Bühne
21. Februar 2008
Schauspielhaus: Angst vor radikalen Muslimen beeinflusst Inszenierung
Regisseur Stefan Pucher gibt zu, dass mögliche Gewaltandrohungen von radikalen Muslimen seine Inszenierung von Shakespeares “Kaufmann von Venedig” beeinflusst haben. Im Tages-Anzeiger wird er zitiert:
„Wir hatten uns gefragt, ob wir den Sylock durch einen Muslim, einen Fundamentalisten ersetzen sollten. Aber dann wären wir im Internet zur Hatz ausgeschrieben worden! Denken Sie an die Oper ‚Idomeneo’ in Berlin – ein Mohammed Kopf auf der und schon wird sie abgesetzt. Oder kürzlich die Demonstration einer islamischen Minderheit gegen den ‚Tatort’! Das ist doch eine imaginierte Gewaltandrohung! Wo bleibt denn da die Redefreiheit?“
Ja, wo bleibt da die Redefreiheit? Muslimische Extremisten dürften Puchers Sätze wie ein Triumph aufnehmen.
philipp meier schrieb:
das ist nicht der triumph der muslemischen extremisten, sondern der der schere im kopf von pucher (oder von dessen einsicht?!;)
der triumph der muslimischen extremisten ist der, dass du diese nachricht hier bringst. die skandalisierung macht erst einen skandal zum skandal. wenn z.b. in indonesien ein paar extremisten eine dänische fahne verbrennen, dann richtet sich der gesamte medienfokus auf diese aktion…., weil das friedliche leben der grossen moslemischen mehrheit dort medial keine bedeutung zu haben scheint. so gesehen ist pucher wenn schon das opfer der medialen überzeichnung.
angenommen, pucher wäre das risiko eingegangen, dann wäre eine allfällige eskalierung von protesten v.a. von der berichterstattung der medien abhängig gewesen. die sogenannte «vierte macht» im lande soll endlich ihre verantwortung wahrnehmen und sich nicht ständig hinter der objektivität vortäuschenden floskel «schreiben/zeigen was ist» verstecken.
Geschrieben am 21. Februar 2008 um 15:29Uhr | Permalink
rb schrieb:
Mit der dänischen Fahne hast du recht, ohne die mediale Überzeichnung wäre die Verbrennung ein Null-Ereignis.
Hier jedoch sagt Pucher, er habe aus Angst, oder weil er keine Angriffsfläche bieten möchte, eine Inszenierung geändert. D.h. egal ob die Medien darüber berichten oder nicht, zeigen hier (frühere) Drohungen von Extremisten inkl. deren mediale Verwertung eine direkte Auswirkung. Soll man das verschweigen, damit die Extremisten keinen Triumph erfahren?
Das ist tatsächlich eine Gratwanderung, in diesem Fall finde ich eine Veröffentlichung vertretbar — gerade auch um «die Schere im Kopf» aufzuzeigen, die nicht nur bei Pucher vorhanden ist.
Geschrieben am 21. Februar 2008 um 16:20Uhr | Permalink
philipp meier schrieb:
bin letztendlich froh, dass du diese passage raus gepickt hast; denn ich hatte leider keine zeit, den artikel zu lesen (da nehme ich mir viel lieber die zeit, hier mitzukommentieren…., hahaha…..:)
Geschrieben am 21. Februar 2008 um 17:43Uhr | Permalink
Dusan schrieb:
Das ist zum davonrennen!
Geschrieben am 22. Februar 2008 um 10:07Uhr | Permalink