal für ein paar Jahre über die Bücher und meldet Euch wieder, wenn Ihr versteht, was Ihr da trompetet. Jetzt ist’s nur ein Anfängergedudel. Die letzten Jahren waren irgendwie besser ohne dieses Getrööte. Sorry.
Geschrieben am 23. Februar 2008 um 21:08Uhr | Permalink
GEK schrieb:
Verzeihen ist die beste Rache.
Geschrieben am 24. Februar 2008 um 11:46Uhr | Permalink
Hanspeter Gautschin schrieb:
Da muss ich GEK vollkommen recht geben. Ein Grundeinkommen für Alle ist keine träumerische Utopie. Auch rein rechnerisch geht’s auf. Im übrigen gibt’s im Internet interessante Seiten, die ein solches Modell detailliert beschreiben. Und wenn’s noch keiner bemerkt hat: Die Arbeit hat sich tatsächlich verändert. Heute stimmt der gewerkschaftliche Slogan: Ein Recht auf Arbeit, nicht mehr. Heute müsste es heissen: Ein Recht auf ein würdiges Leben.
Geschrieben am 25. Februar 2008 um 08:13Uhr | Permalink
Lukrezia Pistol schrieb:
@Gautschin: Könnten sie ein” würdiges Leben” definieren?
Geschrieben am 25. Februar 2008 um 08:23Uhr | Permalink
Hanspeter Gautschin schrieb:
Für ALLE kann ich ein würdiges Leben nicht definieren – lediglich für mich. Merci für den Hinweis. Ich werde im Lauf des heutigen Tages auf meinem Blog auf ein solch’ würdiges Leben eingehen.
Geschrieben am 25. Februar 2008 um 08:33Uhr | Permalink
O. Graus schrieb:
Danke, Herr Gautschin für den Hinweis. Ich werde mich auf ewig gegen ein “Grundeinkommen” wehren. Eine solche Form bedingt die totale Abhängigkeit und Überwachung vom Staat (1984). Das wäre ein grosser Schritt ins Lemming-Zeitalter. Es ist mir klar, dass sich die Zeit verändert hat, aber Arbeit ist Arbeit geblieben. Unser Denken und unsere Ansprüche haben sich verändert. Ich greif da lieber zur Schaufel in Unabhängigkeit und Freiheit. Soviel ist mir mein würdiges Leben wert…
Geschrieben am 25. Februar 2008 um 08:50Uhr | Permalink
GEK schrieb:
Narrenweisheit ist immer noch besser als intellektuelle Dummheit.
Geschrieben am 25. Februar 2008 um 09:48Uhr | Permalink
philipp meier schrieb:
@o.graus: als ob es heute keine steuerprüfer und sozialdetektive gäbe (was es übrigens beides bei einem grundeinkommen definitiv nicht mehr bräuchte). wieso haben sie angst, geld zu erhalten? sind sie so unabhängig, dass sie von niemandem geld nehmen? viel spass beim schaufeln…;)
Geschrieben am 25. Februar 2008 um 10:05Uhr | Permalink
O. Graus schrieb:
@ philipp meier: Ich nehme gerne Geld an. Daran liegt es nicht. Doch was für Geld? Und wofür? Ist der Sinn des Lebens nur noch auf dem Geld niedergeschrieben? Egal, wieviele Bomben damit gebaut werden, wieviel Blut daran klebt und wieviel ich dafür “busmen” muss? Ganz pathetisch: Ich bin soweit unabhängig, ja. Ich arbeite mit meiner Schaufel, habe viel gelernt und jetzt ist meine Fähigkeit gefragt und bezahlt. Die Einstellung zur Arbeit musste ich erst lernen. Das Stück gewonnener Freiheit ist aber unabhängig und unschuldig. Ich bin sehr zufrieden.
Steuerprüfer und Sozialdetektive gibt es, weil Menschen zu kriminellen Handlungen neigen – sonst wären diese Kontrollen nicht nötig. Ein Grundeinkommen macht die Kriminalität nicht weniger. Waren Sie mal in Russland? Gehen Sie erst mal in diese Länder und prüfen Sie Ihr Denksystem. Fragen Sie die Menschen dort, wie es vorher war und wie es jetzt ist! Wir können dann mal bei Ihnen in der Kommunalwohnung ein Bier trinken…
“Masse”, “Mensch” und “Zeit”. Die Formel für diese Gleichung ist sehr schwierig. Ich habe auch keine Lösung gefunden, oder nur eine, die für mich momentan moralisch vertretbar ist. Prost.
Geschrieben am 25. Februar 2008 um 10:34Uhr | Permalink
philipp meier schrieb:
@o.graus: ich mag halt einfach nicht, wenn dieses «arbeit macht frei» mit schwingt. erstaunlich eigentlich, dass sich heute insbesondere «linke» an diesem slogan, der über dem tor zu einem konzentrationslager geschrieben steht, orientieren. mich schauderts, wenn die menschliche daseinsberechtigung über bezahlte arbeit definiert wird (über geld wird sie so oder so…; ich lasse mir jedoch sehr gerne antikapitalistische lebensmodelle erläutern:)
und: danke für die netten tipps aus ihrem weltläufigen leben. sie gehen also davon aus, dass ich nicht reise…, und wenn doch, dass ich dann nicht mein denksystem prüfe. nichts desto trotz: ich reise demnächst zum dritten mal nach westafrika und stelle mir dabei (erstaunlicherweise) auch ein paar fragen…
schade, dass sie das grundeinkommen nicht etwas differenzierter kritisieren. ich bin mir ziemlich sicher, dass sich dabei unsere verschlungenen denkwege kreuzen könnten…; denn ich bin nicht ideologieverblendet…;)
Geschrieben am 25. Februar 2008 um 11:14Uhr | Permalink
Alice / Zappadong schrieb:
Vielleicht bin ich zu blöd, aber ich verstehe nicht, wie wir das Grundeinkommen finanzieren sollen.
Hanspeter hat auf seiner Webseite den Link zu Wikipedia gesetzt und da erfahre ich, dass eine Möglichkeit die Besteuerung des Konsums ist. Das würde dann – gemäss Modellerklärung – ca. 48 Prozent sein. Das Grundeinkommen läge am Anfang zwischen 200 und 400 Euro, später bei bis zu 1500 Euro. Wenn ich jetzt bedenke, dass ich alleine bei meinem normalen Dienstagseinkauf für meine Familie zwischen 120 und 180 Franken hinblättere (der Einkauf reicht dann mit viel Glück bis zum Freitag und beschränkt sich auf Lebensmittel und Hygieneartikel – klammert also Kleidung uws aus), scheint mir das Grundeinkommen nicht geeignet, ein “würdiges Leben” zu garantieren. Sprich: Ich müsste dann trotzdem arbeiten (was – glaube ich – im Prinzip des Grundeinkommens auch inbegriffen ist). Den Lohn könnte ich dann mit dem Arbeitgeber aushandeln. Ich wage vorherzusagen, dass wir früher oder später genau die gleichen Probleme hätten wie heute. Nur, dass dann niemand da wäre, der auf Einkommen Steuern bezahlt … und damit wäre ich wieder am Anfang: Mir ist einfach nicht klar, wie wir die Sache finanzieren würden.
Geschrieben am 25. Februar 2008 um 13:18Uhr | Permalink
philipp meier schrieb:
@a/z: was die höhe betrifft, bin ich auch eher unsicher. es liest sich jedoch (zumindest) einleuchtend, dass, wenn es keine ahv, iv, alv, sozialhilfe, etc. mehr gäbe, dann nicht nur das in diesen bereichen ausbezahlte geld neu verteilt würde, sondern auch die ausgaben für die gesamten administrationskosten (löhne, raummiete, technische infrastruktur, etc.pp.) zusätzlich verteilt werden könnten.
ich persönlich würde jedoch eher mit der haltung von stefan von http://www.rebe.tv einig gehen und für eine negative einkommenssteuer plädieren (platt formuliert: reiche zahlen, arme erhalten geld…; denn es macht wenig sinn, auch den reichen ein grundeinkommen zuzugestehen…)
Geschrieben am 25. Februar 2008 um 13:31Uhr | Permalink
Alice / Zappadong schrieb:
Ich bin total gegen eine negative Einkommenssteuer. Ich denke sogar, dass jeder Steuern bezahlen sollte, und seien es nur CHF 50.00. Mit den Steuern finanzieren wir unseren Staat, sorgen dafür, dass es allen gut geht (gut gehen sollte). Es ist der Beitrag, den jeder für die Allgemeinheit leistet. Daran sollte jeder und jede teilhaben (können / dürfen / sollen / müssen). Der Staat sind wir alle, also soll auch jeder etwas dazu beitragen. Das ist nicht zuletzt für alle der Anreiz und die Motivation, Sorge zu “unserem” (ja, es ist UNSERER) Staat zu tragen.
Was mir immer noch fehlt – und wohl immer fehlen wird – ist die Definition von “reich” in unserem Staat. Ich habe so leise den Verdacht, “reich” ist für jeden das, was er halt gerade nicht verdient. Sprich, sollen doch andere blechen, die noch ein wenig mehr haben als man selbst – das sind dann die “Reichen”.
Geschrieben am 25. Februar 2008 um 13:50Uhr | Permalink
philipp meier schrieb:
pardon, aber ich hasse diese bevormundung der leute. du schreibst, als ob alle am liebsten faul auf der matte rumliegen möchten.
du möchtest also lieber, dass alle steuern zahlen…; mit denen dann u.a. ein relativ aufwändiges konstrukt namens «sozialhilfe» finanziert würde, welches den leuten ermöglichen täte, steuern zu zahlen, und wenn es nur 50.- wären.
wieso definierst du auch den staat v.a. über geld? im vergleich zum passiven steuern zahlen ist unsere möglichkeit, den staat über das stimmrecht aktiv mitzugestalten so gesehen viel produktiver (wenn schon «sinnstiftung»; apropos UNSER staat)
ich würde übrigens nie behaupten, dass die masse als solches intelligent ist, im gegenzug aber auch nie, dass die gesellschaft per se schlecht ist.
ich bin wirklich erstaunt, wie man denken kann, dass wir heute frei sind…; respektive, dass man den menschen keine (absoluteren) freiheiten zugestehen möchte.
Geschrieben am 25. Februar 2008 um 14:10Uhr | Permalink
Alice / Zappadong schrieb:
Hoi philipp. Hier eine – etwas ernste – Antwort ohne Blinzelzeichen: Entschuldigung, aber wo ist da die Bevormundung? Ich nenne das Würde, von mir aus auch Stolz und Selbstbewusstsein, wenn jeder an seinem Staat auch finanziell teilhat. Von mir aus könnte man auch Modelle suchen (und finden), bei denen jene, die nicht bezahlen können, ihre Steuern “erarbeiten”, indem sie in irgendeiner Form für die Allgemeinheit arbeiten. Auf jeden Fall sollte jeder / jede das Gefühl haben, aktiv am allgemeinen Leben teilzuhaben. Ist es nicht so, dass eines der schlimmsten Gefühle bei Sozialhilfeempfängern oder – in dem von dir angesprochenen Fall von Negativbesteuerungsbegünstigten – das “Schmarotzerempfinden” ist. Und ich spreche hiermit nicht davon, dass ich oder wer auch immer Menschen an der Armutsgrenze und darunter als Schmarotzer ansieht oder betitelt, sondern von dem ureigenen Empfinden dieser Leute.
Natürlich ist die Demokratie auch ein Weg, ein sehr guter und sehr produktiver (er könnte noch produktiver sein, wenn etwas mehr als 38,irgendwas % daran teilnehmen würden).
Das mit der faulen Matte hast du gesagt. In meinem Umfeld gehen 99 Prozent mit Begeisterung oder mindestens gerne zur Arbeit (auch jene mit kleinen und sehr kleinen Löhnen). Und ich habe noch beinahe keinen gefunden, der aufhören würde zu arbeiten, wenn der Sechser im Lotto ihn treffen würde.
Wieso ich den Staat über Geld definiere? Erstens: Ich definiere ihn nicht nur über Geld. Zweitens: Aber auch. Wir leben heute nun einmal in einem System, das von Geld geprägt wird. Keine noch so kreative Idee alleine ermöglicht den Bau eines Schulhauses, stellt öffentliche Infrastruktur zur Verfügung. Am Ende will alles finanziert sein.
Das gilt sowohl für den Grundlohn als auch die Negativbesteuerung. Gedankenspiele zur Überwindung des Kapitalismus sind spannend. Leben tun wir aber nun mal in einer “Hochzeit” des Kapitalismus – vielleicht stehen wir an dessen Ende. Aber was immer danach kommt: In irgendeiner Form werden wir für unsere Schulen, Krankenhäuser, öffentlichen Verkehr bezahlen müssen.
Doch, ich denke, dass wir frei sind (tatsächlich). Nicht ganz frei, aber bestimmt nicht unfreier als zu den Zeiten, als man seinen Zehnten abgeliefert hat oder als Hexe verfolgt wurde oder für seine politischen Ansichten erschossen wurde oder keine Stelle als Lehrerin fand, weil man die Armeeabschaffungsinitiative unterschrieben hatte. Frei sein bedeutet für jeden etwas anderes und wenn jemand eine absolutere Freiheit will (was immer das ist), soll er sie für sich suchen und finden. Wenn du so willst, kommt mir aber auch hier meine innere Moraltante in die Quere: Wer immer von unserem System in irgendeiner Form profitiert, soll auch in irgendeiner Form etwas zurückgeben. Das Leben ist Geben und Nehmen, Nehmen und Geben. Nur wo diese Balance da ist, fühlen sich alle wohl.
Geschrieben am 25. Februar 2008 um 15:15Uhr | Permalink
philipp meier schrieb:
es ginge doch «einfach» darum, die geldeingänge und -ausgänge in der staatlichen buchhaltung neu zu denken. nichts mehr und nichts weniger. in diesem zusammenhang verstehe ich leider deinen standpunkt immer noch nicht. findest du das heutige system mangels alternativen das beste? fändest du das grundeinkommen besser als die negative einkommenssteuer?
Geschrieben am 25. Februar 2008 um 17:02Uhr | Permalink
Alice / Zappadong schrieb:
Ja, ich finde das heutige System (das nicht gerecht ist), immer noch die beste Alternative. Es gibt eine Progression, die die besser Verdienenden durchaus härter zur Kasse bittet, es entlastet tiefere Einkommen, und zwar nicht nur durch die Progression, sondern auch durch Verbilligungen (Krankenkassenprämien, Stipendien für Jugendliche in der Ausbildung). Es gibt meine Ansicht nach kein einziges gerechtes Steuersystem, aber unseres kommt einem gerechten immerhin in die Nähe.
Mit der negativen Einkommenssteuer kann ich gar nichts anfangen. Da kommt für mich das Ausspielen der “Armen” (wirklich “Arme” wollen sich nicht als “Arme” sehen – und sie wollen schon gar keine Almosen) gegen die “Reichen” (die bis heute NICHT definiert sind, sondern eine wabberige, unumrissene und generell gebranntmarkte Masse von “bösen Steuerdrückebergern”) zum Tragen, diese unsägliche Neiddebatte, die sich an ein paar ganze wenigen Superreichen, die alle Tricks kennen, orientiert, die die Stimmung vergiftet und einen vernünftigen Dialog aussen vor lässt.
Die Idee des Grundeinkommens finde ich faszinierend und überdenkenswert, nur sehe ich beim Grundeinkommen einfach nicht, wie es finanziert werden soll. Wenn das Grundeinkommen in dem Staat, wie er jetzt ist und funktioniert, wirklich ein würdiges Leben garantieren soll (es sollen ja immerhin AHV und IV dafür abgeschafft werden), benötigen wir pro Person / Haushalt viel, viel mehr als in den von mir auf dem Internet gefundenen Modellen. Wenn wir das Grundeinkommen zu tief ansetzen, werden am Ende wieder genau jene benachteiligt sein, die es heute schon sind, und das soll ja nicht Sinn und Zwecke des Grundeinkommens sein.
Geschrieben am 26. Februar 2008 um 07:30Uhr | Permalink
philipp meier schrieb:
und was heute über rav, sozialamt, etc. verteilt wird sind keine almosen? wieso benötigen wir so dringend diese kaschierende umwege, diese armutsbaströckchen?
wir gehen doch davon aus, dass die reichen (wenn du unbedingt eine zahl lesen möchtest: z.b. ab 100′000.- einkommen pro jahr und ebenso viel guthaben) ihren reichtum nicht ausserirdisch sondern auf dieser gesellschaft und seinem kapitalistischem system aufgebaut haben (oder ihre väter oder grossväter). da ist es doch kein spiessrutenlauf, ein teil dieses geldes wieder an die gesellschaft zurück fliessen zu lassen, oder?! und wieso nicht direkt? wieso über diese geldverschlingenden administrationsmaschinen namens sozialhilfe, etc.?
ich akzeptiere jedoch, dass du am alten (autsch!;) festhalten möchtest und verabschiede mich hiermit aus diesem austausch…. (i know…, ist etwas gemeint…, mich mit soviel fragen zu verabschieden…;)
Geschrieben am 26. Februar 2008 um 10:12Uhr | Permalink
Alice / Zappadong schrieb:
Schade, dass du dich verabschiedest, wenn auch nur aus diesem Austausch (zum Glück). Schade, weil ich das Modell Grundeinkommen wirklich spannend finde, aber sich bis jetzt alle der Diskussion entziehen, wenn ich (ich mag “man” nicht) nach der Finanzierung frage. Es ist sehr einfach, hehr, sozial und kreativ zu denken – sich dann aus der Diskussion zurückzuziehen (GEK mit ein paar blöden kurzen Sprüchen, du wenigstens nach kritischen Fragen und Anmerkungen, die ich alle spannend und anregend finde).
DARAN scheitern Änderungen. Nicht an meinem vermeintlichen Festhalten am Alten, sondern dem Ausweichen, wenn es um konkrete Fragen und Lösungsmöglichkeiten geht.
Die Revolution im Kopf ist noch lange nicht die Revolution in die Tat umgesetzt. Auch wenn Hanspeter in seinem Blog den Gedanken so beschreibt : “Der Gedanke kommt vor der Tat bzw. kann sogar als Tat gewertet werden.”
Nein, der Gedanke ist nicht die Tat. Der Gedanke ist ein möglicher Anfang. Die Ausführung oder mindestens die ansatzweise Umsetzung oder der Versuch einer Umsetzung ist die Tat. Ich bin Macherin. Immer gewesen. Nur vom Philosophieren alleine wird die Welt nicht besser. Wenn der Gedanke schon als Tat gewertet wird, beruhigt man möglicherweise damit sein Gewissen, kann sich auf die Schulter klopfen, weil man zu den “Guten” gehört, die wenigstens hinterfragen. Wenn GEV ab und zu in einem Blog mit Grossbuchstaben die Revolution ausruft, dann ist das witzig, aber ernst nehmen kann ich das nicht. Ich will mehr.
Damit verabschiede auch ich mich aus diesem Austausch. Ohne weitere Fragen.
Wieso wir dieses Armutsbaströckchen brauchen? Vielleicht, weil sehr viele Leute ein sehr ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden haben (okay, über dieses könnten wir auch wieder diskutieren) und auch hier habe ich so eine Ahnung, dass es nicht unbedingt “die Reichen”, sondern vor allem auch die weniger gut Gestellten sind, die man von solchen Modellen nur schwer überzeugen könnte.
Geschrieben am 26. Februar 2008 um 11:20Uhr | Permalink
GEK schrieb:
ALICE DU HAST NICHT BEGRIFFEN FÜR WAS GEK STEHT UND WIE GEK FUNKTIONIERT. MUSST DU AUCH NICHT. ES SEI AUCH DIR VERGEBEN. IHR DÜRFT AUF UNS SCHIESSEN !!!
Geschrieben am 26. Februar 2008 um 20:31Uhr | Permalink